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Jordan Beyer: "Ich gönne mir den ein oder anderen Luxus"

Jordan Beyer (19) ist bis Sommer von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen.

Jordan Beyer (19) ist bis Sommer von Borussia Mönchengladbach ausgeliehen.

Foto: Imago/Michael Schwarz

Der 19-jährige Rechtsverteidiger über Geld, Jugendsünden, Abitur, eingeflogene Friseure, Berater – und seinen doppelten Vornamen.

Hamburg.  Wie jung Jordan Beyer (19) tatsächlich ist, wird vor allem beim Schwarz-WeißBild deutlich, auf das der Neuzugang aus Gladbach während des Interviews blickt. Zu sehen sind Ernst Happel und Horst Hrubesch, die 1983 Meisterschale und Europapokal bejubeln. Beyer hat davon gehört, ist aber erst 17 Jahre später geboren.

Hamburger Abendblatt: Herr Beyer, Sie waren gegen Nürnberg und Bochum der mit Abstand jüngste Hamburger auf dem Platz. Wie fühlt man sich als Nesthäkchen?

Jordan Beyer: Einerseits bin ich das ja aus Mönchengladbach gewohnt, wo ich auch immer der Jüngste war. Andererseits haben wir in Hamburg auch eine ziemlich junge Truppe, sodass ich mich gar nicht so jung fühle.

Sie sind 19 Jahre jung, aber bereits seit knapp zwei Jahren Profi. Kann man Sie noch als Talent bezeichnen?

Jungprofi hört sich besser an (lacht). Irgendwann ist man aus diesem Talent­status herausgewachsen. Obwohl ich jung bin, bin ich ja eine Weile dabei.

Seit Ihrem zwölften Lebensjahr spielen Sie in einem Proficlub. Zunächst bei Fortuna Düsseldorf, ab der U 16 in Mönchengladbach. Hatten Sie jemals einen Plan B?

Klar hatte ich den. 2017 habe ich mein Abitur gemacht, das war mir auch sehr wichtig. Und wenn es mit der Profikarriere nicht geklappt hätte, dann hätte ich wahrscheinlich Sport an der Sporthochschule in Köln studiert.

Verraten Sie uns Ihre Abinote?

2,5. Ich war auch nicht auf einem Sportinternat oder einer Kooperationsschule, sondern auf einem normalen, städtischen Gymnasium. Meine Leistungskurse waren Englisch und Geschichte.

Als 19-Jähriger sind Sie formal immer noch ein Teenager. Hatten Sie jemals das Gefühl, dass Ihnen etwas aus dem „normalen“ Leben eines Teenies fehlt?

Meine Freunde sind in der Zeit zwischen U 14 und U 17 schon ein wenig kürzer gekommen. Wenn andere auf Partys gegangen sind, konnte ich meistens nicht mit. Aber ein bisschen was konnte ich nachholen, nachdem ich das Abitur in der Tasche hatte. Ich war dann zwar schon im Profikader dabei, hatte aber doch viel mehr Freizeit als vorher.

Ältere Profis berichten später immer gerne von irgendwelchen Jugendsünden. Hatten Sie überhaupt Zeit für Jugendsünden?

Ich hatte schon Spaß, keine Sorge. Aber Jugendsünden werde ich hier an dieser Stelle lieber nicht ausbreiten (lacht).

Als 18-Jähriger sind Sie zu Hause ausgezogen, allerdings nur 400 Meter weiter. Wollten Sie bewusst das Auffangbecken Elternhaus in der Nähe haben?

Ja. Meinen Eltern gehört das Haus, in das ich dann mit einem Kumpel eingezogen bin. Unsere Zwei-Mann-WG wurde dann wenig später zu einer Dreier-WG, als auch meine Freundin mit in unsere Wohnung eingezogen ist.

Statt 400 Meter sind Sie jetzt 400 Kilometer vom Elternhaus entfernt.

