Zweite Bundesliga

HSV gegen den 1. FC Heidenheim: Das Finale der Gegensätze

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HSV-Trainer Dieter Hecking (l.) kam vor einem Jahr. Sein Vertrag hat nur im Aufstiegsfall Gültigkeit. Kein Profitrainer ist aktuell länger bei einem Club als Frank Schmidt (46).

HSV-Trainer Dieter Hecking (l.) kam vor einem Jahr. Sein Vertrag hat nur im Aufstiegsfall Gültigkeit. Kein Profitrainer ist aktuell länger bei einem Club als Frank Schmidt (46).

Foto: dpa/Montage: HA

Am Sonntag treffen Heidenheim und Hamburg aufeinander. Im Falle einer Niederlage droht dem HSV erneut ein Totalschaden.

Hamburg. Freitagvormittag hatte Dieter Hecking eine Überraschung für seine Mannschaft parat. In der Kabine wurde der Fernseher eingeschaltet – und statt einer Taktikanalyse im Hinblick auf die Partie beim 1. FC Heidenheim am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei abendblatt.de) präsentierte der erfahrene HSV-Trainer seinen Spielern ein kurzes Motivationsvideo. Eine Bundeswehrkaserne der Marine hatte dem HSV diese digitale Grußbotschaft vor dem wichtigen Spiel in Heidenheim zukommen lassen. Die zentrale Botschaft der Soldaten aus Schleswig-Holstein: Antreten zum Aufsteigen!

„Ich freue mich einfach auf diese Spiele“, sagte Hecking ein paar Stunden später, als er via Zoom ein letztes Mal vor der Abreise gen Süden an diesem Sonnabend über die Lage der HSV-Nation philosophierte. „Ich habe eine Riesen-Vorfreude in mir. Solche Momente hat man als Sportler nicht so oft“, so Hecking. „Natürlich ist das jetzt ein Spiel, in dem wir sehr viel gewinnen können.“

Mit dem Gedanken, dass seine Mannschaft in Heidenheim auch sehr viel verlieren könnte, will sich Hecking gar nicht erst auseinandersetzen. „Ich verstehe diese Nachfragen wirklich nicht. In Heidenheim wird ein 0:0 hochgejubelt. Und in Hamburg geht nach einem 1:1 gegen Osnabrück die Welt unter. Das ist der Unterschied.“

HSV gegen Heidenheim ist ein ungleiches Duell

Besser gesagt: Das ist ein Unterschied. Denn tatsächlich ist das Duell zwischen Heidenheim und Hamburg eines der ungleichsten der Liga. Es gibt mehr Unterschiede als HSV-Trainer in den vergangenen 13 Jahren. Hier das kleine Heidenheim an der Brenz und sein 1. FC. 33 Kilometer nördlich von Ulm. Das Schloss Hellenstein, das Denkmal der Knöpfleswäscherin, das Elmar-Doch-Haus. Dort Hamburg und sein Big-City-Zweitligaclub HSV – Europapokalsieger der Landesmeister 1983, Europapokalsieger der Pokalsieger 1977. Sechsmaliger deutscher Meister trifft sechsmaligen Sieger des Württembergischen Fußballpokals. What an Unterschied!

HSV-Trainer Dieter Hecking: "Man darf auch Angst haben"

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Das alles: Vergangenheit. Im Hier und Jetzt geht es um den Aufstieg – oder zumindest um die Sicherung der Relegation. „Man bekommt immer, was man verdient“, sagte am Freitag noch einmal Hecking. „Und wir werden am Ende des Tages etwas zu feiern haben.“

Hecking ist kein unverbesserlicher Optimist. Eher ein Realist. Vielleicht ein optimistischer Realist. „Ich habe bereits im Winter gesagt, dass Heidenheim bis zum Ende dabei sein wird“, sagte der 55-Jährige, der am Freitag nicht darum herum kam, sich selbst zu belobigen. „Ich habe schon vor dem ersten Spieltag gesagt, dass es bis zum letzten Spieltag spannend sein wird. Das mag ein wenig arrogant klingen, aber ich bin bei allen meinen Voraussagen zu 100 Prozent bestätigt worden.“ Puh. Und seine Voraussage für das Saisonfinale? „Ich habe große Zuversicht, dass wir aufsteigen.“

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Die hat Heckings Gegenüber Frank Schmidt allerdings auch. „Wir haben jetzt ein Halbfinale. Dieses Mal muss man gewinnen, da reicht kein Punkt. Wir wollen ins Finale“, sagte Schmidt, dem sie im Falle eines tatsächlichen Aufstiegs wahrscheinlich direkt neben der berühmten Knöpfleswäscherin ein eigenes Denkmal bauen würden.

Dieter Hecking, selbst ein personifiziertes Bundesliga-Denkmal, will das natürlich verhindern. Dass Jeremy Dudziak und all die anderen Angeschlagenen wieder fit sind, fasste er am Freitag mit lediglich zwei Worten zusammen: „Alle gesund.“ Ansonsten gilt für ihn nur: antreten, aufsteigen – „und genießen!“

Heidenheim: Müller – Busch, Mainka, Beermann, Föhrenbach – Griesbeck – Dorsch – Leipertz, Kerschbaumer – Kleindienst, Thomalla.

HSV: Pollersbeck – Gyamerah, Letschert, van Drongelen, Leibold – Fein – Kinsombi, Hunt – Harnik, Pohjanpalo, Jatta.

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