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Fifa-Urteil zu Cléber bringt dem HSV vier Millionen Euro

Cléber Reis mit seiner Lieblingspose: Im Sommer 2014 kam der brasilianische Abwehrspieler aus São Paulo zum HSV. Dort bestritt er 40 Bundesligaspiele.

Cléber Reis mit seiner Lieblingspose: Im Sommer 2014 kam der brasilianische Abwehrspieler aus São Paulo zum HSV. Dort bestritt er 40 Bundesligaspiele.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Mit zwei Jahren Verspätung zwingt der Weltverband den FC Santos zur Zahlung der Ablöse – zuzüglich Strafe und Zinsen.

Hamburg.  Bernd Hoffmann und Frank Wettstein hatten einige Themen zu besprechen, als sich die beiden HSV-Vorstände am Dienstag auf den Weg nach Berlin machten. Doch bereits vor der Generalversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an diesem Mittwoch endeten zwei Funktionärsambitionen von Vorstandschef Hoffmann mit einer Niederlage. Den Posten des stellvertretenden Sprechers des DFL-Präsidiums bekam laut „Kicker“ sein Kieler Gegenkandidat, den Platz im Präsidium ausgerechnet der St.-Pauli-Boss. Und natürlich wird auch der Fall Bakery Jatta Thema in Berlin sein.

Für den HSV-Vorstand gibt es allerdings auch eine erfreuliche Nachricht. Es gibt Geld für den HSV. Viel Geld. Es geht um den Fall Cléber Reis. Um den Brasilianer, der im Januar 2017 vom HSV zum FC Santos transferiert wurde. Für eine festgeschriebene Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro, die der brasilianische Erstligist bis heute nicht bezahlt hat. Doch jetzt gibt es ein Urteil. Wie das Abendblatt exklusiv erfuhr, hat der Fußball-Weltverband Fifa den FC Santos dazu verurteilt, vier Millionen Euro an die Hamburger zu zahlen. Das wurde von einem Fifa-Einzelrichter entschieden.

Widerspruch unwahrscheinlich

Der HSV wollte den Vorgang auf Nachfrage am Dienstag nicht bestätigen. Was vor allem auch damit zu tun haben dürfte, dass der FC Santos noch die Möglichkeit hat, das Urteil anzufechten. Ein erfolgreicher Widerspruch ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. Der Tabellenführer der brasilianischen Liga hat mit aktuell 32 Punkten aus 15 Spielen gute Chancen, erstmals seit 2004 wieder Meister zu werden. Eine Verbandsstrafe oder gar einen Zwangsabstieg wird der Club aus der bedeutenden Hafenstadt nicht riskieren wollen.

Der schwierige Fall Cléber könnte für den HSV somit doch noch als echter Glücksfall enden. Denn zusätzlich zu den 2,5 Millionen Euro Ablöse ließen die damaligen HSV-Verantwortlichen um Wettstein und Heribert Bruchhagen noch eine Vertragsstrafe in die Vereinbarung einbauen, wonach der FC Santos eine Million Euro zusätzlich zahlen müsste, sollte der Club die Summe nicht fristgerecht überweisen. Hinzu kommen mittlerweile Zinsen in Höhe von 500.000 Euro. So hat sich die Summe auf insgesamt vier Millionen Euro erhöht. Im Dezember 2017 hatte der HSV die Fifa eingeschaltet, nachdem Santos die Zahlungsfrist hatte verstreichen lassen.

Nicht mehr mit der Ablöse gerechnet

In jener Transferperiode ist der HSV zunächst sogar davon ausgegangen, Cléber Reis ablösefrei gehen zu lassen, um dessen Gehalt einzusparen. Der damalige HSV-Trainer Markus Gisdol setzte auf die Neuzugänge Kyriakos Papadopoulos und Mergim Mavraj. Bruchhagen war zu jenem Zeitpunkt erst wenige Tage als Vorstandschef im Amt. Zu seinem Kollegen Wettstein soll er über den Cléber-Transfer gesagt haben: „Das Geld bekommen wir nie.“ Und zumindest bis heute sollte Bruchhagen recht behalten. Nun könnte die Zahlung tatsächlich eingehen. Der FC Santos ließ eine Abendblatt-Nachfrage dazu unbeantwortet.

2014 war Cléber Reis für eine Ablöse von drei Millionen Euro von Corinthians São Paulo zum HSV gewechselt. Für die Hamburger machte der heute 28-Jährige in zweieinhalb Jahren 40 Bundesligaspiele. Häufig hatte der Abwehrspieler mit Knieproblemen zu kämpfen. Sein Glück fand Cléber aber auch nach seiner Rückkehr nach Brasilien nicht. Beim FC Santos unterschrieb er zwar einen langfristigen Vertrag, doch mittlerweile wurde Cléber schon zum dritten Mal verliehen. 2017 ging es zunächst für ein halbes Jahr zu Coritiba FC, 2018 zu Parané Clube und in diesem Sommer zum Zweitligisten Oeste Futebol Clube. Vor einem Jahr hatte Cléber selbst seine Rückkehr zum HSV angeboten. „Der HSV braucht nur anzurufen, und ich bin da“, sagte er der „Bild“. Doch die Hamburger hatten andere Vorstellungen.

Geringerer Jahresfehlbetrag

Offen ist im Fall Cléber jetzt noch, ab wann der HSV mit dem Geld planen kann. Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr werden die zusätzlichen Einnahmen nicht bilanziert sein. Trotzdem ist damit zu rechnen, dass der Jahresfehlbetrag für 2018/19 unter zehn Millionen Euro liegen wird. Ursprünglich hatte der Club ein Rekordminus von rund 20 Millionen Euro prognostiziert. Durch den verpassten Aufstieg sparte sich der HSV viele Prämienzahlungen. Hinzu kamen die ungeplanten Einnahmen durch das Erreichen des DFB-Pokalhalbfinales sowie die Beteiligung am Transfer vom ehemaligen Hamburger Kerem Demirbay von 1899 Hoffenheim zu Bayer Leverkusen, der dem HSV 3,2 Millionen Euro bescherte.

Wahrscheinlich ist, dass die Hamburger das Cléber-Geld nutzen, um den Kader im Winter noch einmal zu verstärken. Sofern es bis dahin auch gezahlt ist.​