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Warum Becker beim Wiedersehen mit Dutt gemischte Gefühle hat

Mathenia vor Debüt für "Club". HSV könnte an Walace-Transfer verdienen. Janjicic droht Sperre. Hoffen auf Arp. Kommt Köhn zurück?

Mathenia vor Bundesligadebüt für Nürnberg

Den Klassenerhalt hat Christian Mathenia dank seinem Wechsel vom HSV zum 1. FC Nürnberg geschafft, doch auch beim Aufsteiger musste sich der Torhüter zunächst hinten anstellen. Trainer Michael Köllner gab bislang Fabian Bredlow den Vorzug. Doch nach den bösen Auswärtsklatschen bei Borussia Dortmund (0:7) und RB Leipzig (0:6) könnte jetzt Mathenias Chance kommen.

Ein Torwartwechsel beim "Club" gilt vor dem Spiel gegen die TSG Hoffenheim als wahrscheinlich. Köllner gewährte am Donnerstag allerdings keinen Einblick in seine Pläne: "Ich habe mich noch nicht festgelegt. Wir müssen schauen, wer für das Spiel ideal ist." Soso!

Janjicic droht Sperre

Vasilije Janjicic muss aufpassen: Noch eine Gelbe Karte am Sonntag (13.30 Uhr, Volksparkstadion/Sky), und der Schweizer Junioren-Nationalspieler wäre für das folgende HSV-Spiel gesperrt. Die Gefahr scheint groß zu sein. Statt wie üblich im defensiven oder zentralen Mittelfeld könnte Janjicic als Innenverteidiger auflaufen. Jedenfalls testete Trainer Christian Titz diese Variante am Donnerstag.

Janjicic stand im Trainingssspiel neben Léo Lacroix im A-Team. Die bisher meistens gesetzten Rick van Drongelen und David Bates gehörten dagegen zum B-Team. Beide waren noch am Dienstag über 90 Minuten für ihre U-21-Nationalmannschaften in der EM-Qualifikation im Einsatz.

Als Robin Dutt Ralf Becker entließ

Am Sonntag treffen der HSV und der VfL Bochum erstmals in der 2. Bundesliga aufeinander. Für Hamburgs Sportvorstand Ralf Becker (48) und Bochums Trainer Robin Dutt (53) kommt es beim Traditionsduell zum Wiedersehen. Die beiden Schwaben, die im gleichen Dorf vor den Toren Stuttgarts aufgewachsen sind und einst bei den Turn- und Sportfreunden Ditzingen mit dem Fußball begonnen haben, arbeiteten 2015/16 gemeinsam für den VfB: Dutt als Sportvorstand, Becker als Chefscout.

Im Frühjahr 2016 setzte Dutt Becker vor die Tür. "Es war damals sicherlich keine schöne Situation, aber so ist es im Fußball", sagte Becker jetzt der "Bild"-Zeitung: "Es war auch der sportlichen Situation geschuldet. Da ergab das eine das andere." Böses Blut gebe es deshalb jedenfalls nicht.

Im Mai 2016 dann war Stuttgart abgestiegen – und Dutt selbst ohne Job. Erst im Februar dieses Jahres hat er wieder einen gefunden: als Trainer des VfL Bochum. Sein Vertrag wurde vergangene Woche bis 2020 verlängert. Becker hätte derweil als Geschäftsführer Sport mit Holstein Kiel beinahe den Durchmarsch von der 3. in die Bundesliga geschafft, bevor er im Sommer zum HSV wechselte.

Der neue Sportvorstand würde sich nicht wundern, sollten am Saisonende beide Vereine die Rückkehr in die Bundesliga feiern: "Für mich zählt der VfL klar zum Kreis der Aufstiegskandidaten." Was auch Dutts Verdienst sei: "Er hat Ruhe und Struktur in den Club gebracht."

Ein Duell mit Tradition

HSV gegen VfL Bochum: Das Duell hat eine lange (Bundesliga-)Tradition. 68-mal trafen die beiden Mannschaften in der höchsten Spielklasse aufeinander, sechsmal zudem im DFB-Pokal. Zum bislang letzten Vergleich kam es in einem Testspiel im Juli 2016: Die Hamburger unterlagen bei den Bochumern mit 0:1. Was trotz des damaligen Klassenunterschieds zu erklären ist: Der VfL stand unmittelbar vor dem Saisonauftakt, der HSV steckte noch mitten in der Vorbereitung.

Das gleiche Ergebnis gab es auch beim letzten Duell der einstmals Unabsteigbaren in Hamburg. Der VfL erinnerte am Donnerstag per Twitter aus gegebenem Anlass daran.

