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Trainingslager abgebrochen: Rasenzustand war lange bekannt

Zum Start der Mission Wiederaufstieg blickt der HSV-Coach auf die Saison voraus und spricht über Wechsel in seinem Trainerteam.

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HSV kehrt nach erster Einheit in den Volkspark zurück. Walace vor Wechsel nach Hannover. HSV darf auf noch mehr Fifa-Geld hoffen.

HSV bricht Trainingslager in Glücksburg ab

Glücksburg sollte dem HSV eigentlich als gutes Omen dienen, doch jetzt ging der Schuss gehörig nach hinten los – und das, bevor überhaupt erst richtig geschossen wurde. Denn der HSV hat sein Trainingslager an der Ostsee schon am zweiten Tag abgebrochen. Grund für die radikale Maßnahme: die schlechte Verfassung des Rasens.

"Es tut uns leid, aber entscheidend ist die Qualität des Platzes", sagte HSV-Sportvorstand Ralf Becker dem Abendblatt. "Es geht darum, dass wir uns gut vorbereiten können." Trainer Christian Titz stieß ins gleiche Horn: "Wir benötigen gute Trainingsbedingungen, um uns bestmöglich auf die Saison vorbereiten zu können."

Dass der Rasen an der Marineschule Mürwik nicht in bestem Zustand sein würde, war dem HSV seit gut zwei Wochen bekannt. Deshalb wurde sogar der eigene Greenkeeper nach Glücksburg geschickt – in der Hoffnung, das Geläuf noch einmal aufzupeppen. Diese Hoffnung zerschlug sich nach der Ankunft am Sonntagabend.

Bei der ersten Trainingseinheit am Montag schlugen dann auch die Profis Alarm. Der Platz sei geradezu gesundheitsgefährdend, hieß es aus Spielerkreisen. Das "nicht unerhebliche Verletzungsrisiko" durch den Rasen wollte Becker keinesfalls eingehen: "Denn die Gesundheit unserer Spieler steht über allem."

Deshalb zogen die Verantwortlichen die Reißleine und ordneten den Rückzug an. Um kurz nach 14 Uhr setzte sich der HSV-Tross also wieder Richtung Volkspark in Bewegung. Dort soll noch heute wie auch die nächsten Tage trainiert werden. Ein alternatives Lager ist also vom Tisch. Bonbon für die Fans: Die kommenden Einheiten halten Titz und seine Spieler jeweils öffentlich ab.

Am Mittwoch wird die Mannschaft gemeinsam das WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Südkorea im Fernsehen anschauen – als Ersatz für ein eigentlich in Schleswig-Holstein geplantes Teambuilding. Das Testspiel am kommenden Freitag gegen den Landesligisten Büdelsdorfer TSV (18.30 Uhr, Eiderstadion) steht indes nicht zur Debatte.

Der HSV muss und will nun aufklären, wie es zu dem Rasen-Missverständnis kommen konnte. Organisiert wurde das Lager an der Flensburger Förde von einer Hamburger Agentur, die jetzt möglicherweise unangenehme Fragen beantworten muss. Eigentlich wollte der Zweitligist bis zum Freitag in Glücksburg weilen. Vom 8. bis 14. Juli steht in Bad Erlach (Österreich) ein weiteres Trainingslager an.

Es ist nicht das erste Mal, dass dem HSV schlechte Trainingsplätze einen Strich durch die Vorbereitungsrechnung machen. Bereits vergangenen Sommer war der Tross kurzfristig innerhalb Österreichs umgezogen, da die Plätze in Leogang durch die zuvor ausgetragene Ärzte-WM umgepflügt worden war. Damals wich der HSV kurzerhand ins 200 Kilometer entfernte Längenfeld aus.

Holtby schmeißt Arp in die Ostsee

"Wir haben in Glücksburg grundsätzlich hervorragende Bedingungen vorgefunden", sagte Ralf Becker in der Stellungnahme zur vorzeitigen Abreise aus dem Trainingslager. Und tatsächlich hatte sich der Aufenthalt an der Flensburger Förde für die Profis bestens angelassen. Neben Übungen im Kraftraum durften sich die Spieler auch in der Ostsee abkühlen. Lewis Holtby nutzte den Ausflug ins Wasser für eine kleine Ringereinlage mit Fiete Arp – hier sind die Impressionen des Kurztrips wider Willen:

Walace für sechs Millionen zu Hannover?

Erst wollte Hannover Aaron Hunt, dann Bobby Wood. Erst wollte Walace zurück nach Brasilien, dann nach Italien. Jetzt könnten beide Transferstränge überraschenderweise zusammenlaufen. Nach übereinstimmenden Medienberichten steht ein Wechsel Walaces zu Hannover 96 unmittelbar bevor. Demnach könnte der Erstligist für den Hamburger Problemprofi sogar rund sechs Millionen Euro Ablöse lockermachen.

Das wäre zwar weniger als die 9,2 Millionen Euro, die der HSV für Walace im Winter 2017 an Grêmio Porto Alegre zahlte, und auch als die zehn Millionen Euro, die sich der Verein für den Verkauf eigentlich erhofft. Dennoch könnte Ralf Becker bei diesem Deal wohl kaum Nein sagen. Schließlich war der neue HSV-Sportvorstand erst vergangene Woche ergebnislos aus Brasilien zurückgekehrt.