Der Unterschied ist schon gewaltig. Um ehrlich zu sein, musste ich mich auch erst einmal daran gewöhnen, jetzt alleine zu wohnen. Ich habe ja die möblierte Wohnung von Manuel Wintzheimer bis Sommer übernommen.

Und? Kommen Sie über die Runden?

Ich muss zugeben, dass ich kein allzu fleißiger Putzteufel bin. Aber alleine kann man ja auch gar nicht so viel dreckig machen. Und mit dem Kochen klappt es schon ganz okay.

Man hört und liest oft von der Blase Profifußball, in der den jungen Spielern heutzutage alles abgenommen wird.

Es stimmt schon, dass jungen Fußballern sehr viel von den Clubs abgenommen wird. Da muss man kein Blatt vor den Mund nehmen. Gerade in den Nachwuchsleistungszentren muss man sich außer um Fußball und um die Schule um nicht allzu viel kümmern. Aber genau das ist ja auch der Sinn dahinter. Für viele würde es sonst schwer werden, auch noch die Schule nebenbei zu schaffen. Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass man bei all dem nicht vergisst zu lernen, auch auf eigenen Füßen zu stehen.

In der vergangenen Woche wurde öffentlich, dass sich Leipziger Jungprofis ihren Friseur einfliegen lassen. Auch Dortmunder haben sich einen Star-Friseur ins Mannschaftshotel bestellt. Wo gehen Sie zum Friseur?

Ich gehe immer noch zu meinem Stammfriseur in meinem Heimatort. Aber ich muss ganz ehrlich sagen: Ich finde, dass das Thema zum Teil übertrieben dargestellt wurde. Wenn einem die eigene Frisur so unglaublich wichtig ist, warum soll man sich dann nicht einen besonderen Friseur leisten dürfen? Man ist eine öffentliche Person, will vielleicht besonders gut aussehen auf dem Spielfeld. Der Zeitpunkt war am Abend vor dem Spiel sicher unglücklich. Ich brauche das eh nicht, aber ich würde das auch nicht verteufeln. Ich bin ja auch jung und gönne mir den einen oder anderen Luxus. Man muss das nur bewusst tun.

Welchen Luxus gönnen Sie sich?

Ich bin ein Autofan und habe mir auch einen Wagen gekauft. Nichts völlig Abgedrehtes, aber schon ein gutes Auto. Ob das notwendig ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Aber am Ende sollte doch jeder mit seinem Geld machen können, was er möchte. Ich finde es ein wenig anmaßend, wenn man sich da bei anderen einmischt.

Wer kümmert sich bei Ihnen um Ihr Geld?

Meine Eltern unterstützen mich schon sehr tatkräftig dabei, wie ich mein Geld anlege. Um die Verträge kümmert sich dann mein Berater zusammen mit meinem Vater.

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Robert Schneider von der Agentur Avantgarde berät Sie. Mit wie vielen Jahren hatten Sie Ihren ersten Berater?

Das Thema Berater wurde erstmals aktuell, als ich 2015 zur U 16 eingeladen wurde. Da war ich 15 Jahre alt und hatte relativ viele Anfragen von Beratern. Ab der U 17 haben mein Vater und ich dann entschieden, dass es vielleicht doch an der Zeit wäre, sich professionell beraten zu lassen. Mein wichtigster Berater bleibt aber mein Vater.

Stimmt es, dass Ihr Vater Sie Jordan wegen Michael Jordan genannt hat?

Jein. Anders als immer berichtet, ist mein Vater kein Basketballfan. Aber er fand den Namen Jordan wegen Michael Jordan einfach ganz schön. Dabei ist ja mein eigentlicher Rufname Louis. Aber in Gladbach in der Jugend gab es schon einen Louis: Louis René Hiepen. Der wollte sich aber nicht René rufen lassen, deswegen war ich plötzlich Jordan. Seitdem bin ich in Fußballerkreisen Jordan. Zu Hause nennt mich aber keiner so. Da bin ich der Louis.

Jordan Beyer im HSV-Trainingslager vorgestellt: