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Ein Heimspiel: HSV trifft im Pokal auf Zweitliga-Favoriten

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Hecking deckt Fehler beim HSV auf: "Anspruch ist falsch". Auch seine Spieler bekommen ihr Fett weg. Der HSV bleibt Tabellenführer.

Die HSV-News am Sonntag, den 18. August 2019:

  • HSV im DFB-Pokal gegen Stuttgart
  • Hecking sieht "schwächste Halbzeit" seiner Amtszeit
  • HSV-Coach beklagt falschen Anspruch
  • Kann nur Pep das Heimspiel-Problem lösen?
  • Sonderlob für Abwehrchef van Drongelen
  • Hecking lobt die Wucht der 42.000 Zuschauer
  • HSV bleibt Tabellenführer

HSV bekommt ein Heimspiel im DFB-Pokal

Machbares Los für den HSV in der zweiten Runde des DFB-Pokals: Die Hamburger treffen zu Hause auf den Ligarivalen VfB Stuttgart. Das ergab die Live-Auslosung in der ARD, bei der U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz und Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder die Loskugeln zogen. Die Partie findet am 29. oder 30. Oktober statt (noch nicht terminiert). "Wir freuen uns über das Heimspiel und hoffen auf ein packendes Pokalspiel zweier Traditionsvereine mit vielen Zuschauern", sagte Sportvorstand Jonas Boldt.

Damit trifft der HSV zweimal binnen einer Woche auf Stuttgart. Denn die Schwaben gastieren bereits am Wochenende zuvor um den 27. Oktober im Volksparkstadion. Boldt: "Die Ansetzung mit zwei Spielen innerhalb weniger Tage zu Hause gegen Stuttgart ist natürlich kurios. Die Stuttgarter können dann gleich ein paar Tage in Hamburg bleiben und unsere Stadt genießen." Auch Hannes Wolf freut sich auf das Duell seiner beiden Ex-Clubs: "Da muss ich eigentlich hinfahren", sagte er in seiner Funktion als Sky-Experte.

Hecking: "Schwächste Halbzeit seit ich hier bin"

Die Zeit des Schönredens beim HSV ist vorbei. Wurden unter Ex-Trainer Hannes Wolf kritische Fragen nach knappen Siegen mit Unverständnis quittiert, hat sich die Herangehensweise unter dem neuen Coach Dieter Hecking um 180 Grad gedreht. „Es war die schwächste Halbzeit in einem Pflichtspiel, seit ich hier bin“, kritisierte der 54-Jährige den Auftritt in den ersten 45 Minuten beim 1:0-Sieg über Bochum. „Wir hatten zu wenig Bewegung, waren gedanklich zu langsam und hatten auch in den Zweikämpfen zu wenig Präsenz.“

Eine "klare Halbzeitansprache" in der Kabine, wie es Mittelfeldspieler Adrian Fein formulierte, habe dann aber die Wende herbeigeführt. „Nach der Pause hatten wir 20 Prozent mehr Sprints und intensive Läufe als der Gegner und haben deutlich mehr Zweikämpfe gewonnen. Genauso müssen wir von der ersten Minute an auftreten. Das ist die Mentalität, die ich sehen will", freut sich Hecking. "Es hat mich gefreut, zu sehen, dass die Mannschaft im Kopf umschalten kann.“

Ist der Druck in den Heimspielen zu groß?

Zugute halten will Hecking seinen Spielern, dass der Druck in Heimspielen größer sei als auswärts. „Das war in den ersten Momenten vor allem bei Gideon Jung zu spüren, dessen Fehler zum Glück nicht bestraft wurden.“ Zudem soll sich nicht nur die Mannschaft, sondern auch das Umfeld von alten Denkmustern verabschieden.

„Der Anspruch, wir sind der HSV und der gefühlte Erstligist, ist falsch. Dieser Fehler ist in der vergangenen Saison gemacht worden. Wir müssen aber die Gegebenheiten der Zweiten Liga annehmen", sagte Hecking. „Das Spiel gegen Bochum war ein typisches Beispiel, dass man mit Mentalität viel in dieser Liga erreichen kann. Es geht mir nicht darum, dass wir in jedem Heimspiel den tief stehenden Gegner aus dem Stadion schießen.“

Wie findet der HSV Lösungen gegen tief stehende Gegner?

