Zweite Bundesliga

Hunt bleibt der Kopf des HSV und Heckings Flirt mit Harnik

Ein Küsschen für den Captain: Kyriakos Papadopoulos liebkost Torschütze Aaron Hunt auf seine ganz persönliche Art. Auch der Rest des Teams ist verzückt vom 32-Jährigen.

Ein Küsschen für den Captain: Kyriakos Papadopoulos liebkost Torschütze Aaron Hunt auf seine ganz persönliche Art. Auch der Rest des Teams ist verzückt vom 32-Jährigen.

Foto: Tim GroothuisWITTERS

Der alte und neue Kapitän beweist beim 2:2 gegen Anderlecht seine Wichtigkeit. Aber bleibt er fit? Hecking schwärmt für Bremer.

Hamburg.  Am Sonntagmorgen hatte Aaron Hunt endlich Zeit, sich ein wenig auszuruhen. Während die Startelfspieler vom 2:2 tags zuvor gegen RSC Anderlecht eine Laufeinheit bestritten und die Reservisten im Volkspark auf dem Platz trainierten, durfte sich Hunt von den Physiotherapeuten pflegen lassen. Fünf Wochen läuft die Vorbereitung des HSV auf den Saisonstart am kommenden Sonntag gegen Darmstadt 98 nun schon.

Und Hunt, der fast die gesamte Rückrunde der Vorsaison wegen mehrerer Oberschenkelverletzungen verpasst hatte, ist bislang sorgenfrei durch die Vorbereitung gekommen. „Ich freue mich, dass ich alles durchziehen konnte. Ich habe einen guten Grundstein gelegt und hoffe, dass das so bleibt“, sagte der Kapitän, der nun von seinen Kollegen erneut zum Spielführer gewählt wurde.

Den Unterschied machte wieder mal Hunt

Wie wichtig der 32-Jährige nach wie vor für seine Mannschaft ist, wurde am Sonnabend mal wieder deutlich. Mit einer runderneuerten Mannschaft, einem neuen Trainer, neuen Managern und sogar einem neuen Rahmenprogramm im Stadion präsentierte sich der HSV bei der offiziellen Saisoneröffnung gegen den belgischen Topclub. Doch den Unterschied machte schließlich doch wieder der „Alte“: Aaron Hunt. In einer höhepunktarmen ersten Halbzeit vor 19.137 Fans war es der Spielmacher, der für das Highlight sorgte. Einen Freistoß aus 17 Metern zirkelte Hunt maßgenau in den Winkel (39.). So wie man es von ihm schon in der vergangenen Saison erlebt hatte, als seine Freistoßkünste insbesondere in der Hinrunde mehrfach für Punkte sorgten.

Weil seine Verletzungen in der Rückrunde aber auch dazu beitrugen, dass der HSV den sicher geglaubten Aufstieg noch verspielte, hat Hunt Konsequenzen gezogen. Mit einem privaten Fitnesstrainer hat der Kapitän bereits vor dem Start der Vorbereitungen Sonderschichten eingelegt. Eine Maßnahme, die sich bislang bezahlt macht. Hunt gönnte sich zwar auch seine Auszeiten, doch während seiner Spielzeit lief noch alles gut beim HSV, auch wenn er beim 2:0 durch Neuzugang Lukas Hinterseer nach schöner Vorarbeit von Khaled Narey nicht beteiligt war (46.). Erst nach Hunts Auswechslung kippte das Spiel.

Trainer Hecking ärgert sich

Zunächst war es der ansonsten gute Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos, der vor dem 1:2 durch Pieter Gerkens eine Flanke unterlief (67.), anschließend patzte der gerade eingewechselte Christoph Moritz, als er einen völlig unnötigen Rückpass in den Lauf von Antoine Colassin spielte, der das Geschenk dankend aufnahm und zum 2:2 traf (78.). Weder der neue Vizekapitän Rick van Drongelen, der mit Hunt, Hinterseer, Tim Leibold und David Kinsombi den Mannschaftsrat bildet, noch Torhüter Julian Pollersbeck sahen in dieser Szene gut aus. Daniel Heuer Fernandes hat seinen Platz im Tor offenbar ohnehin sicher, Pollersbeck droht sogar zur Nummer drei degradiert zu werden.

„Tom Mickel hat eine hervorragende Vorbereitung gespielt. Wir werden unsere Schlüsse ziehen“, so Hecking vielsagend. Der Trainer ärgerte sich nach dem Spiel vor allem über die individuellen Fehler. „Die Gegentore fielen aus dem Nichts, das ist uns jetzt schon ein paarmal passiert. Das müssen wir dringend abstellen.“

Kittel hat gute Chancen

Hecking ließ am Sonnabend bereits einiges erkennen im Hinblick auf seine Startelf für den Auftakt gegen Darmstadt. Neben Hunt und Papadopoulos konnte erneut auch Adrian Fein als alleiniger Sechser überzeugen. „Adrian ist sicher der große Gewinner. Er spielt sehr präsent. Er hat fußballerische Lösungen, aber auch die Robustheit, sich im Zweikampf zu behaupten. Er hat in den vergangenen fünf Wochen viel Eigenwerbung betrieben“, sagte Hecking.

Die besten Chancen, sich noch in die Startelf zu spielen, hat aktuell Sonny Kittel. Dagegen sendete der Coach ein deutliches Signal an Gotoku Sakai und David Bates, denen ein Wechsel bereits nahegelegt wurde. Sie kamen wie auch Berkay Özcan gar nicht zum Einsatz. „Für den einen oder anderen ist das noch mal ein Zeichen. Wie sie damit umgehen, werden wir sehen“, sagte Hecking, der durch­blicken ließ, dass sich der Kader bis zum Ende der Transferperiode auch auf der Seite der Zugänge noch verändern wird.

Flirt mit Martin Harnik

Bei Sky flirtete der 54-Jährige offen mit Bremens Stürmer Martin Harnik, der bei Werder zum Verkauf steht. „Martin ist ein Stürmer, der weiß, wie es geht. Er hat seine Tore immer gemacht. Das sind immer gefragte Leute auf dem Markt.“

Der HSV will sowohl im Offensivbereich als auch im defensiven Mittelfeld noch etwas machen. Gideon Jung fällt dort mit einer Innenbandzerrung vorerst aus, David Kinsombi steigt am Mittwoch wieder ein. Für den Darmstadt-Kader wird es aber wohl ebenso wenig reichen wie für Verteidiger Ewerton, der langsam an das Teamtraining herangeführt wird. Umso wichtiger, dass Hecking mit einem gesunden Kapitän Hunt planen kann.

HSV gegen Anderlecht: Heuer Fernandes (46. Pollersbeck) – Gyamerah (72. Wintzheimer), Papadopoulos (72. David), van Drongelen, Leibold – Fein – Narey, Hunt (62. Kittel), Dudziak, Jatta (76. Samperio) - Hinterseer (62. Wood).

Tore: 1:0 Hunt (39.), 2:0 Hinterseer (46.), 2:1 Gerkens (67.), 2:2 Colassin (78.).

abendblatt.de: Einzelkritik.