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Herber DFB-Dämpfer für Aufstiegsrivale VfB Stuttgart

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Dieter Hecking: "Ich befürworte jede Aktion gegen Rassismus"

Dieter Hecking: "Ich befürworte jede Aktion gegen Rassismus"

Vor dem Heimspiel gegen Holstein Kiel spricht der HSV-Trainer über seinen Kader, den Gegner und die Torwartfrage.

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Hrubesch mit erstaunlichen Aussagen über Team und Stadion. HSV und Werder im Blamieren vereint. Ex-Manager für neues Relegationsmodell.

Die HSV-News am Montag, den 8. Juni 2020:

DFB-Sportgericht weist VfB-Einspruch zurück

Schlechte Nachrichten für den VfB Stuttgart, gute Nachrichten für den HSV: Die Niederlage des schwäbischen Aufstiegskonkurrenten bei Wehen-Wiesbaden (1:2) wird weiter Bestand haben. Das DFB-Sportgericht wies am Montag den Einspruch des VfB gegen die Wertung des ersten Spiels nach der Corona-Pause zurück.

"Der Schiedsrichter hat ein strafbares Handspiel wahrgenommen und Elfmeter verhängt. Das war eine unanfechtbare Tatsachenentscheidung", sagte der Vorsitzende des Sportgerichts, Hans E. Lorenz. "Auf den Ablauf und die Qualität des Dialoges zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent kommt es nicht an."

Der Video-Assistent sei "für den Schiedsrichter ein zusätzliches Hilfsmittel bei der Vorbereitung seiner Entscheidung". Stuttgart hatte die Partie in der Nachspielzeit aufgrund eines Handelfmeters verloren, der erst nach der Intervention des Videoschiedsrichters gegeben wurde.

Sportdirektor Sven Mislintat hatte den Einspruch damit begründet, dass „das Verhalten des Schiedsrichters bei der Entstehung des Siegtreffers nach unserer Überzeugung einen Regelverstoß darstellt, der einen unmittelbaren Einfluss auf das Endergebnis des Spiels hatte."

Hitzlsperger reagiert "enttäuscht"

Durch diese Entscheidung bleibt der VfB bei 52 Punkten.

"Wir sind enttäuscht über die Entscheidung des Sportgerichts, weil wir nach wie vor der Meinung sind, dass die Elfmeterentscheidung und damit das Endergebnis des Spiels durch einen klaren Regelverstoß zustande gekommen ist", sagte der VfB-Chef Thomas Hitzlsperger.

Ob der VfB Berufung gegen das Urteil einlegt, steht noch nicht fest.

Strobl definitiv nicht zum HSV

Der HSV-Wunschtransfer von Tobias Strobl wird sich endgültig zerschlagen. "Tobias Strobl hat uns darüber informiert, dass er zum FC Augsburg wechseln möchte", teilte Borussia Mönchengladbach am Montag mit.

Der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler galt im Falles des Bundesliga-Aufstiegs als HSV-Kandidat. Also solcher wurde auch Fabian Johnson gehandelt, dessen im Sommer auslaufenden Vertrag die Borussia im Sommer ebenfalls nicht verlängern wird.

Wohin es den US-Nationalspieler zieht, ist unklar. Zu seinem ehemaligen Trainer Dieter Hecking nach Hamburg aber aller Voraussicht nach nicht.

Hrubesch kritisiert HSV-Mannschaftsgefüge

Horst Hrubesch hat dem HSV Zweitliga-Tauglichkeit bescheinigt und Chancen auf die Rückkehr in die Bundesliga eingeräumt, sieht aber auch kritische Punkte.

"Sie sind nicht die Übermannschaft in der 2. Liga. Ich denke, es ist auch keine gewachsene Struktur in dieser Mannschaft", sagte der 69 Jahre alte ehemalige HSV-Stürmer in einem Interview mit dem NDR-Radiosender "Welle Nord". Und fuhr dann mit einer angesichts des fortgeschrittenen Saisonzeitpunktes doch eher erstaunlichen Aussage fort: "Das muss sich alles erst finden, zusammenfügen."

Die Situation sehe man auch in Entscheidungen von Trainer Dieter Hecking, der sein Team immer mal wieder auf drei, vier Positionen verändere. Sicherheit habe diese Mannschaft nicht, meinte der einstige Mittelstürmer Hrubesch, der für den HSV zwischen 1978 und 1983 in 211 Spielen 133 Tore schoss.

Große Erwartungen hat der langjährige DFB-Trainer an die Führung des Vereins. Er hofft, dass "Normalität und Ruhe" in die Vorstandsarbeit einkehrt. Die Voraussetzungen in Hamburg seien hervorragend: "Wenn wir diese Zuschauer und das Stadion gehabt hätten zu meiner Zeit, dann hätte keiner anreisen brauchen."

HSV und Werder als Blamier-Könige

Diese Woche stehen die Halbfinals im DFB-Pokal an. Am Dienstag (20.45 Uhr) möchte Regionalligist 1. FC Saarbrücken Geschichte schreiben und mit einem Sieg über Bayer Leverkusen als erster Viertligist ins Endspiel nach Berlin einziehen.

