0:1-Niederlage

Ende, aus, Nikolaus! Heidenheim beendet die HSV-Heimserien

Im Spitzenspiel der 2. Bundesliga verlieren die Hamburger nach sechs Siegen erstmals in dieser Saison zu Hause.

Hamburg. Um 20.30 Uhr gingen im Volksparkstadion die Lichter aus und die Kerzen an. Weihnachtsstimmung in der HSV-Arena am Nikolaustag. Doch die geplante Feier im letzten Heimspiel des Jahres fiel aus. Mit vereinzelten Pfiffen wurden die Spieler in die Kabine begleitet. Mit 0:1 (0:0) hatte der HSV gegen den FC Heidenheim erstmals in dieser Saison im eigenen Stadion ein Spiel verloren und im Kampf um den Aufstieg einen empfindlichen Rückschlag erlitten. „Noch 3 Meilen bis Weihnacht“, sang der Altländer Shanty-Chor, als die Fans am Freitagabend die Arena verließen. Ende, aus, Nikolaus!

Sieben Heimsiege in Folge hätte der HSV an diesem Abend schaffen können und somit die Bestmarke von Ernst Happel aus dem Jahr 1986 egalisieren können. Doch es sollte nicht sein. „Der Gegner stand tief, hat kompakt verteidigt. Trotzdem hatten wir über 90 Minuten die besseren Chancen“, sagte ein enttäuschter Martin Harnik nach dem Schlusspfiff. „Das ist sehr bitter.“

Sein Trainer sah es kritischer: "Die Niederlage war unnötig, aber auch nicht unverdient", sagte Dieter Hecking bei Sky. "Heidenheim ist eine sehr kompakte Mannschaft, und wir haben uns schwergetan, klare Torchancen herauszuspielen. In der zweiten Halbzeit sind wir zwar angerannt, aber in der letzten Konsequenz nicht zwingend zum Abschluss gekommen."

HSV-Startelf: Van Drongelen erst raus, dann wieder rein

Für Hecking begann der Abend bereits vor dem Anpfiff mit einer schlechten Nachricht. Gideon Jung, der eigentlich an der Seite von Timo Letschert im Abwehrzentrum verteidigen sollte, meldete sich nach dem Aufwärmen ab. Muskuläre Probleme. Rick van Drongelen, dem Hecking eigentlich eine Pause geben wollte, rotierte wieder in die Mannschaft und kam zu seinem 50. Zweitligaspiel in Folge von Beginn an. Zudem kehrten Bakery Jatta und Kapitän Aaron Hunt zurück in die Startelf. „Unser Offensivspiel wird sich dadurch verändern“, sagte Hecking. So weit die Theorie.

In der Praxis sollte das Hamburger Offensivspiel zunächst nicht wirklich stattfinden. Das lag zum einen am ideenlosen Spiel des HSV, zum anderen an der Idee der Heidenheimer. Trainer Frank Schmidt hatte seiner Mannschaft eine extrem passive Herangehensweise verordnet und überließ dem HSV den Spielaufbau. Heidenheim wartete auf die Fehler der Heimmannschaft. Und die kamen. Zunächst landete eine verunglückte Kopfballabwehr von Tim Leibold vor den Füßen von Tim Kleindienst, der mit seiner Direktabnahme am linken Innenpfosten scheiterte (16.). Zudem zeigte Letschert gleich mehrere Unsicherheiten, die seine Teamkollegen aber jeweils wieder ausbügeln konnten.

HSV kann mit Ballbesitz nichts anfangen

Der HSV kam nur ganz selten mal in Tornähe. Die erste Chance hatte zunächst Martin Harnik, der nach einer Jatta-Hereingabe seine Füße noch nicht sortiert hatte. Jatta selbst vergab schließlich die beste Möglichkeit, als er nach einem Tiefenpass von Dudziak aus guter Position in die Mitte spielte, anstatt selbst zu schießen (41.). Gejubelt wurde vor 42.190 Zuschauern im Volksparkstadion zunächst nur einmal, als die 1:0-Führung des Karlsruher SC bei HSV-Konkurrent Arminia Bielefeld auf der Leinwand erschien.

Bis zu 76 Prozent Ballbesitz reichten den Hamburgern nicht, um Heidenheim unter Druck zu setzen. „Das ist ein unangenehmer Gegner. Heidenheim ist schwer zu bespielen“, sagte der verletzte Außenverteidiger Josha Vagnoman zur Halbzeit. „Ich hoffe, dass wir in der zweiten Halbzeit nach vorne mehr Druck erzeugen können.“ Vagnomans Hoffnung wurde nicht erhört. Der HSV versuchte zwar mit mehr Tempo und Mut zu spielen, biss sich aber an Heidenheim die Zähne aus. Zudem wartete der Gast immer wieder auf seine Momente.

Föhrenbach schockt den HSV

Hecking hatte von seiner Mannschaft nach der 1:2-Niederlage in Osnabrück eine etwas härtere Spielweise gefordert. „Manchmal gehört auch ein Foul dazu. Es darf gerne mal eine Gelbe Karte geben“, sagte Hecking vor dem Anpfiff. Die fairste Mannschaft der Liga musste aber auch gegen Heidenheim kaum mal ein Foul ziehen – weil Heidenheim eben auch kaum den Ball hatte. Das Geduldsspiel im Hamburger Nieselregen entwickelte sich von Minute zu Minute zu einem Abnutzungskampf. Kittel (52.), Dudziak (66.) und Harnik (72.) näherten sich dem Heidenheimer Tor an. Wirklich gefährlich wurde es für FCH-Torhüter Kevin Müller aber nicht. Stattdessen hatte Kleindienst erneut eine gute Gelegenheit, traf aus spitzem Winkel aber nur das Außennetz (76.).

Hecking setzte schließlich alles auf die Karte Lukas Hinterseer. Der Österreicher gab nach zwei Wochen Pause wegen einer Oberschenkelprellung sein Comeback in der Schlussphase. Mit dem Stürmer versuchten die Hamburger noch einmal die Schlagzahl zu erhöhen, doch irgendwie war an diesem Abend der Wurm drin im HSV-Spiel.

Das Spielgeschehen im Liveticker zum Nachlesen:

Fast schon logisch folgte der Führungstreffer für Heidenheim. Zunächst traf Konstantin Kerschbaumer völlig unbedrängt aus 18 Metern die Latte. Gefühlte Sekunden vergingen, bis der Ball von dort wieder in den Strafraum flog. Kleindienst reagierte am schnellsten, machte den Ball wieder scharf, und der eingewechselte Jonas Föhrenbach traf aus zwei Metern ins leere Tor (82.).

Der HSV versuchte mit den Jokern David Kinsombi und Jairo Samperio noch einmal alles – doch am Ende gab es nichts. Die Chancen von Harnik und Jatta, die Müller parierte, sollten die letzten sein. Der HSV verliert erstmals in dieser Saison ein Heimspiel und erstmals zwei Spiele in Folge.

Der HSV in der Einzelkritik

Als im Stadion die Lichter ausgingen, begann in der benachbarten Barclaycard Arena das Konzert von Xavier Naidoo. Und dessen größter Hit erinnerte alle HSV-Fans noch einmal daran, dass der Weg zum Aufstieg kein leichter sein wird.