Ergebniskrise

"Defizit": Hecking sieht schwarz bei größter HSV-Schwäche

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Der HSV bleibt im siebten Auswärtsspiel in Folge ohne Sieg. Nun droht zudem das Abrutschen auf Rang drei. Hunt lässt tief blicken.

Sandhausen. Dieter Hecking ging strammen Schrittes in die Kabine und wurde nur von Dennis Diekmeier aufgehalten. Ein kurzer Händedruck zwischen den alten Weggefährten, dann verschwand der HSV-Trainer in den Katakomben des BWT-Stadions am Hardtwald. Schon zum dritten Mal in Folge ging es für Hecking ohne Sieg nach Hause. Und das ärgerte ihn, auch wenn er es wenig später so nicht formulieren wollte.

Dafür wählten aber seine Spieler nach dem 1:1 (1:0) die entsprechenden Worte. „Im Moment fühlt es sich einfach nur enttäuschend an“, sagte etwa Innenverteidiger Timo Letschert nach dem letzten Spiel der Hinrunde, in dem der HSV den Befreiungsschlag nach nun sieben sieglosen Auswärtsspielen verpasste. „Die Stimmung ist nicht optimal“, meinte Kapitän Aaron Hunt.

Der HSV hat eine Ergebniskrise

Hamburg steckt im Kampf um den Aufstieg in einer Ergebniskrise. „Es hätten mehr Punkte sein müssen. Wir haben in den vergangenen Wochen ein paar Punkte liegen lassen“, sagte Hecking zum Abschluss der Vorrunde und schob nach: „Heute aber nicht.“ Der Trainer sprach aufgrund der Großchancenverteilung von einem „gerechten Unentschieden“.

Dabei dokumentieren 25:12 Torschüsse deutlich, dass der HSV an diesem Tag mehr hätte mitnehmen müssen als nur einen Punkt. Am Ende reichte es nach den Toren von Aleksandr Zhirov (39.) und Lukas Hinterseer (75.) nur zu einem 1:1. Zu wenig für die Hamburger, die am Montag hinter den VfB Stuttgart auf Platz drei zurückfallen können.

Sportvorstand Jonas Boldt erkannte nach dem Leistungsabfall der vergangenen Wochen aber wieder eine Steigerung. „Ich habe einen guten Auftritt gesehen. Die Jungs haben sich leider nicht belohnt. Die Art und Weise gibt uns Hoffnung, dass wir demnächst auswärts wieder gewinnen werden.“ Boldts Antwort auf die Krisendebatte nach nur sechs Punkten aus den jüngsten sechs Spielen: „Ich sehe keine Krise.“

Warum sich der HSV auswärts schwertut

Erneut zu sehen war aber auch in Sandhausen, dass der HSV sich mit seiner Spielweise vor allem auswärts schwertut. Den Gegnern reichen in der Regel eine kompakte Defensive und wenige Konter und Standardsituationen, um gegen den HSV zu punkten. „Das ist halt die Zweite Liga. Wir sind der große Favorit. Da wirft jeder ein paar Prozentpunkte mehr rein“, sagte Boldt.

Trainer Hecking hatte nach den beiden Niederlagen in Osnabrück und gegen Heidenheim seine Startelf gleich auf mehreren Positionen verändert. Adrian Fein und Rick van Drongelen mussten erstmals in dieser Saison auf die Bank, auch Topscorer Sonny Kittel blieb zunächst draußen. „Das waren drei Maßnahmen, die mal sein mussten“, sagte Hecking. Alle drei Spieler hätten zuletzt nicht mehr so frisch gewirkt.

Dafür durfte der Brasilianer Ewerton erstmals für den HSV von Beginn an ran. Der Innenverteidiger spielte an der Seite von Letschert unaufgeregt, sah aber beim 1:0 nicht ganz gut aus. „Er hat eine Präsenz ausgestrahlt, auch wenn es im Zweikampfverhalten noch etwas wackelig war“, sagte Hecking.

Hunt: Der HSV hat kopflos gespielt

Lukas Hinterseer und Gideon Jung kehrten zudem in die Mannschaft zurück. Es war die älteste Startelf der noch jungen HSV-Zweitligageschichte. Und die spielte vor 12.958 Zuschauern mit der Dominanz, die sich Hecking gewünscht hatte. Im und um den Strafraum herum stockten die Angriffe allerdings. Fast wie beim Handball setzte sich der HSV phasenweise in der Hälfte der Sandhäuser fest. Doch die finalen Aktionen fehlten.

„Wir haben uns das Leben unnötig schwer gemacht, kopflos gespielt und falsche Entscheidungen getroffen“, sagte Hunt. Martin Harnik (16./37.) und Jeremy Dudziak (8./26.) vergaben aus aussichtsreichen Positionen. „Wir hätten fünf oder sechs Tore schießen können“, sagte Letschert.

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Hecking und das HSV-Defizit nach Ecken

Stattdessen traf Sandhausen mit der ersten Ecke zum 1:0. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison, dass der HSV bei Standards Probleme offenbarte. „Ich kann meine Spieler nicht größer machen. Das ist ein Defizit, das wir aber sicherlich nicht in der Winterpause abstellen können“, sagte Hecking über seine kleinwüchsige Mannschaft. Sandhausen nutzte diese Schwäche. „Wir haben auch ein paar echte Maschinen“, sagte der langjährige Hamburger Diekmeier. Der HSV hat diese nicht.

Trotzdem wäre auch mit dem Größennachteil mehr möglich gewesen als der Treffer durch Hinterseer, der einen Schuss von Harnik artistisch über die Linie lenkte (75.). Für Aufregung sorgte eine strittige Szene, als Sandhausens Zhirov einen Schuss des eingewechselten Kittel mit der Hand blockte, dieser zuvor aber im Abseits gestanden haben soll.

„Zehennagel-breit“, sagte Hecking. „Ich habe ein Bild gesehen, bei dem eine Linie gezogen wurde, nach der es kein Abseits war. Das ist für uns natürlich sehr ärgerlich.“ Am Ende hätte der HSV aber auch verlieren können, als Daniel Heuer Fernandes den Punkt festhielt.

Trost bekam der Hamburgs Trainer Hecking am Ende aber von seinem früheren Nürnberger Schützling Dennis Diekmeier. „Die Liga ist sehr schwer. Viele Mannschaften holen Punkte. Es ist sehr ausgeglichen“, sagte Sandhausens Kapitän und schickte schließlich noch ein paar Worte an sein ehemaliges Team, die auch Hecking erfreuen durften: „Ich bin überzeugt davon, dass der HSV am Ende der Saison aufsteigt.“

Die Statistik:

  • Sandhausen: Fraisl – Diekmeier, Nauber, Schirow, Paqarada – Paurevic – Frey (78. Türpitz), Linsmayer – Halimi (67. Biada) – Behrens, Bouhaddouz. – Trainer: Koschinat
  • HSV: Heuer Fernandes – Narey, Letschert, Ewerton, Leibold – Jung (59. Fein) – Dudziak (73. Jairo), Hunt (59. Kittel) – Harnik, Hinterseer, Jatta. – Trainer: Hecking
  • Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)
  • Tore: 1:0 Alexander Schirow (39.), 1:1 Hinterseer (75.)
  • Zuschauer: 12.958
  • Gelbe Karten: Halimi (2) – Jatta (2)
  • Torschüsse: 12:25
  • Ecken: 5:6
  • Ballbesitz: 43:57 %