Dort hätte Becker den Olympiasieger gerne an den Mann gebracht. Doch konkrete Interessenten an dem 23 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler zeichneten sich bis zuletzt nicht ab. Dass Walace den HSV nach den Eskapaden der vergangenen Saison (Trainingslager-Verspätung, Spielverweigerung) abgeben möchte, stand seit geraumer Zeit fest.

Nun könnte es mit Hannover plötzlich ganz schnell gehen. Am Sonntag soll Walace den Deal mit seinem Berater Rogerio Braun bereits festgezurrt haben. Als Beweis führt die "Bild"-Zeitung unter anderem ein Foto an, das Braun und seinen Klienten bei der Vertragsfeier in Hannover zeigen soll. Am Montag bestätigte dann 96-Präsident Martin Kind den bevorstehenden Transfer. Walace soll einen Dreijahresvertrag unterschreiben.

Diese Spieler brachten dem HSV das meiste Geld:

Veh prophezeit dem HSV eine harte Saison

Ex-Trainer Armin Veh prophezeit dem HSV eine schwierige Saison in der Zweiten Liga – aber auch seinem aktuellen Club 1. FC Köln. "Beide Vereine werden hart arbeiten müssen für ihre Ziele. Unabhängig davon, welche Kader wir aufbieten. Es sind viele große Namen dabei, da geben einige Gegner ganz bestimmt ein paar Prozent mehr", sagte der Kölner Geschäftsführer Sport dem "Kicker".

Rund um die Vorstellung des neuen Trainers Markus Anfang hob Veh den HSV dann noch einmal explizit in den Favoritenstand. "Der Hamburger SV und wir sind die Favoriten", sagte Kölns Manager am Montag. Das ergebe sich allein schon aus den Budgets der beiden Absteiger. "Dem müssen wir uns stellen. Ob wir es am Ende auch schaffen, ist aber eine andere Frage. Dafür muss vieles passen", sagte Veh.

Tesche darf gegen den HSV ran

Robert Tesche wird in der kommenden Saison wieder gegen den HSV spielen. Der ehemalige Hamburger (63 Erstligaspiele/vier Tore) wurde vom VfL Bochum mit einem festen Vertrag bis zum 30. Juni 2020 ausgestattet. Der Zweitligist hatte den Mittelfeldspieler in der vergangenen Saison bereits von Birmingham City ausgeliehen.

Bislang bestritt Tesche drei Spiele gegen den HSV. Ein weiterer Einsatz gegen seinen Ex-Verein wäre aus Hamburger Sicht kein schlechtes Omen – bislang verlor der mittlerweile 31-Jährige alle drei Duelle (0:1 und 0:2 mit Bielefeld, 1:2 mit Düsseldorf).

Sakai wieder nur Bankdrücker

Nächste persönliche Enttäuschung für Gotoku Sakai: Während es für die japanische Nationalmannschaft bei der WM besser läuft als erwartet, muss sich der HSV-Kapitän in Russland weiter hinten anstellen.

Auch beim 2:2 gegen Senegal kam Sakai am Sonntag nicht zum Zuge. Zuvor hatte der 27-Jährige bereits bei Japans 2:1-Sieg gegen Kolumbien 90 Minuten auf der Bank Platz nehmen müssen.

HSV darf auf noch mehr Fifa-Geld hoffen

Dem HSV kann Sakais Schicksal zumindest aus finanzieller Sicht allerdings egal sein: Denn unabhängig von der Einsatzzeit kassiert der Verein von der Fifa pro WM-Tag umgerechnet knapp 7130 Euro für seine Nationalspieler. Für Sakai, Filip Kostic (Serbien) und Albin Ekdal (Schweden) kommen somit alleine bis zum Ende der Vorrunde mehr als 700.000 Euro zusammen.

Zur Gewinnsumme trägt auch Johan Djourou (Schweiz) bei, da der Weltverband für die Ausschüttung die Vereine der vergangenen beiden Jahre berücksichtigt. Djourou wechselte im Sommer 2017 zu Antalyaspor in die Türkei. Für den Innenverteidiger kassiert der HSV damit immerhin noch die Hälfte der Prämie.

Und Finanzvorstand Frank Wettstein könnte sich sogar noch weiter die Hände reiben: Denn sowohl Serbien als auch Schweden, Japan und die Schweiz haben noch realistische Chancen auf die K.-o.-Runde. Sollten sich tatsächlich alle vier "HSV-Nationen" für das Achtelfinale qualifizieren, kämen noch einmal rund 125.000 Euro hinzu.

Guerrero will auch zur WM 2022

Bei Paolo Guerrero geht der HSV hingegen leer aus, schließlich liegt die Hamburger Zeit des peruanischen WM-Teilnehmers schon zu lange zurück (2006–2012). Trotz des bereits feststehenden Ausscheidens hat der Stürmer nun jedoch Blut geleckt und möchte noch mehr Weltmeisterschaftsspiele als das eine noch ausstehende Duell in Russland (Dienstag, 16 Uhr gegen Australien).

"Ich weiß nicht, ob das mein letztes Spiel bei einer WM sein wird", sagte Perus Kapitän am Montag. "Ich kann immer noch mithalten und dem Team viel geben", sagte Guerrero mit Blick auf eine mögliche WM-Teilnahme 2022 in Katar. Dann wäre der Angreifer stolze 38 Jahre alt. Ein durchaus ambitioniertes Ansinnen also – Landsmann Claudio Pizarro zumindest blieb ein WM-Ticket mit 37 Jahren bei dieser Auflage verwehrt.