Sportplatz-Kolumne

HSV-Präsidentenwahl: Die problematische Rolle des Beirats

Der Autor ist HSV-Chefreporter beim Hamburger Abendblatt

Der Autor ist HSV-Chefreporter beim Hamburger Abendblatt

Foto: Michael Rauhe

An diesem Freitag endet die Frist für die Präsidentenwahl, nun kommt es auf den Beirat an. Bleibt die Frage: warum eigentlich?

Manchmal muss man ein wenig in die Vergangenheit schauen, um in der Gegenwart eine Idee von der Zukunft zu bekommen. Die Zukunft, über die beim HSV gerade intensiv debattiert wird, ist der 19. Januar, wenn ab 11 Uhr in Wilhelmsburg ein neuer HSV-Präsident gewählt werden soll. Es ist die wichtigste Personalentscheidung des Jahres für den HSV e.­ V. – und wohl auch die wichtigste Entscheidung des Jahres für die HSV AG, weil ein neuer Vereinspräsident gleichzeitig neuer AG-Aufsichtsratschef werden soll.

Doch vor der Zukunft kommt zunächst einmal die Gegenwart. Und in dieser läuft an diesem Freitag die Frist für mögliche Präsidentenkandidaten ab. Beim HSV-Beirat offiziell vorgestellt haben sich bislang Ex-Profi Marcell Jansen, Insolvenz-Experte Rainer Ferslev, Ex-Präsident Jürgen Hunke, Uwe-Seeler-Kumpel Heinrich Höper, Ex-Aufsichtsrätin Katrin Sattelmair und Ex-Vizepräsident Ralph Hartmann. Ob noch weitere Bewerber ihren Hut in den Ring geworfen haben, ist nicht bekannt. Bekannt ist dagegen, dass der fünfköpfige Beirat sich bis zum 17. Dezember Zeit nehmen will, um den Kandidatenkreis auf zwei, drei Bewerber einzugrenzen.

Und an dieser Stelle kommt die Reise in die Vergangenheit. Mittlerweile ist es ziemlich genau fünf Jahre her, dass Wirtschaftsprofessor Henning Vöpel in einem Abendblatt-Interview vorausgesagt hatte, dass eben jener Beirat „das neue Machtzentrum des HSV“ werden würde. Der Chef des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) ging sogar noch einen Schritt weiter und stellte infrage, ob dieser machtvolle Beirat denn wirklich bessere Entscheidungen treffen würde als die Mitgliederversammlung. „Das ist zunächst einmal eine unbewiesene These“, sagte Vöpel.

HSV-Beirat handelt undemokratisch

Heute steht der HSV-Beirat genau vor dieser Herkulesaufgabe: vor der unbewiesenen These, eine bessere Zukunftsentscheidung für den HSV als die Mitglieder zu fällen. Denn so richtig verstanden hat auch vier Jahre nach der Ausgliederung noch niemand, warum nun ausgerechnet dieses Fünfergremium (Jan Wendt, Patrick Ehlers, Kai Eselsgroth, Frank Mackerodt und Oliver Voigt) die Macht hat, Präsidentschaftskandidaten zuzulassen. Oder eben abzulehnen.

Die Grundidee, einen zu großen Wahlzirkus durch eine geringe Kandidatenanzahl zu verhindern, ist verständlich. Gleichzeitig aber auch höchst undemokratisch. Beirat Patrick Ehlers selbst hat erst am Montag im Rahmen des Volksparketts erläutert, dass die eher unscharf formulierten Kriterien für Bewerber (auf der HSV-Homepage nachzulesen) gar nicht alle erfüllt werden müssen. Es gehe vor allem darum, dass ein „präsidialer Kandidat“ gefunden werde.

Doch an dieser Stelle fängt das Dilemma an. Man kann Marcell Jansen (33) als sehr geeignet oder als viel zu jung empfinden. Jürgen Hunke als gutes Gegengewicht oder als Querulanten. Ralph Hartmann als echten e.V.ler oder zu wenig AGler. Katrin Sattelmaier als hochintelligent oder zu introvertiert. Und Rainer Ferslev als guten Sanierer, aber keinen Visionär. Doch all diese Entscheidungen sollten in einem demokratischen Verein doch bitteschön die Mitglieder auf der Hauptversammlung und kein Fünfergremium im Hinterzimmer fällen.

Fragwürdiger Beirat-Plan bei Otto

Problematisch ist zudem, dass der Beirat die endgültige Auswahl erst kurz vor Weihnachten am 17. Dezember bekannt geben will. Wirklich Zeit, die eigenen Ideen in den HSV-Abteilungen vorzustellen, bleibt da nicht mehr.

Wie undemokratisch das ganze Prozedere beim HSV in Gänze ist, zeigt vor allem ein Nichtkandidat. So soll man sich nach Abendblatt-Informationen im Beirat einig gewesen sein, dass man im Falle einer Kandidatur Alexander Ottos keine Gegenkandidaten zugelassen hätte, um dem früheren Aufsichtsratschef die Wahlkampftortur zu ersparen.

Doch so sehr Alexander Otto eine richtige Wahl gewesen wäre, so falsch wäre es gewesen, ihm zuliebe keine Konkurrenzkandidaten zuzulassen. Letztendlich ist diese Diskussion aber im Sande verlaufen, weil Otto (leider) gar keine Präsidentschaftsambitionen hegt.

HSV-Bude: Es ist Wahlkampf, ihr Fot&#$!
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