HSV in Corona-Zeiten

Lukas Hinterseer: Gehaltsverzicht kann ein Thema werden

HSV-Stürmer Lukas Hinterseer (28) mit seinen Hunden Lila (hell) und Louie an der Elbe. Der Österreicher versucht auch in Corona-Zeiten entspannt zu bleiben.

HSV-Stürmer Lukas Hinterseer (28) mit seinen Hunden Lila (hell) und Louie an der Elbe. Der Österreicher versucht auch in Corona-Zeiten entspannt zu bleiben.

Foto: Witters

Der HSV-Stürmer kann sich angesichts der aktuellen Situation auch drastische Maßnahmen vorstellen. Krisengipfel über die Finanzen.

Hamburg.  Natürlich hatte sich auch HSV-Profi Lukas Hinterseer am Dienstagnachmittag auf den Weg in den Volkspark gemacht. Im internen Trainingsplan war für 15.30 Uhr die erste Einheit nach der kurzfristigen Corona-Pause angesetzt. „Als Fußballer willst du am liebsten spielen oder zumindest trainieren, einfach mal den Kreislauf ein wenig in Schwung bringen“, sagte Hinterseer, kurz bevor er am Nachmittag vom HSV-Trainerteam erfuhr, dass vorerst eben doch kein Training möglich ist.

Willkommen im Corona-Zeitalter. „Es gibt ja gerade gefühlt alle paar Minuten eine neue Lage“, sagte Hinterseer, der Verständnis für die kurzfristige Planänderung zeigte. „Ich halte mich einfach an die Dinge, die uns von den Trainern und Medizinern gesagt wurden.“

Profifußball durch Corona in einer existenziellen Krise

Selbstverständlich hatte auch Hinterseer mitbekommen, dass sich der Profifußball durch die Corona-Krise in einer existenziellen Krise befindet. Die Pressekonferenz mit Christian Seifert, auf der der DFL-Chef am Vortag drastische Worte benutzte („Es geht für die Clubs ums Überleben“), hatte sich auch Hinterseer in seinem Haus in Rissen angeschaut. „Es wurde sehr deutlich gemacht, dass die Situation auch für den Profifußball sehr ernst ist.“

Wie ernst genau die Lage ist, darüber diskutierten am Dienstagvormittag auch die Verantwortlichen des HSV knapp anderthalb Stunden lang. In einer wackeligen Telefonkonferenz informierte HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein, der den Krisenstab im Volkspark leitet, seine Vorstandskollegen Jonas Boldt und Bernd Hoffmann sowie den vierköpfigen Finanzausschuss des Aufsichtsrats (Felix Goedhart, Max-Arnold Köttgen, Michael Krall und Thomas Schulz) über den Stand der Dinge.

Auch unpopuläre Maßnahmen wurden diskutiert

Sämtliche Szenarien wurden durchgegangen – genauso, wie es DFL-Chef Seifert am Vortag von allen Clubs gefordert hatte. Nach Abendblatt-Informationen wurden beim HSV auch unpopuläre Maßnahmen wie Gehaltsverzicht und Kurzarbeit angerissen, wobei man bei diesen Themen keinesfalls die Vorreiterrolle im Profifußball übernehmen will. Am Abend wurde bekannt, dass Drittligist Carl-Zeiss Jena einen Antrag auf Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit stellte.

Dass auch die Profis den Ernst der Lage verstanden haben, bewies Hinterseer im Gespräch mit dem Abendblatt. „Jeder Club ist natürlich finanziell unterschiedlich aufgestellt. Deswegen glaube ich schon, dass ein freiwilliger Gehaltsverzicht bei dem einen oder anderen Club früher oder später ein Thema werden kann“, sagte Hinterseer, der nichts ausschließen wollte. „Sollte das der Fall sein, würden wir uns intern austauschen – offen und ehrlich.“

Es gibt wichtigere Dinge als den Profifußball

Natürlich ist Hinterseer bewusst, dass es derzeit sehr viel wichtigere Dinge als den Profifußball gibt. Sein komplettes Heimatland ist seit Montag im Notbetrieb. Die österreichische Regierung hat eine Ausgangssperre verhängt, Austrian Airline hat den Flugbetrieb eingestellt, sämtliche Bars, Cafés und Geschäfte sind geschlossen. „Natürlich hat man gerade ein komisches Gefühl. Wir waren ja noch nie in einer vergleichbaren Lage“, sagte der Stürmer, der in diesen Tagen täglich mit seiner Familie in Kitzbühel telefoniert oder „facetimed“.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

„Grundsätzlich ist die Situation in Österreich natürlich schwierig, aber meine Familie hat wirtschaftlich noch Glück“, so Hinterseer, dessen Familie eine Frühstückspension in Kitzbühel betreibt. „Die Saison in Kitzbühel wäre in der kommenden Woche ohnehin vorbei gewesen. Wir sind da mit einem blauen Auge davongekommen. Vielen anderen geht es sehr viel schlimmer – und um die mache ich mir natürlich auch Sorgen.“

Intensive Gespräche

Doch auch die Situation rund um den Profifußball ist und bleibt natürlich nicht einfach. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es in drei oder vier Wochen wieder ganz ‚normal‘ direkt weitergeht. Man muss ja immer damit rechnen, dass es früher oder später auch mal einen von uns trifft – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen.“

Coronavirus: Die Fotos zur Krise

Damit rechnen auch die Verantwortlichen, die am Dienstagmittag entschieden, mit dem Mannschaftstraining vorerst eine Woche auszusetzen. „Nach intensiven Gesprächen haben wir uns dazu entschieden, die Trainingssteuerung auf die aktuellen Umstände anzupassen“, sagt Sportvorstand Boldt. „Dementsprechend werden die Spieler zu Hause im individuellen Bereich arbeiten. Uns ist wichtig, dass wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind und die Wettkampf-Fitness so gut wie möglich wahren.“

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Hinterseer wird also ab sofort noch häufiger als sonst mit seinen Hunden Lila und Louie an der Elbe joggen gehen – und auch einen positiven Nebenaspekt genießen: „Ich war jetzt drei Tage am Stück zu Hause, das hatte ich auch schon länger nicht mehr. Ungewohnt, aber es ist auch schön, mehr Zeit als sonst mit meiner Frau zu verbringen.“

Sein optimistisches Schlusswort, ehe er sich am Telefon mit den mittlerweile obligatorischen Worten „Bleib gesund!“ verabschiedet: „Ich hoffe sehr, dass wir irgendwann in ein paar Monaten zurückblicken können und zum Fazit kommen: Wir haben es alle überstanden.“