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Für wen sagt Ex-Boss Hoffmann im Santos-Prozess aus?

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Bernd Hoffmanns Vertrag wurde kürzlich aufgelöst. Vor dem Landgericht Hamburg wird der Ex-HSV-Chef dennoch aussagen müssen.

Bernd Hoffmanns Vertrag wurde kürzlich aufgelöst. Vor dem Landgericht Hamburg wird der Ex-HSV-Chef dennoch aussagen müssen.

Foto: Ha / Mark Sandten

Die kuriose Rolle des Ex-HSV-Chef beim bevorstehenden Santos-Prozess. Warum der Club Berater Haase nicht bezahlen will.

Hamburg. Der Ort, an dem der größte HSV-Streit der vergangenen Jahre ausgelöst wurde, ist geschlossen. „Liebe Gäste, aufgrund der aktuellen Situation werden wir die Pulvermühle vorerst bis auf Weiteres schließen“, steht auf der Homepage des beliebten Restaurants in Niendorf geschrieben. Harte Zeiten für das Lokal, in dem sich lange vor der Coronakrise der frühere HSV-Chef Bernd Hoffmann mit dem Spielervermittler Marcus Haase verabredet hatte. Ein Treffen, das der Anfang vom Ende in der Beziehung zwischen Hoffmann und Vorstandskollege Jonas Boldt gewesen sein soll.

Nun, fast auf den Tag einen Monat nach der Freistellung Hoffmanns durch den HSV-Aufsichtsrat, könnte die Pulvermühle noch einmal eine Hauptrolle übernehmen. Nur wenige Tage nach der Vertragsauflösung Hoffmanns am 11. April bekam sein damaliger Gesprächspartner Haase Post vom HSV. 50 Seiten lang war der Brief, mit dem die Clubanwälte der renommierten Kanzlei CMS Haases Klageschrift auf Provision (Aktenzeichen 308 O 402/19 s) konterten.

„Die vorliegende Klageerwiderung des HSV ändert nichts an meiner Rechtsauffassung. Ich habe den Vortrag prüfen lassen und werde darauf gründlich erwidern sowie weitere Argumente für meinen Vergütungsanspruch vortragen lassen“, sagte Haase auf Abendblatt-Nachfrage.

Warum der HSV Santos’ Berater nicht bezahlen will

Die zentrale Aussage des HSV-Papierbergs: Die Clubverantwortlichen räumen zwar ein, dass sich Haase und Hoffmann (ohne das Wissen von Boldt) am 21. Juni 2019 in der Pulvermühle getroffen hatten, um über den bevorstehenden Wechsel von Douglas Santos nach St. Petersburg zu sprechen. Allerdings leiten die HSV-Anwälte keinen Rechtsanspruch auf die von Haase geforderte Provision (1,2 Millionen Euro) durch das Treffen ab.

Bleibt die Frage, was genau eigentlich am Abend des 21. Juni in der Pulvermühle besprochen wurde. Eine Frage, die vermutlich schon bald das Hamburger Landgericht beschäftigen wird. Denn anders als noch im Dezember, als man kurz vor einer außergerichtlichen Einigung stand, ist diese auch – oder besser: wegen der Entlassung Hoffmanns – in weite Ferne gerückt.

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Kurios: Beide Parteien, also der HSV und Haase, haben in ihren Ausführungen angekündigt, Hoffmann als Zeugen für ihre Sicht der Dinge zu laden.

In Haases zehnseitiger Dokumentation, mit der der Spielervermittler die ganze Sache ins Rollen gebracht hatte, wird Hoffmann in Bezug auf eine Provision auf Seite 6 folgendermaßen zitiert: „Es ist mir schon klar, dass jetzt, in der entscheidenden Phase, auch Ihre Motivation hochgehalten werden muss.“

Hoffmann und die HSV-Vorstände wollten sich auf Nachfrage nicht äußern. Gesprochen werden soll wohl erst vor Gericht. Es wird erwartet, dass ein Prozess im Spätsommer beginnen könnte.

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