2. Bundesliga

Nachfrage nach Derbytickets: HSV erklärt Server-Problem

Vor dem Servicecenter des HSV bildete sich am Dienstagvormittag eine lange Schlange

Vor dem Servicecenter des HSV bildete sich am Dienstagvormittag eine lange Schlange

Foto: Henrik Jacobs / HA

Schon mit den Preisen und dem Kartenlimit hatte der Club viele Fans frustriert. Die ersten wollen bereits die Mitgliedschaft kündigen.

Hamburg.  Es ist das 93. Stadtderby – und doch eine Premiere: Erstmals treffen der HSV und der FC St. Pauli in der 2. Bundesliga aufeinander. Am 30. September (13.30 Uhr) ist es im Volksparkstadion so weit. Und dass das Interesse nach mehr als sieben derbyfreien Jahren groß sein würde, konnte man ahnen.

Doch beim HSV scheint die Nachfrage alle Erwartungen zu übertreffen – und vor allem die Kapazitäten des Ticketservers. Seit Dienstag, 8 Uhr läuft der exklusive Kartenvorverkauf an Mitglieder – theoretisch. Praktisch war am Morgen online kein Durchkommen.

Zwar gelangte man beim Anklicken des Ticket-Buttons in eine Art virtuelle Warteschlange. „Du musst dich noch einen kleinen Moment gedulden, aber gleich bist auch du an der Reihe“, hieß es da. Doch zu der versprochenen Weiterleitung in den HSV-Onlineshop kam es nie. Stattdessen gab es eine Fehlermeldung: „500 Internal Server Error“. Oder auch, je nach Browser: „… konnte die Seite nicht öffnen, da der Server nicht mehr antwortet.“

Fans schäumen bei Facebook

Die Fans haben für die technischen Probleme offenbar kein Verständnis. In den sozialen Netzwerken lassen die Betroffenen ihren Frust heraus. „HSV ihr wisst doch, dass es hier einen großen Ansturm auf die Karten gibt, das muss einfach besser klappen. Selbes Problem auch schon gegen Kiel“, schreibt Daniel Sjögreen bei Facebook. Und Timo P. zürnt: „Ihr solltet euch schämen! Könnt ihr eigentlich noch ruhigen Gewissens in den Spiegel gucken? Preise wie in der Champions League verlangen und einen Onlineshop anbieten, über den jeder Kreisligist lachen würde?“

Sarah Mokry geht noch einen Schritt weiter: Sie werde ihre Mitgliedschaft kündigen, da die ihr offenbar keinerlei Vorteil bietet. Und weiter: „Eure Internetseite wird von mir seit gut eineinhalb Stunden permanent aktualisiert, und es passiert rein gar nichts. Wenigstens ein Spiel hätte ich gerne live gesehen, aber die Ticketbörse ist eine absolute Katastrophe – das ist ja nicht mal zweitligareif.“ Oliver Laaser meint: „Megapreise abzocken, aber keine Kohle für Serverkapazitäten. Erbärmlich.“

Hohn und Spott für den Onlineshop

Andere reagieren mit Hohn und Spott: „Freier Verkauf“ Der war gut“, spottet Nils Schumacher. Bastian Sausner fragt: „500, 502, 503 – gibt’s ein Sammelalbum für die verschiedenen Fehlermeldungen?“ Und Dirk Probst vermutet: „Man gewinnt wohl eher im Lotto, als in den Onlineshop zu gelangen.“ Einige haben es offenbar doch geschafft. Um 11 Uhr waren A- und C-Rang der beliebten Nordtribüne bereits ausverkauft.

Der HSV hat nach gut drei Stunden reagiert – und in einem Tweet sein Bedauern ausgedrückt. Mehr als 20.000 Fans hätten versucht, ein Ticket zu ergattern.

Auf Abendblatt-Nachfrage konkretisierte der HSV am Nachmittag die Erklärung für sein Problem. Zwischen 8 und 9 Uhr hätten insgesamt mehr als 30.000 Mitglieder auf den Server zugegriffen: "Da eine solch große Anzahl an Anfragen aus technischen Gründen nicht zeitgleich beantwortet werden kann, kam es leider zu den bekannten Verzögerungen", sagte ein Sprecher.

Eine Alternative zum nutzlosen Anstehen gab es allerdings nun doch: Entgegen der ursprünglichen Ankündigung verkaufte der HSV seit zehn Uhr Derbytickets auch im Service-Center sowie über seine Fanshops. Am Volksparkstadion bildete sich eine lange Warteschlange. Die erhitzten Gemüter seiner Fans konnte der HSV mit der spontanen Aktion aber nicht beruhigen, ganz im Gegenteil. "Super, und nun soll ich alles auf Arbeit stehen und liegen lassen und losfahren oder was? Unglaublich!", schreibt Caroline Loose bei Twitter.

Kritik an Ticketlimit

Schon mit der Preisgestaltung hatte der HSV etliche Fans gegen sich aufgebracht. Trotz des Abstiegs kosten die Einzelkarten so viel wie im vergangenen Jahr die fürs Erstliga-Nordderby gegen Werder Bremen.

Auch dass Mitglieder höchstens zwei Karten bestellen können, stößt vielen sauer auf. „Super dass man das Spiel nicht als Familie besuchen kann“, spottet Yvonne Dittmer. „Zwei Karten – und unsere beiden Söhne dürfen nicht mit, weil wir keine Karten kaufen können? Oder sollen wir jetzt losen, wer zum Spiel darf?“ Thekla Engelmann hat das gleiche Problem: „Wir wollten zu dritt ins Stadion, und abgesehen von der Tatsache, dass im freien Verkauf wohl keine Tickets mehr zu bekommen wären, könnten wir dann nicht zusammen sitzen. Finde ich echt daneben.“

Das ändert sich für den HSV in der zweiten Liga
Das ändert sich für den HSV in der zweiten Liga