Was in dem Tweet nicht erwähnt wurde: Bochum stieg am Saisonende zum sechsten Mal ab – auch weil das Heimspiel gegen den HSV im April 2010 mit 1:2 verloren ging.

Hoffen auf Arps Genesung

Der HSV ist wieder komplett – fast: Erstmals nach der Länderspielphase hatte Trainer Christian Titz an diesem Donnerstagvormittag bei der letzten öffentlichen Einheit vor dem Heimspiel gegen Bochum am Sonntag wieder alle gesunden Profis um sich.

Fiete Arp gehört aktuell nicht dazu. Der Stürmer war mit einer Teilruptur des Außenbandes im Sprunggelenk vom Lehrgang der U-19-Nationalmannschaft auf Zypern zurückgekehrt. Statt auf den Trainingsplatz ging Arp deshalb auf das Laufband im Stadioninneren. Ob er gegen Bochum zur Verfügung steht, entscheidet sich am Freitag. "Wenn der Test gut verlaufen ist, soll er morgen ins Training einsteigen", sagte Titz.

Hwang wird geschont

Auch der hoch belastete Linksaußen Hee-Chan Hwang erhielt am Donnerstag Schonung. Der Koreaner war erst am Vorabend von dem Länderspiel-Einsatz in seiner Heimat zurückgekehrt und blieb im Kraftraum. Titz: "Wir wollten ihn regenerativ trainieren und behandeln lassen. Er soll morgen einen Teil des Trainings mitmachen, damit er sich bis zum Wochenende gut erholt."

Opoku spricht über seine Leidenszeit

Aaron Opoku musste am Donnerstag ebenfalls mit dem Training aussetzen. Der Linksaußen hatte am Dienstag einen Schlag aufs Knie bekommen und das Training abbrechen müssen.

Knapp drei Monate, nachdem er vor einem Testspiel einen Lungenkollaps (Pneumothorax) erlitten hatte, hat sich Opoku (19) auf den Trainingsplatz zurückgekämpft. Wann er wieder ein Spiel bestreiten kann, lässt sich allerdings noch nicht genau absehen. Es soll aber nicht mehr allzu lange dauern. "Ich brauche noch ein paar Trainingseinheiten, um 90 Minuten Vollgas geben zu können", sagte Opoku der "Hamburger Morgenpost". Titz gibt ihm die Zeit: "Bei ihm muss man in den nächsten Wochen sehen, dass er wieder richtig fit wird und zu seiner alten Stärke findet."

Man bedenke: Nach seiner Notoperation durfte Opoku mehr als eine Woche lang nicht einmal das heimische Bett in Billstedt verlassen. Den Eingriff an der Brust hatte er ohne Narkose bei vollem Bewusstsein miterlebt: "Der Arzt musste mit einem Finger den Weg für den Schlauch freiräumen. Ich war vom Anblick schockiert und habe mich die ganze Zeit gefragt, wie es mit mir weitergeht. Ich habe mir große Sorgen gemacht."

Was ihn aufbaute: dass ihn Kapitän Aaron Hunt, Sportvorstand Ralf Becker und andere HSVer besuchten. Opoku: "Das war ein tolles Zeichen und hat mir sehr viel Kraft gegeben." Es gab da nur ein Problem: Seine Kumpels Gideon Jung, Fiete Arp, Moritz-Broni Kwarteng und Stephan Ambrosius hätten ihn die ganze Zeit zum Lachen gebracht, obwohl er nicht lachen durfte. "Es tat zwar weh, aber ich konnte einfach nicht aufhören."

Ambrosius und Kwarteng vom Training ausgeladen

Innenverteidiger Ambrosius und der offensive Mittelfeldmann Kwarteng nahmen am Donnerstag ebenfalls nicht am Training teil. Titz: "Wir wollten die Gruppe heute bewusst kleiner halten und nicht so viel durchwechseln, damit alle genügend Spielanteile bekommen.

HSV würde bei Walace-Transfer mitverdienen

Beim großen HSV ist Walace Souza nie richtig angekommen – beim kleinen HSV hat er voll eingeschlagen: Nach seinen starken Leistungen für Hannover 96 ist der Brasilianer sogar in die Nationalmannschaft um die Superstars Neymar, Marcelo und Philippe Coutinho zurückgekehrt. Am Mittwoch veröffentlichte er auf Twitter ein Bild, das ihn mit der Trophäe für den "Superclásico Championship" zeigt.

Brasilien hatte am Dienstagabend in Dschidda (Saudi-Arabien) Erzrivale Argentinien mit 1:0 besiegt. Walace (23) kam diesmal zwar nicht zum Einsatz, trotzdem ist nicht auszuschließen, dass bald jemand die vertraglich festgeschriebene Ablösesumme von 37,2 Millionen Euro für den defensiven Mittelfeldspieler hinlegt. Der HSV hatte Walace im Sommer für sechs Millionen Euro abgegeben.

