Stürmer-Juwel

FC Bayern spielt auf Zeit: HSV steckt in der Arp-Falle

Kann das Trainingslager nicht wirklich genießen: HSV-Talent Jann-Fiete Arp, der wohl zu Bayern München wechseln wird, aber nicht weiß, wann

Kann das Trainingslager nicht wirklich genießen: HSV-Talent Jann-Fiete Arp, der wohl zu Bayern München wechseln wird, aber nicht weiß, wann

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Wann wechselt Fiete Arp nach München? Statt mit dem Team Paintball zu spielen traf er sich mit Sportvorstand Becker.

Bad Erlach.  Die Vermisstenmeldungen ließen nicht lange auf sich warten. Als der HSV am Donnerstag um 15.30 Uhr ein Mannschaftsfoto vom Paintball-Ausflug via Instagram veröffentlichte, suchten die Nutzer des sozialen Netzwerks vergeblich nach einem Spieler. „Wo ist Arp?“, hieß es dort. Und „Bye-bye Fiete“. Andere wollten den HSV-Stürmer bereits in der Münchner U-Bahn gesehen haben. Die Wahrheit: Arp war einfach nur im Mannschaftshotel in Bad Erlach geblieben. Er hatte sich mit Sportvorstand Ralf Becker zum Gespräch getroffen.

Es sind keine einfachen Tage für Fiete Arp im Trainingslager in Österreich. Kaum ein Tag vergeht ohne Berichte und Spekulationen über seine sportliche Zukunft. Diese, und darin sind sich nahezu alle Beteiligten einig, wird beim FC Bayern München liegen. Die einzige Frage, die noch zu klären ist, lautet: Wann? Becker plant für die kommende Saison mit Arp – Stand jetzt. „Noch haben wir drei Stürmer da“, sagte Becker in Bad Erlach. Mit Arp, Pierre-Michel Lasogga, Manuel Wintzheimer sowie Aushilfsstürmer Aaron Hunt sieht sich der HSV gut aufgestellt. „Wenn das so bleiben sollte, sind wir zufrieden“, sagt Becker.

Was der Manager nicht sagte: Die Verhandlungen über einen Wechsel Arps schon in diesem Sommer sind fortgeschritten. Der HSV drängt auf eine Entscheidung. Die Bayern dagegen haben keine Eile. Während sich der Rekordmeister in einer bequemen Verhandlungsposition befindet, sitzt der HSV in der Zwickmühle.

Bayern lockt Arp mit fünf Millionen

Mit einem unmoralischen Gehaltsangebot haben sich die Münchner die Zusage Arps gesichert. Spätestens im Sommer 2019 wird der 18-Jährige wechseln. Dann wäre Arp ablösefrei. In München soll der Juniorennationalspieler bis zu fünf Millionen Euro im Jahr verdienen. Und der HSV würde sein größtes Juwel, das seit der U 11 für den Club spielt, lediglich gegen die Zahlung einer Ausbildungsentschädigung verlieren.

Bereits für diesen Sommer bietet der Club aus dem Süden 2,5 Millionen Euro. Nach Abendblatt-Informationen liegt dieses Angebot aber schon mehrere Wochen zurück. Der HSV wartet auf ein neues Gebot. Doch die Bayern sitzen am längeren Hebel. Sie benötigen Arp jetzt noch nicht. Der HSV aber benötigt Geld. Und würde bei einer attraktiven Summe schwach werden.

Doch davon ist das aktuelle Angebot der Bayern weit entfernt. Zudem hat sich noch niemand geäußert, was der Club mit dem Talent plant. Kaufen und direkt wieder verleihen? Oder in der zweiten Mannschaft spielen lassen? Dieser Fall käme für Arp nicht infrage.

Wegen Transferpoker? Arp steckt im Formtief

Der Leidtragende unter der Hängepartie ist Fiete Arp. In Bad Erlach wirkt der Stürmer nicht mehr so frei wie noch im Trainingslager vor einem Jahr in Längenfeld. In den Spielen sieht man ihn hadern. Vor einer Woche verschoss er gegen Dassendorf einen Elfmeter, in den Testspielen gegen Aarhus und ZSKA Moskau blieb er blass.

Intern hat er geäußert, dass er am liebsten das kommende Jahr beim HSV spielen will. Er hat eine hohe Wertschätzung für Trainer Christian Titz, unter dem er schon in der U 17 spielte. Bereits im Frühjahr hatte ihm der FC Bayern ein Ultimatum gesetzt, das Arp verstreichen ließ, nachdem Titz bei den Profis Trainer geworden war.

Wollte Arp gar nicht beim HSV verlängern?

Geht es nach dem Jungprofi, bleibt er erst einmal beim HSV. Doch wie es weitergeht, liegt eben nicht nur an dem Spieler selbst. Schon seine Vertragsverlängerung vor einem Jahr, als er nur bis 2019 unterschrieb, soll nicht hauptsächlich seine Entscheidung gewesen sein. Viele verschiedene Interessen kreisen um ihn. Auch die des HSV, der auf Transfereinnahmen angewiesen ist.

„Wir müssen noch einiges abarbeiten und den Etat drosseln, sonst können wir uns die Zweite Liga nicht leisten“, sagte Becker. Laut „Bild“ soll der Etat nach der neuesten Kassenprüfung auf 28 Millionen Euro gesenkt werden. Auch deshalb würde der HSV den bis 2019 laufenden Vertrag von Arps Sturmpartner Lasogga gerne verlängern, um dessen hohes Gehalt über eine längere Laufzeit zu strecken.

Eine Verlängerung von Arp ist dagegen unrealistisch. Das Vorgehen der Bayern hat die Hamburger verärgert. Klar ist derzeit nur eines: Eine Entscheidung muss her. Und zwar möglichst schnell.