Präsidentschaftswahl

Wird aus dem Dreikampf um die HSV-Zukunft ein Zweikampf?

Aufsichtsrat Marcell Jansen, Ex-Präsident Jürgen Hunke und Ex-Vizepräsident Ralph Hartmann (v. l.)

Aufsichtsrat Marcell Jansen, Ex-Präsident Jürgen Hunke und Ex-Vizepräsident Ralph Hartmann (v. l.)

Foto: picture alliance, Mark Sandten, Witters; Montage: HA

Marcell Jansen, Ralph Hartmann und Jürgen Hunke sollen als Präsident kandidieren. Einer könnte einen Rückzieher machen.

Hamburg.  Trommelwirbel, Tusch und Feuerwerk fielen am Mittwochmorgen aus, als der HSV e. V. mit einer knapp gehaltenen Meldung auf der eigenen Homepage bestätigte, was das Abendblatt bereits geschrieben hatte: „Der Beirat hat in seiner Sitzung am 11.12.2018 entschieden, die folgenden Kandidaten zur Wahl des Präsidenten vorzuschlagen: Ralph Hartmann, Jürgen Hunke und Marcell Jansen.“ Als Erklärung folgte ein Satz: „Der Beirat ist überzeugt, den Mitgliedern mit diesen Kandidaten, die jeder für sich das Anforderungsprofil mit unterschiedlichen Schwerpunkten abbilden, eine gute Basis für die eigene Entscheidung anhand zu geben.“ Und schließlich noch der obligatorisch Dank an alle Bewerber.

Tatatataaaa. Ex-Vizepräsident Ralph Hartmann, Ex-Präsident Jürgen Hunke und Ex-Fußballprofi Marcell Jansen also. Was dem fünfköpfigen Vereinsbeirat ganze drei Sätze wert war, ist in Wahrheit die wohl wichtigste Personalentscheidung des kommenden HSV-Jahres. Schließlich geht es bei der Wahl auf der Mitgliederversammlung am 19. Januar in der edel-optics.de-Arena in Wilhelmsburg nicht nur um das Ehrenamt des Vereinspräsidenten, sondern auch um einen automatischen Sitz im Aufsichtsrat der AG. Somit dürfte eine der zentralen Wahlkampffragen an die drei übrig gebliebenen Kandidaten lauten: Wie kritisch würde man als Kontrolleur die Arbeit des AG-Vorstands begleiten?

Es geht um Transparenz

Eine klare Antwort auf diese Frage hat Jürgen Hunke, der am Mittwoch am Strand der Ferieninsel Koh Samui im Golf von Thailand von seiner Nominierung erfuhr. „Es geht nicht nur um den Verein, sondern auch um die AG. Es geht um Transparenz. Und es geht natürlich auch darum, die Arbeit des AG-Vorstands ganz genau zu überprüfen“, sagt der 75 Jahre alte Unternehmer, der bereits als Präsident (1990 bis 1993) und Aufsichtsrat (1996 bis 2000, 2004 bis 2009 und 2011 bis 2014) beim HSV tätig war.

Hunke gilt als Hauptkritiker von Clubchef Bernd Hoffmann (55), betont aber im Gespräch mit dem Abendblatt: „Ich bin nicht pro Hoffmann oder contra Hoffmann. Mir geht es lediglich um die Zukunft unseres HSV.“ Und obwohl er die Beiratsentscheidung als „Verpflichtung“ verstehe, wollte Hunke zunächst offen lassen, ob er auch tatsächlich bei der Mitgliederversammlung gegen Jansen und Hartmann antrete. „Ich habe noch nie eine Abstimmung verloren“, sagt er selbstbewusst, fügt aber hinzu: „Für eine Schlammschlacht würde ich nicht zur Verfügung stehen.“

Jansen hat wahnsinnig Lust auf das Amt

Ob aus dem Kandidatentrio also doch nur ein Duo wird, dürfte sich endgültig erst kurz vor der Wahl entscheiden. Seinen ersten offiziellen Auftritt als Präsidentschaftskandidat plant Hunke nach seiner Rückkehr aus Asien beim Abendblatt-Neujahrsempfang am 7. Januar im Hotel Atlantic, wobei er selbst Marcell Jansen als großen Favoriten bezeichnet.

Dieser freute sich gestern Abend auf der Hamburger Sportgala in der Volksbank-Arena über die Blumen, wies die Favoritenrolle allerdings von sich. „Damit kann ich gar nichts anfangen – genauso wenig wie mit dem Wort Wahlkampf. Es geht nicht um Kampf, sondern um Leidenschaft“, sagte Jansen (33), ehe er von Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD) mit den Worten begrüßt wurde: „Da kommt der zukünftige HSV-Präsident.“ Nun ja, der aktuelle Kandidat gab zumindest zu, sich über die Nominierung zu freuen: „Ich danke dem Beirat sehr.“ Und Bammel habe er vor der Aufgabe, einen 85.000-Mitglieder-Verein zu führen, schon mal gar nicht: „Beim Sommermärchen 2006 musste ich für 80 Millionen spielen. Ich habe einfach wahnsinnig Lust auf das Amt und diesen Club.“

Entscheidung gegen andere Kandidaten

Dritter Kandidat ist Ralph Hartmann, der bereits vor Hoffmanns Inthronisierung auf der vergangenen Mitgliederversammlung dem HSV-Präsidium drei Jahre als Vizepräsident und Schatzmeister angehörte. Nun will er neben dem e.V. auch einen Arbeitsschwerpunkt der AG widmen. „Als Mehrheitsgesellschafter muss der e.V. aus meiner Sicht eine starke Rolle bei der AG übernehmen. Ich würde mich gerade beim Thema Finanzen um mehr Transparenz bemühen. Ein Gleichgewicht zwischen e.V. und AG wäre mein Ziel“, sagte Hartmann (53) dem Abendblatt. Sportlich mache er sich wenig Sorgen um den HSV; finanziell umso mehr. „Die Situation bei der AG kann langfristig auch Auswirkungen auf den e.V. haben.“

Wer soll neuer HSV-Präsident werden?

Die Entscheidung des Beirats für Hunke, Jansen und Hartmann war natürlich gleichzeitig auch eine Entscheidung gegen die Kandidaten Rainer Ferslev und Katrin Sattelmair. Während die frühere Aufsichtsrätin zugab, über die Entscheidung enttäuscht zu sein, ließ Insolvenzexperte Ferslev seinen Ärger dosiert hinaus: „Ich respektiere die Entscheidung des Beirats, halte sie aber für falsch“, sagte der Anwalt, dem in einem Telefonat mit Beirat Patrick Ehlers auch nicht erklärt wurde, warum er im Wahlprozess durchgefallen war.

Dabei hatte sich Ferslev intensiv auf eine Kandidatur vorbereitet, einen Investitionsplan ausgearbeitet und eine Tour durch die Vereinsabteilungen angedacht. Eine letzte Chance, die Zukunft des HSV e.V. mitzugestalten, wollen sich Ferslev und Sattelmair aber nicht nehmen lassen: Beide werden zur Mitgliederversammlung kommen. Als Wähler.