Ganz leer ausgehen würden die Hamburger bei einem Weiterverkauf allerdings nicht. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, würde der HSV mit den üblichen zehn Prozent am Mehrerlös partizipieren – das wären dann etwa drei Millionen Euro. Immerhin: Die 9,2 Millionen Euro, die der HSV im Januar 2017 für Walace an Grêmio Porto Alegre gezahlt hat, wären dann ziemlich genau wieder eingespielt.

Kostic war in Hamburg nicht der wahre

Auch Filip Kostic hat der Weggang vom HSV offenbar gutgetan. Bei der Frankfurter Eintracht, an die er für zwei Jahre ausgeliehen ist, fand der serbische Linksaußen wieder zu alter Stärke zurück.

Den Grund für seine Hamburger Formkrise glaubt Kostic (25) ausgemacht zu haben: die Unruhe im Verein. "Wir hatten in Hamburg viele Probleme mit drei oder vier Trainerwechseln, es ging immer nur bergab", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Das hier in Frankfurt – das ist der wahre Filip Kostic. Aber ich kann sogar noch mehr zeigen."

Krise? Welche Krise?

Gefühlt hat der HSV in den vergangenen Wochen nicht viel hinbekommen. Aber wie das manchmal so ist mit der Wahrnehmung: Die Fakten sagen etwas ganz anderes aus. Tatsächlich hat der Bundesliga-Absteiger von seinen vergangenen neun Pflichtspielen nur eines verloren – das allerdings krachend mit 0:5 gegen Regensburg. Auf der Habenseite stehen sechs Siege und zwei Unentschieden.

Gegner VfL Bochum kommt am Sonntag mit einem 1:0-Sieg gegen Bielefeld im Rücken an den Volkspark. Auswärts allerdings blieb die Mannschaft von Trainer Robin Dutt, der seinen Vertrag gerade verlängert hat, zuletzt dreimal sieglos.

Sam droht Bankplatz

Immerhin: Für die linke Abwehrseite kann Dutt auf die wieder genesenen Danilo und Timo Perthel zurückgreifen. Anthony Losilla könnte im defensiven Mittelfeld als Nebenmann des früheren HSV-Profis Robert Tesche zu seinem 200. Einsatz in der 2. Bundesliga kommen. Einem anderen ehemaligen Hamburger droht dagegen zunächst die Bank: Sidney Sam. Dutt könnte im offensiven Mittelfeld Tom Weilandt, Sebastian Maier und Chung-Yong Lee den Vorzug geben. Schon das Bielefeld-Spiel hatte Sam nur auf der Bank erlebt.

Der heute 30-Jährige hatte den HSV 2008 im Unfrieden verlassen. Dennoch hat der ehemalige Nationalspieler noch immer eine hohe Meinung vom HSV: "Den Club trage ich natürlich im Herzen", sagte Sam der "Bild"-Zeitung. Was ihm besonders in Erinnerung geblieben ist: "Die Champions-League-Spiele unter Thomas Doll, die tollen Mitspieler wie Rafael van der Vaart, Nigel de Jong, Guy Demel oder Paulo Guerrero. Eine Wahnsinnszeit.“

Für Sam ist der HSV auf gutem Weg zurück in die Bundesliga. "Klar ist aber auch, dass beim HSV nie richtig Ruhe einkehren wird. Das habe ich auch schon zu unseren Zeiten erlebt. Das ist dort normal, macht den Verein auch irgendwie aus.“

Holt der HSV Köhn zurück?

Im Sommer vergangenen Jahres verlor der HSV sein Abwehrtalent Derrick Köhn an den FC Bayern München. Laut dem Portal "Liga-zwei.de" bemühen sich die Hamburger jetzt darum, den inzwischen 19-Jährigen in seine Heimatstadt zurückzuholen.

Gänzlich aussichtslos ist das Unterfangen wohl nicht. Beim HSV hätte Köhn Aussicht auf Spielpraxis bei den Profis – die ihm bei den Bayern bislang nicht vergönnt war. Selbst in der Regionalligamannschaft der Münchner war der linke Verteidiger zuletzt nicht mehr unbedingt erste Wahl. Und als der Meistermannschaft kürzlich die linken Verteidiger ausgingen, beorderte Trainer Niko Kovac lieber Leon Goretzka nach hinten, als es mit Köhn zu versuchen.

Köhns Vertrag gilt noch bis 2020. Sollte der HSV den Wiederaufstieg verpassen, könnte es für die linke Abwehrseite Handlungsbedarf geben, weil Douglas Santos dann den Verein verlassen könnte. Als Ersatz steht aktuell nur Josha Vagnoman (17) zur Verfügung.