Sollte diese Sensation gelingen, müsste sich Favorit Leverkusen allerdings nicht zu sehr grämen. Denn zumindest im inoffiziellen Wettstreit der größten Pokal-Blamagen wäre die Werkself noch immer weit entfernt von der Spitze. Dort thronen nämlich gemeinschaftlich der HSV und Werder Bremen.

Jeweils neunmal und damit siebenmal mehr als Bayer flogen die Nordrivalen seit der Reform des Wettbewerbs zur Saison 1974/75 als Erstligist gegen unterklassige Teams ab dritter Liga abwärts raus - so oft wie sonst kein anderer früherer oder aktueller Bundesligaverein.

Dem HSV spielte dabei neben acht Drittligisten sogar auch ein Viertligist einen Streich: 2015 kam das Erstrunden-Aus beim damaligen Regionalligisten Carl Zeiss Jena (2:3 n.V.). Dennoch sollte fairerweise Werder die alleinige "Krone" gebühren.

Schließlich hat die vermeintliche HSV-Blamage beim damaligen Drittligisten Paderborn (2:4) bis heute mehr als einen Beigeschmack. Die Partie wurde am 21. August 2004 von Robert Hoyzer geleitet, der später wegen manipulierter Spiele zu knapp zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

HSV ruft Fans zum Blutspenden auf

Der HSV steht seinem Kooperationspartner UKE zur Seite und ruft in der Corona-Krise zum Blutspenden in der Eppendorfer Uni-Klinik (Martinistraße 52, Gebäude Ost 38, Erdgeschoss) auf.

"Da wir viele Therapien und Operationen verschoben haben, wird der Bedarf an Blut in nächster Zeit deutlich steigen", sagt Dr. Sven Peine, Leiter der Transfusionsmedizin am UKE. "Wir hoffen, dass die HSVer uns mit ihren Blutspenden tatkräftig unterstützen werden!"

Jonas Boldt hofft auf die Spendenbereitschaft möglichst vieler HSV-Fans. "Schon der heutige Montag eignet sich doch bestens für eine Blutspende – als gute Tat vor dem wichtigen Abendspiel gegen Kiel", wird der Sport-Vorstand auf der HSV-Homepage zitiert.

Als Dankeschön erhalten die ersten 187 Spender eine HSV-Gesichtsmaske. Auch für alle anderen gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung, die wiederum an die HSV-Stiftung "Der Hamburger Weg".

Blutspenden sind möglich montags, donnerstags und freitags jeweils von 7 bis 14 Uhr sowie dienstags und mittwochs jeweils von 12 bis 19 Uhr. Weitere Infos unter blutsgeschwister.net.

RB-Umschuldung: Ökonom zieht HSV-Vergleich

RB Leipzig hat 100 Millionen Euro Schulden in eine Kapitalrücklage umgewandelt - und sorgt damit für hitzige Diskussionen. Sportökonom Bernd Frick etwa sieht in dem "vollkommen rechtskonformen" Vorgang zwar Anhaltspunkte für moralische Kritik, nicht aber für ökonomische.

"Ich weiß nicht, wie viele Millionen Herr Kühne dem HSV bereits gestundet hat, ich nehme an, dass das mit Herrn Tönnies in Schalke nicht wesentlich anders ist", sagte Frick dem Deutschlandfunk angesichts des Kniffs (Debt Equity Swap) von RasenBallsport GmbH und Red Bull GmbH.

Investor Klaus-Michael Kühne steckte nach eigenen Angaben bislang rund 60 Millionen Euro in den HSV. Außerdem wurden unter anderem die Transfers von Douglas Santos (7,5 Millionen Euro), Filip Kostic (14 Millionen Euro) und Alen Halilovic (fünf Millionen Euro) jeweils mit Kühne-Darlehen finanziert.

Als Namenssponsor für das Volksparkstadion gab Kühne darüber hinaus seit 2015 bis zuletzt vier Millionen Euro pro Saison. Den zum 30. Juni auslaufenden Vertrag muss der HSV noch immer neu verhandeln - mit offenem Ausgang. Noch zu Jahresbeginn hatte Kühne sein HSV-Investment im Abendblatt-Interview als "Flop" bezeichnet.

Ex-Manager für neues Relegationsmodell

Ex-Sportvorstand Manager Ralf Becker (2018 bis 2019) kritisiert die generelle Haltung beim HSV. "Bei anderen Vereinen herrscht in engen Situationen das Motto: 'Wir kriegen das schon hin.' Bei Clubs wie dem HSV heißt es eher: 'Das wird wieder nichts'", sagte der 49-Jährige im Interview mit t-online.de: "Da schwingt auch immer die Angst vor dem nächsten Tiefschlag mit."

Dennoch glaubt Becker an den Aufstieg: "Ich bin davon überzeugt, dass es am Ende reichen wird. Als Zweiter oder dann über die Relegation." Generell empfindet Becker das Relegationsmodell als "fair", würde aber empfehlen, "zum englischen Modell überzugehen und die Plätze drei bis sechs den Aufstieg ermitteln zu lassen".

In Beckers Zeit in Hamburg verpasste der HSV trotz Herbstmeisterschaft die Rückkehr in die Bundesliga. Derzeit liegen die Rothosen auf dem Relegationsplatz drei. Auch im Abendblatt sprach Becker vor dem Nordderby gegen Kiel über seine beiden ehemaligen Arbeitgeber.

( jdr/dpa/sid )

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