HSV

Wie Christian Titz das Löw-Problem lösen will

Heechan Hwang (l.) und Khaled Narey sollen für mehr Tempo sorgen.

Heechan Hwang (l.) und Khaled Narey sollen für mehr Tempo sorgen.

Foto: Witters

Der HSV muss gegen Bochum das zuletzt lahme Angriffsspiel beschleunigen. Der Trainer arbeitet an Varianten.

Hamburg.  An diesem Donnerstag kehren die Nationalspieler des HSV zurück auf den Trainingsplatz im Volkspark. Gleich neun Profis waren in der vergangenen Woche mit ihren Auswahlteams unterwegs. Allein mit der Länderspielreise der deutschen Nationalmannschaft in Amsterdam und Paris hatte der HSV nichts zu tun. Und doch gibt es Parallelen zwischen dem Team von Bundestrainer Joachim Löw und HSV-Coach Christian Titz.

Insbesondere bei der 0:3-Niederlage gegen die Niederlande wurde die große Problematik der deutschen Spielweise der vergangenen Jahre erneut offensichtlich. Schwerfälligkeit, fehlende Geschwindigkeit und Inspiration. Gepaart mit einer extremen Konteranfälligkeit. Defizite, die auch das HSV-Spiel der vergangenen Wochen beschreiben könnten.

Kritik an Joachim Löw

Löw hat nach erheblicher Kritik, auch aus den eigenen Reihen, reagiert und das Spiel der deutschen Mannschaft verändert. Im Spiel bei Weltmeister Frankreich (1:2) ließ Löw junge und schnelle Konterspieler wie Leroy Sané und Serge Gnabry ran und modifizierte die taktische Ausrichtung vom Ballbesitzfußball in Richtung Umschaltspiel, um mehr Tempo und Tiefe in das Angriffsspiel zu bekommen.

Eine Entwicklung, an der auch HSV-Trainer Titz vor dem Spiel gegen Bochum am Sonntag arbeitet. „Unser Schwerpunkt lag auf dem Umschaltspiel“, sagte Titz nach den ersten Einheiten. Das Ziel: „Wir wollen die Räume, die uns geboten werden, besser nutzen. Damit tun wir uns noch schwer, weil wir uns im Klein-klein verheddern.“ Die Übungen sind entsprechend ausgerichtet: In den Rücken der Abwehr spielen, sich aus dem engen Raum schnell lösen.

HSV durch Ballbesitz nicht torgefährlich

Die Schwächen, die eigentlich die Stärken sein sollten, belegen die Daten. Mit 6663 Ballkontakten (740,33 pro Spiel) liegt der HSV in der Liga deutlich vor dem 1. FC Köln (669,11). Auf den Plätzen eins bis drei der Spieler mit den meisten Ballkontakten rangieren drei Hamburger: Julian Pollersbeck (755), Rick van Drongelen (739) und Douglas Santos (705). Ähnlich sieht es in der Passstatistik aus. Der HSV führt die Wertung mit 4703 Pässen klar vor Köln (3923) an. Auch hier liegen Verteidiger van Drongelen (595) und Torhüter Pollersbeck (582) ganz vorne. Die vielen Quer- und Rückpässe werden in der Statistik dabei nicht differenziert.

In der Wertung der abgegebenen Torschüsse wird der HSV (110) dagegen nur auf Platz elf geführt. Im jüngsten Heimspiel gegen den FC St. Pauli hatte der HSV 72:28 Prozent Spielanteile. Das Torschussverhältnis lag bei 8:11. Übersetzt: Der Ballbesitz des HSV führt kaum zu Torgefahr. Exakt dasselbe Probleme hatte die deutsche Nationalmannschaft in den vergangenen zwei Jahren und im Besonderen bei der WM. Löws System wirkte ähnlich schwerfällig wie das Spiel des HSV in der Zweiten Liga.

Schneller Außenstürmer Khaled Narey

Eine Blaupause für Titz dürfte die zweite Halbzeit vor einer Woche im Test gegen Aarhus gewesen sein, als der HSV das Tempo extrem hoch hielt und mit dem schnellen Außenstürmer Khaled Narey in der Spitze viel mehr Torgefahr erzeugte. Sollte Fiete Arp nach seinem Bänderteilriss im Sprunggelenk noch nicht wieder spielen können, wird Narey wohl auch gegen Bochum wieder in die vordere Reihe rücken. Hinzu kommt mit Hee-chan Hwang nach seiner Rückkehr von der Länderspielreise mit Südkorea ein weiterer Tempospieler. Narey und Hwang sollen das HSV-Spiel beschleunigen.

Für Titz wird die Partie gegen Bochum eine Art taktische Reifeprüfung, ähnlich wie es das Frankreich-Spiel für Löw war. Die Herausforderung: Der Gegner ist nicht vor drei Monaten Weltmeister geworden, sondern Tabellensiebter in Liga zwei. Eine 1:2-Niederlage würde für Titz im Gegensatz zu Löw neue Diskussionen befeuern.