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Dass Wolf um seinen Job zittern muss, ist ausgeschlossen

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HSV-Trainer resümiert seine persönliche Halbserie. Gegen Magdeburg kann er heute einen wichtigen Schritt gehen.

Hamburg. Hannes Wolf grinste verschmitzt, als er am Sonntagmittag über seinen persönlichen Kreis sprach. „Ich hoffe nicht, dass sich der Kreis schließt“, sagte der HSV-Trainer am Tag vor dem Ligaspiel heute Abend gegen den FC Magdeburg (20.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de).

Was Wolf meinte: Sein erster Gegner als Chefcoach in Hamburg soll nicht sein letzter sein. 163 Tage ist es her, dass er mit einem 1:0-Sieg in Magdeburg einen erfolgreichen Einstand als HSV-Trainer feierte. Rund sechs Monate später hat Wolf heute die Chance, mit seiner Mannschaft einen großen Schritt Richtung Wiederaufstieg zu gehen.

Das große Aufstiegsflattern

Durch den erneuten Punktverlust von Union Berlin könnten die Hamburger den Verfolger erneut auf sechs Punkte distanzieren. So wie vor zwei Wochen, als der HSV seinen Derbysieg beim FC St. Pauli im Heimspiel gegen Darmstadt hätte vergolden können. Hätte, hätte, Viererkette. Es folgte das 2:3 gegen die Hessen und das große Aufstiegsflattern. Und diesmal? Wie zuletzt beim Pokalerfolg in Paderborn setzt Wolf wohl auf eine Dreierkette um den alten, neuen Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos. „Er strahlt die Mentalität aus. An ihm kann man sich aufrichten“, sagt Wolf.

Der Fußballlehrer kann heute nicht nur die Wahrscheinlichkeit des Aufstiegs erhöhen, sondern auch seine persönliche Bilanz weiter verbessern. Denn die fällt trotz einer bislang holprigen Rückrunde ordentlich aus. 17 Spiele ist Wolf nun beim HSV im Amt, 33 Punkte holte sein Team in dieser Zeit. In der persönlichen Wolf-Tabelle liegen die Hamburger – genau wie in der Gesamtwertung – auf dem zweiten Rang. Zehn Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen gab es unter Wolf als HSV-Coach. Der 37-Jährige ist damit zunächst zufrieden. „Wir können es schaffen, unsere Ziele zu erreichen. Diese Ausgangslage hätte ich am Anfang unterschrieben“, sagte Wolf über seine 17-Spiele-Bilanz.

Flutlicht-Bilanz macht Hoffnung

1,94 Punkte im Schnitt schaffte der Trainer in seiner persönlichen Halbserie. Das ist nahezu derselbe Schnitt, den Vorgänger Christian Titz in den ersten zehn Spielen erreichte (1,90). Leicht verbessert hat sich unter Wolf das Torverhältnis. 1,5 Tore schießt der HSV pro Spiel unter dem aktuellen Trainer (1,1 unter Titz), 1,05 Gegentore fallen im Schnitt pro Partie (1,1 unter Titz). „Dass die Liga schwer wird und wir da nicht durchspazieren, war mir zu 100 Prozent klar“, sagt Wolf. „Der Blick zurück ist aber nicht wichtig. Ab jetzt entscheidet es sich.“

Hoffnung macht dem Trainer an diesem Montag eine andere Wertung: Die Flutlicht-Bilanz. In Abendspielen ist der HSV unter Wolf noch ungeschlagen. In acht Spielen schafften die Hamburger sieben Siege und ein Unentschieden gegen Union Berlin. Dazu kommen die drei Flutlichtsiege im DFB-Pokal in Wiesbaden, gegen Nürnberg und in Paderborn.

Zur Mittagszeit tut sich der HSV dagegen deutlich schwerer. Alle vier Niederlagen unter Wolf ereigneten sich zur Anstoßzeit um 13 oder 13.30 Uhr. Woran das liegt? „Schwer zu sagen. Wir haben abends viel gewonnen und das würde uns auch in den nächsten beiden Spielen helfen“, meint Wolf bezogen auf die letzten zwei von insgesamt sieben Montagsspielen gegen Magdeburg und kommende Woche in Köln.

Pflicht: Duelle gewinnen

Die Mannschaft aus Sachsen-Anhalt ist das erste Mal überhaupt im Volkspark zu Gast und bringt 6000 Fans mit in die Arena. 46.500 Karten wurden bislang verkauft. Das Team des früheren HSV-Trainers Michael Oenning ist zwar seit fünf Spielen ohne Sieg, steht in der Defensive aber sehr stabil. In den neun Spielen im Jahr 2019 kassierte der FCM nie mehr als ein Gegentor. Wolf ist daher gewarnt. „Wenn du Magdeburg schlagen willst, musst du Duelle gewinnen. Es ist die Pflicht unserer Spieler, Zweikämpfe zu gewinnen“ , sagt Wolf. Erst die Arbeit, dann das fußballerische Vergnügen. „Wir fordern die maximale Schärfe, die maximale Mentalität und die maximale Körpersprache“, so Wolf.

Hoffmann glaubt an Hannes Wolf

Wie schwer es gegen Magdeburg sein kann, erlebte der HSV im Hinspiel. Gegen den spielerisch zwar limitierten, aber kampfstarken Aufsteiger, damals im Oktober noch von Jens Härtel trainiert, holten die Hamburger bei Wolfs Premiere in Unterzahl ein mühsames 1:0. Auch in den 16 folgenden Spielen, den 4:0-Sieg im Derby bei St. Pauli ausgenommen, tat sich der HSV fast immer schwer. Es wäre ein Novum unter Wolf, wenn der HSV in einem Heimspiel heute mal nicht bis zum Ende zittern müsste.

Dass sich der Kreis für Wolf schließt und er nach dem Magdeburg-Spiel um seinen Job zittern muss, ist allerdings ausgeschlossen. Erst am vergangenen Mittwoch hatte Clubchef Bernd Hoffmann im Rahmen einer Veranstaltung versprochen, dass der HSV auch bei einer möglichen Krise im Herbst an Wolf festhalten werde. Der Teufels-Trainer-Kreis wäre dann durchbrochen.

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