HSV-Transfer rückt näher

Jansen: Nur dann wäre Arps Wechsel zu Bayern sinnvoll

HSV-Aufsichtsrat Marcell Jansen (l.) und Fiete Arp. Das Sturmtalent ist sich mit dem FC Bayern München über einen mit 20 Millionen Euro dotierten Vierjahresvertrag einig

HSV-Aufsichtsrat Marcell Jansen (l.) und Fiete Arp. Das Sturmtalent ist sich mit dem FC Bayern München über einen mit 20 Millionen Euro dotierten Vierjahresvertrag einig

Foto: dpa/picture-alliance/Witters; Montage HA

Fiete Arp steht vor einem Abgang nach München. HSV-Aufsichtsrat Marcell Jansen schildert die Vor- und Nachteile des Wechsels.

Hamburg.  Wenn der HSV nach einer dreitägigen Pause am heutigen Donnerstag um 10.30 Uhr im Volkspark trainiert, wird er mit dabei sein: Fiete Arp ist noch immer Lizenzspieler der Hanseaten. Und das, obwohl er sich seit Monaten mit dem FC Bayern München über einen mit 20 Millionen Euro dotierten Vierjahresvertrag einig ist. Doch der Transferpoker zwischen dem HSV und dem Meister stockt. Nach wie vor hat der Bundesliga-Serienmeister sein erstes Ablösegebot von 2,5 Millionen Euro nicht erhöht. Während die Hamburger auf eine schnelle Entscheidung drängen, um ihr hoffnungsvolles Sturmtalent aus der Schusslinie zu nehmen, spielen die Bayern auf Zeit.

Mittlerweile ist der HSV nach Abendblatt-Informationen von seiner ursprünglichen Forderung, das Angebot müsse verdoppelt werden, abgewichen. Sobald die Münchner ihre Offerte nachbessern, wird der Transfer von Arp über die Bühne gehen. Wahrscheinlich auch noch in dieser Woche. Doch wie sinnvoll ist es für ein 18 Jahre altes Talent, in dessen Vita 18 Erstligaspiele und zwei Tore stehen, zum großen FC Bayern zu wechseln?

Die Liste mit Jungprofis, die diesen Schritt vor Arp gewagt haben und sich nicht durchsetzen konnten, ist lang. Sie reicht von Jan Schlaudraff über Sinan Kurt, Andreas Görlitz, Tobias Rau, Jan Kirchhoff und Alexander Baumjohann bis zu Nils Petersen. Auch die internationalen Spieler Breno, José Ernesto Sosa, Takashi Usami, Julio dos Santos wechselten einst mit großen Vorschusslorbeeren nach München, wo sie die hohen Erwartungen nicht erfüllten und in ihrer Entwicklung stagnierten.

Das rät Marcell Jansen Fiete Arp

Einer, der einst als Jungnationalspieler bei den Bayern anheuerte und sich auf Anhieb durchsetzte, ist Marcell Jansen. Der frühere Linksverteidiger wechselte im Sommer 2007 als Wunschspieler des damaligen Trainers Ottmar Hitzfeld von Borussia Mönchengladbach zum Rekordmeister und erkämpfte sich in seiner Premierensaison einen Stammplatz. „Ich wusste, dass ich bei Bayern die Chance auf Einsätze bekommen werde, sonst wäre ich niemals gewechselt“, erinnert sich der heutige HSV-Aufsichtsrat im Gespräch mit dem Abendblatt.

Auch wenn Jansen den Ligaprimus nach nur einem Jahr Richtung Hamburg verließ, weil er unter dem neuen Bayern-Coach Jürgen Klinsmann nicht mehr gesetzt war, bewertet er seinen Wechsel zu den Bayern im Nachhinein positiv. Weil er ausreichend Einsatzzeit sammelte. Und genau darin liegt für Jansen auch das Hauptkriterium bei Arp, ob er sich diesen Schritt in diesem Sommer zutrauen sollte.

„Das Ziel eines jungen Spielers muss es sein zu spielen“, sagt Jansen, für den es im Falle des Wechsels von Arp zu den Bayern wichtig ist, dass der Club einen klaren Plan mit dem Youngster hat. So wie es bei Jansen als damals 21-Jähriger einst der Fall war.

Jansen: Das Modell Gnabry würde bei Arp nicht passen

Doch genau darin liegt momentan noch der Knackpunkt. Die Bayern wollen Arp langsam an ihren Profikader heranführen und ihm notfalls in der zweiten Mannschaft zu Spielpraxis verhelfen. Von dem Modell, das sich die Hamburger wünschen, Arp direkt wieder an den HSV zu verleihen, sind die Münchner nicht überzeugt. Doch Arp will unter keinen Umständen dauerhaft in der Regionalliga auflaufen, um seine Entwicklung nicht zu gefährden.

„Wenn er nur ein paar Einsätze bei den Profis bekäme, wäre ein Transfer nicht sinnvoll“, mahnt Jansen. „In der U 23 zu spielen, empfände ich für Fiete als Rückschritt.“ Davon, sich von den Bayern an einen anderen Bundesligisten verleihen zu lassen, so wie es bei Serge Gnabry in der vergangenen Saison der Fall war, rät Jansen dem Juniorennationalspieler ab. Denn dafür sei Arps Entwicklung noch nicht fortgeschritten genug.

Gnabry hingegen kam als Nationalspieler für ein Jahr nach Hoffenheim und sei wegen seiner Extraklasse unverzichtbar für die Kraichgauer gewesen. „Du musst als Leihspieler deutlich besser sein als die Konkurrenz, um zu spielen“, meint Jansen. Ansonsten würde ein Club stets auf Profis setzen, die langfristig an den Verein gebunden sind.

Jansen: Arp muss Wagner ausstechen

Was bleibt also als Option für Arp, wenn er zu den Bayern wechselt, wo er sich gegen Platzhirsch Robert Lewandowski kaum durchsetzen wird? „Fietes Anspruch muss es sein, Sandro Wagner oder eine andere Offensivkraft perspektivisch zu verdrängen. Wenn man zum FC Bayern geht, muss man groß denken“, lautet Jansens Rat. Denn auch als erster Vertreter des polnischen Weltklasse-Stürmers würde Arp dank der Dreifachbelastung auf seine Einsätze kommen.

Und sollte sich seine Zeit in München doch als Missverständnis entpuppen, könne er immer noch rechtzeitig die Reißleine ziehen. So wie es Jansen im Sommer 2008 getan hatte. „Ein Jahr bei den Bayern mit Spieleinsätzen bringt einen in eine top Ausgangslage bei anderen Vereinen“, weiß Jansen, der nach seinem kurzen Intermezzo in München anschließend beim HSV glücklich wurde. Ein Szenario, das auch bei Arp eintreten könnte.

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