Aufstiegsalarm

Behält der HSV die Nerven? Hoffmann positioniert sich

Clubboss Bernd Hoffmann (r., neben Sportvorstand Ralf Becker) bewahrt die Ruhe in der sportlich schwierigen Phase.

Clubboss Bernd Hoffmann (r., neben Sportvorstand Ralf Becker) bewahrt die Ruhe in der sportlich schwierigen Phase.

Foto: imago/Jan Huebner

Nach der Regensburg-Pleite steigt der Druck im Volkspark. Trainer Wolf hofft auf die Heimstärke – und Kapitän Hunt.

Hamburg.  Bernd Hoffmann lief mehrfach zwischen Campus und Volksparkstadion hin und her. Der Vorstandsvorsitzende des HSV telefonierte und gestikulierte dabei phasenweise wild mit den Armen. Es war Montagvormittag, der Tag nach der 1:2-Niederlage in Regensburg. Ein unerwarteter Rückschlag im Kampf um den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Es gab einiges zu besprechen nach diesem Spiel, das Spuren hinterlassen hatte. „Natürlich war das Spiel in jeglicher Hinsicht eine große Enttäuschung“, sagte Hoffmann dem Abendblatt nach der dritten Niederlage im sechsten Rückrundenspiel. Mehr als in der gesamten Hinrunde. Flattern beim HSV jetzt die Aufstiegs-Nerven?

Fast auf den Tag genau fünf Monate ist es her, dass eine Niederlage gegen Regensburg zum großen Knall führte. 0:5 verlor der HSV am 23. September gegen den SSV Jahn. Der Vorstand rückte nach der Blamage von Trainer Christian Titz ab und vollzog drei Wochen später die Trennung, weil er die „Ziele gefährdet sah“. Mit Nachfolger Hannes Wolf stabilisierte sich der HSV, steht nun schon seit fast drei Monaten an der Tabellenspitze.

Doch schon morgen könnten die Hamburger die Position verlieren, wenn der 1. FC Köln das Nachholspiel in Aue gewinnt. Und schon in zwölf Tagen könnte der FC St. Pauli mit einem Sieg im Stadtderby bis auf einen Punkt an den HSV heranrücken. Nach der völlig unnötigen Niederlage in Regensburg ist der Druck auf den HSV, der aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage zum Aufstieg verdammt ist, wieder deutlich gestiegen.

Hoffmann: „Dürfen nicht in alte HSV-Reflexe verfallen“

Clubchef Hoffmann ist bemüht, nach der erneuten Regensburg-Pleite die Ruhe zu bewahren. „Wir dürfen jetzt nicht in alte HSV-Reflexe verfallen und nach irgendwelchen Schuldigen suchen“, sagt er in dem Wissen, dass die Schuldverteilung am Sonntag auf mehrere Konten ging. Angefangen bei Pierre-Michel Lasoggas Fehlschuss in Halbzeit eins. Fortgeführt von Orel Mangalas mangelnder Cleverness, die zum Platzverweis und damit zur Wende des Spiels führte. Aufgehört bei Trainer Wolf, der mit der Auswechslung des gelbverwarnten Mangalas zu lange wartete. Hinzu kamen zu viele Spieler, die unter ihrem Leistungslimit blieben.

Schon am Montagmorgen setzte sich Wolf mit seiner Mannschaft im Volksparkstadion zu einer ausführlichen Videoanalyse zusammen. „Wir haben uns über den Verlauf und das Ergebnis sehr geärgert, deswegen ist das Spiel noch nicht ganz verarbeitet“, sagte Wolf drei Stunden später, als er am Trainingsplatz zu den Medien sprach. „Es gibt schon einige Erkenntnisse, die wir nach innen besprochen haben.“ Nach außen tragen wollte der Coach diese verständlicherweise nicht. Seine mediale Zusammenfassung formulierte Wolf letztlich in einem schlichten, verständlichen Satz: „Wir müssen einfach besser spielen.“

HSV-Spieler ziehen sich eigenmächtig nach Führung zurück

Konkret geht es dem Cheftrainer vor allem um das Offensivspiel. Zum wiederholten Mal zog sich seine Mannschaft nach einer Führung zurück, anstatt entschlossener auf das 2:0 zu drücken. Ein Verhalten, das nicht von ihm, dem Trainer, vorgegeben sei, so Wolf. Der 37-Jährige will von seiner Mannschaft künftig wieder mehr Verlangen nach dem Ball sehen. „Wenn wir den Ball haben, müssen wir ihn auch behalten wollen.“

Eine Eigenschaft, die sich der Trainer auch von der Rückkehr des Kapitäns erhofft. Aaron Hunt konnte am Montag wieder das gesamte Spielersatztraining bestreiten und steht Wolf am kommenden Montag gegen Fürth zur Verfügung.

Der Auftrag an seine Mannschaft ist klar definiert. „Wir müssen mehr Tore schießen“, gibt Wolf vor. Von eine Fe­bruar-Depression will der Fußballlehrer nichts wissen. Eine Leistungsdelle hat aber auch er in den vergangenen Wochen erkannt, insbesondere beim 2:2 in Heidenheim und nun in Regensburg. „Die letzten beiden Spiele hat ein Tick gefehlt, da waren wir nicht am Limit. Da müssen wir schnellstmöglich wieder hinkommen“, sagt Wolf.

Fans reagieren panisch auf Negativserie

Während in Fan-Foren nach dem neuerlichen Rückschlag bereits wieder panisch über die Verantwortlichen diskutiert wurde, bleibt Wolf nach außen ruhig. Nach innen hat er seiner Mannschaft klare Botschaften mit auf den Weg gegeben. „Es ist nicht so, dass wir da sitzen und sagen, das kann ja mal passieren. Es geht jetzt darum, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Eine Grundunruhe ist immer da. Das ist auch wichtig. Es ist Hochleistungssport, es geht um viel.“

HSV: Wolf analysiert das 1:2 in Regensburg

Wolf kennt sich mit dieser Situation aus. Vor zwei Jahren blieb er mit dem VfB Stuttgart in der Zweiten Liga zwischen dem 23. und dem 27. Spieltag fünf Partien in Folge sieglos. Die Wende schaffte der VfB durch einen Derbysieg gegen Karlsruhe. Den Aufstieg finalisierten die Stuttgarter Schwergewichte erst am letzten Spieltag. Ein gutes Omen auch für den HSV? „Wir können es am Ende schaffen“, sagt Wolf, „aber jeder sieht, dass es kein Selbstläufer wird.“

Der Coach setzt auf die Hamburger Heimstärke. Und der Clubchef auf starke Nerven von allen Beteiligten. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass diese Zweite Liga für uns ein riesige Herausforderung sein wird“, sagt Hoffmann. „Und wenn wir es schaffen sollten, den Aufstieg am letzten Spieltag im Heimspiel gegen Duisburg klarzumachen, dann würde mir persönlich das auch völlig reichen.“