Dass sich der HSV mit tief stehenden Gegnern schwertut, ist für den erfahrenen Coach nichts Außergewöhnliches. In solchen Spielen problemlos Lücken zu finden, würde selbst in Europa nur den wenigsten Teams gelingen. „In der Bundesliga ist es auch ein Phänomen, dass viele Mannschaften mittlerweile sehr gut verteidigen können, die wenigsten können aber mit Ballbesitz etwas anfangen.“

Viel sei nur noch auf Pressing, Gegenpressing und schnelles Umschaltspiel ausgerichtet. „Das ist im Moment anscheinend der moderne Fußball“, sagte Hecking etwas süffisant. Er selbst ist ein bekennender Fan der Spielweise von Manchester City unter Trainer Pep Guardiola.

Hecking freut van Drongelens HSV-Treue

Ein Sonderlob vom Trainer erhielt Abwehrchef Rick van Drongelen, der mit seiner Leidenschaft und Führungsstärke gegen Bochum herausstach. „Er identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem HSV. Das kann ein richtig gutes Jahr für ihn werden“, sagte Hecking, den es freut, dass die Mannschaft den jungen Niederländer zum Vizekapitän gewählt hat.

Zumal sich der Niederländer im Sommer Gedanken über einen Wechsel zum FC Augsburg gemacht hatte. "Ich hatte dann aber ein längeres Gespräch mit ihm und habe ihm aufgezeigt, dass er hier beim HSV den richtigen Schritt in seiner Karriere machen kann", sagte Hecking.

Da der etatmäßige Spielführer Aaron Hunt derzeit verletzt fehlt, trägt van Drongelen die Binde. „Das tut mir gut und ich bin stolz drauf. Die Binde bedeutet mir viel“, sagte der 20-Jährige. „Ich hoffe aber, dass Aaron schnell zurückkommt.“

"Nur" 42.000? Hecking sieht das anders

41.737 Zuschauer fanden am frühen Freitagabend den Weg ins Volksparkstadion. Diese Zahl nahm ein Boulevardmedium zum Anlass, einen Fan-Alarm herbeizuschreiben. Trainer Dieter Hecking will die durchaus auf einigen Plätzen leer gebliebene Arena jedoch nicht kritisch bewerten.

„Der HSV muss sich das Vertrauen zurückarbeiten", sagte der Coach. „42.000 Zuschauer an einem Freitagabend finde ich immer noch eine überragende Quote. 18.30 Uhr ist auch keine einfache Zeit, weil viele von außerhalb Hamburgs anreisen und vorher noch arbeiten müssen. Es dann im Berufsverkehr zum Anpfiff zu schaffen, ist nicht einfach."

Erfreulich war für Hecking vor allem die Art der Unterstützung von Rängen. "Der fantastische Support der 42.000 Fans zeigt mir auch, dass sie unsere Situation angenommen haben. Das Publikum hat gespürt, dass wir das Spiel und bedingt gewinnen wollten und hat uns klasse mitgetragen.“ Im ersten Heimspiel gegen Darmstadt waren es 44.475 Besucher gewesen. Damit liegen die Hamburger bislang deutlich unter dem Vorjahresschnitt von 48.889 Zuschauern.

HSV bleibt Tabellenführer

Die Hamburger sind an diesem Spieltag nicht mehr von Platz eins der Zweiten Liga zu verdrängen. Nach Erzgebirge Aue (1:3 in Bielefeld) patzte auch Aufsteiger Karlsruher SC am Sonntag beim 1:2 in Kiel. Der Koreaner Jae-Sung Lee (45. und 64.) drehte mit seinem Doppelpack die Partie für die Störche. Aue und Karlsruhe waren die einzigen beiden Teams, die den HSV an diesem Wochenende von der Spitzenposition hätten verdrängen können.