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Gideon Jung: Von Trainern geschätzt, von Fans diskutiert

So feierte Gideon Jung (25, oben) mit HSV-Kumpel David Kinsombi (l.), der im Hinspiel zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Hannover traf.

So feierte Gideon Jung (25, oben) mit HSV-Kumpel David Kinsombi (l.), der im Hinspiel zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Hannover traf.

Foto: Witters

Der 25-Jährige ist der dienstälteste HSV-Profi. Obwohl er sich mit der Raute identifiziert, stößt er beim Anhang auf wenig Gegenliebe.

Hamburg. Ohne Gideon Jung zu nahe zu treten, darf man den gebürtigen Düsseldorfer sicher als rheinische Frohnatur bezeichnen. Der Wahlhamburger lacht für sein Leben gerne.

Und wer das nicht glauben kann, der sollte mal in dessen Instagram-Account reinschauen: Ein lachender Jung mit kurzen Haaren, ein lachender Jung mit langen Haaren. Mit schwarzen und mit blondierten Haaren. Jung lachend mit Cap, lachend mit Helm beim Rafting, lachend in Dubai.

Das letzte Foto, das der HSV-Profi gepostet hat: Jung lachend auf dem Rücken von David Kinsombi und Khaled Narey. Ein Bild vom 1. September. 3:0 hat der HSV an diesem Tag gewonnen. Gegen Hannover.

Jung wird in sozialen Medien angefeindet

Jung lacht nicht nur gerne, er und seine Freundin Alina posten auch gerne. Zum Beispiel ein Konzert des Rappers Shindy, auf das die beiden gemeinsam am Montagabend in die Sporthalle Hamburg gingen.

Der Fußballer ist oft und gerne in den sozialen Netzen unterwegs. Das erstaunt vor allem deshalb, weil sich die sozialen Medien besonders bei Frohnatur Jung als ziemlich asoziale Medien darstellen. Kaum ein HSV-Profi wird bei Twitter, Instagram und Facebook so sehr angefeindet wie er.

Hecking poltert gegen HSV-Fans

Als im Dezember wieder mal eine regelrechte Hasswelle über Jung hinwegschwappte, wurde es HSV-Trainer Dieter Hecking zu bunt. "Was in sozialen Medien geschrieben wird, interessiert mich null!“, schimpfte er. "Ich denke, dass Gidi das genauso sieht.“

Und der Coach wurde noch deutlicher: "Ich finde es anmaßend, was sich einige Leute rausnehmen, die wahrscheinlich 50 Kilogramm Übergewicht haben und vorm Computer sitzen. Die sollen mal an sich runtergucken.“

Auch am Dienstag wird Hecking nach dem Vormittagstraining auf den 25-Jährigen angesprochen. Und auch am Dienstag wird Hecking deutlich. "Ich gehe davon aus, dass Gidi in Hannover spielt“, sagt der Trainer, der normalerweise nie sagt, ob und wer am Wochenende spielt.

Doch bei Jung macht er eine Ausnahme. "Gidi war in den vergangenen drei Spielen nach allen drei Einwechselungen ein belebendes Element.“

HSV-Fan über Jung: "Die verarschen uns doch"

Nun soll Jung nicht eingewechselt werden, sondern von Beginn an spielen. Für den operierten Adrian Fein (Jochbeinbruch). Doch während Hecking so gar keine Sorge davor zu haben scheint, Fein adäquat zu ersetzen, sind die Bedenken im Netz größer.

"Die verarschen uns doch. Jung? Da kannste besser Fein mit 2 eingegipsten Beinen spielen lassen“, schrieb vor Kurzem ein gewisser M. Mustermann, dessen Orthografie und Interpunktion Luft nach oben hat: "Der hat bei uns noch nie ein tolles Spiel gemacht. Der hat Oberliga-Niveau, dann hört es auch auf. Ich habe alle spiele gesehen seit er da ist. Zusammengerechnet und den Jahren hat er vielleicht 2 gute Spiele gemacht."

Bremser bringen Fan-Kommentare auf die Palme

Es sind Sätze wie diese, die Hecking-Assistent Dirk Bremser regelrecht wütend machen. "Über alles kann man heutzutage sein Urteil fällen. Man kann seinen Namen dahinter schreiben oder auch nicht. Da wird dann Stimmung gemacht“, kritisiert Bremser im Podcast „HSV – wir müssen reden".

Nach dem Selbstmord Robert Enkes, dem Bremser als damaliger Co-Trainer von Hannover 96 sehr nahe stand, hätten alle aufgerufen, achtsamer miteinander umzugehen. "Doch es hat sich nichts geändert“, sagt Bremser. "Natürlich darf man den Sportler kritisieren. Aber man darf nicht den Menschen kritisieren.“

Jung ist für den ein oder anderen Patzer gut

Gideon Jung ist der dienstälteste HSV-Profi. Seit knapp sechs Jahren ist er bereits beim HSV. Neben Aaron Hunt ist er der Einzige, der schon vor fünf Jahren beim Bundesligaduell gegen Hannover 96 dabei war.

Er ist einer, der sich mit dem HSV identifiziert – und mit dem man sich auch als Fan identifizieren könnte. Auf dem Platz giftig und einsatzfreudig, neben dem Platz höflich und freundlich.

Doch zur ganzen Geschichte gehört eben auch, dass Gideon Jung immer wieder den einen oder anderen Patzer hatte. Und anders als bei anderen wurden ihm die Patzer nicht verziehen.

Auch Sakai und Westermann waren Zielscheiben

Ein LaPulga10 schreibt ganz unverblümt: "Den Vertrag von #Jung möchte ich wirklich mal sehen. Es kann nicht mit rechten Dingen zu gehen, wenn alle Trainer dieser spielerische Inkompetenz immer vertrauen.“

Neben Jung konnten in der Vergangenheit auch Kollegen wie Gotoku Sakai oder Heiko Westermann ein Lied davon singen, wie man sich fühlt, wenn einem die asoziale Ablehnung in den ach so sozialen Netzen entgegenschlägt. "Auf die Spieler wirkt heutzutage so viel ein. Da brauchen die Jungs Unterstützung“, sagt Bremser.

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Gideon Jung trotzt der geballten Kritik

Jung selbst wirkt durch die geballte Kritik aber nicht verunsichert. "Gerade hier gab es ja immer Spieler, auf die viel eingeprasselt ist“, sagte er bereits im vergangenen Sommer der "Mopo“. "Wenn ich an die Pfiffe gegen Gotoku Sakai zum Saisonende denke, das war nicht schön.“

Doch Jung ist kein Trübsalbläser. Besonders nicht vor einem Spiel gegen Hannover 96. Sein erstes Spiel in Hannover? 3:0 für den HSV. Sein letztes Spiel gegen 96? Noch mal 3:0 für den HSV. Und wie geht es jetzt am Sonnabend aus? Eben. Denn: Aller guten Dinge sind drei.