HSV

Arp und Fassnacht sorgen noch für Fragezeichen

Frisch gebackener Schweizer Meister: Christian Fassnacht (hier mit Freundin Jennifer)

Frisch gebackener Schweizer Meister: Christian Fassnacht (hier mit Freundin Jennifer)

Foto: Imago/Pius Koller

Bis Freitag wollen Trainer Titz und Sportvorstand Becker alle ausstehenden Entscheidungen für den neuen Kader auf den Weg bringen.

Hamburg. Der Urlaub muss noch ein paar Tage warten. Zweieinhalb Wochen nach dem Saisonfinale sitzt HSV-Trainer Christian Titz am Dienstag in seinem Büro im Volksparkstadion und führt ein Kadergespräch nach dem nächsten. Gerade erst hat er mit Ralf Becker zusammengesessen. Gemeinsam mit dem neuen Sportvorstand plant Titz die Hamburger Mannschaft für die kommende Zweitligasaison. „Ich freue mich, dass Ralf Becker jetzt da ist und wir gemeinsam die Kaderplanung weiter vorantreiben können. Wir kennen und schätzen uns und teilen dieselbe Spielidee“, sagte Titz, der sich Anfang des Jahres mit Becker über ein mögliches Engagement in Kiel austauschte.

Eine wichtige Entscheidung für den Kader, der den HSV zurück in die Bundesliga bringen soll, steht dabei kurz bevor. Aaron Hunt will einen neuen Vertrag unterschreiben. Der 31-Jährige, dessen Kontrakt nach drei Jahren am 30. Juni ausläuft, hat sich nach Abendblatt-Informationen für einen Verbleib beim HSV entschieden. Hunt ist einer der Schlüsselspieler im Spielsystem von Titz. Der Fußballlehrer hatte sich unmittelbar nach Saisonende dafür ausgesprochen, dass der Spielmacher auch in der Zweiten Liga die HSV-Mannschaft führt. „Es wäre schön, wenn Aaron bei uns bleibt“, sagte Titz dem Abendblatt.

Becker sucht den Mix aus Jung und Alt

Die Verhandlungen mit Hunt, der künftig rund 60 Prozent weniger verdienen würde als zuletzt (bisher 3,6 Millionen Euro Jahresgage), hatten Chefscout Johannes Spors und Finanzchef Frank Wettstein mit Hunts Berater Efe-Firat Aktas geführt. Der neue Sportchef Ralf Becker soll die Verhandlungen finalisieren, sobald Hunt aus seinem Dubai-Urlaub zurückkehrt. Becker hatte bei seiner Präsentation angekündigt, dass er bei der Kaderzusammenstellung darauf achten wird, nicht nur mit jungen Spielern in die Zweite Liga zu gehen. „Du brauchst eine gute Mischung“, sagte der 47-Jährige. Der Großteil der bisherigen Neuzugänge und Ergänzungen aus der eigenen Nachwuchsabteilung hat noch keine Erfahrungen im deutschen Profifußball gesammelt.

„Es ist toll, wenn junge Spieler integriert werden. Aber es ist genauso wichtig, wenn du Spieler hast, die diese jungen Spieler führen“, sagte Becker. Trainer Titz sieht das genauso. „Wir wissen, dass es nicht nur mit jungen Spielern geht. Wir werden ein gesundes Maß aus jungen und erfahrenen Spielern haben.“

Auch Sakai steht kurz vor der Unterschrift

Einer dieser Leitwölfe soll Hunt sein. Zuvor hatte bereits Lewis Holtby einen neuen Vertrag beim HSV unterschrieben – zu ebenfalls deutlich reduzierten Bezügen. „Ich fände es bemerkenswert, wenn neben Lewis auch ein Spieler wie Aaron bereit wäre, den Weg mit uns weiterzugehen. Das würde ihr hohes Maß an Identifikation mit dem HSV zeigen“, sagte Titz. Sowohl Holtby als auch Hunt hatten in der Endphase der Saison unter dem neuen Trainer zu alter Stärke zurückgefunden. Die beiden erzielten zusammen sieben der elf Tore in den acht Spielen unter Titz.

Mit Hunt und Holtby könnte Titz auf zwei zentrale Bausteine seiner neuen Achse setzen. Zu dieser zählen außerdem Torhüter Julian Pollersbeck und Verteidiger Gideon Jung. Und auch der bisherige Kapitän und Rechtsverteidiger Gotoku Sakai soll zeitnah einen neuen Vertrag unterschreiben. Der Japaner hatte bereits nach dem letzten Saisonspiel gegen Borussia Mönchengladbach erklärt, beim HSV bleiben zu wollen. Hinzu kommt mit Neuzugang Christoph Moritz vom 1. FC Kaiserslautern ein weiterer Spieler, der über langjährige Erfahrung in der Ersten und Zweiten Liga verfügt.

Inklusive der drei Torhüter und der sechs Spieler, die aus dem eigenen Nachwuchs in die Profimannschaft aufrücken, plant Titz mit einem Kader von 25 bis 27 Spielern, die am 21. Juni in die Vorbereitung starten. Noch hat der Trainer die Hoffnung, dass dann auch Fiete Arp mit dabei sein wird. Titz hat mit dem vom FC Bayern umworbenen Sturmtalent mehrere Gespräche geführt. Der 18-Jährige muss nun die Entscheidung treffen, ob er seinen bis 2019 laufenden Vertrag erfüllt oder den HSV in diesem Sommer verlässt.

Fassnacht soll aus der Schweiz kommen

Stand jetzt hat der Hamburger Kader 20 besetzte Planstellen. Titz rechnet insgesamt noch mit rund fünf weiteren Neuzugängen, je nachdem wie viele Spieler den HSV noch verlassen. Für die Offensive hat der Trainer den Schweizer Christian Fassnacht auserkoren. Der 24-jährige Flügelspieler von Young Boys Bern soll bereits erklärt haben, zum HSV wechseln zu wollen. Allerdings wollen die Schweizer für den Offensivspieler, der in der vergangenen Saison in 34 Spielen elf Tore erzielte und acht weitere vorbereitete, rund fünf Millionen Euro Ablöse. Zu viel für den HSV.

Einnahmen erhofft sich der HSV durch Verkäufe von Filip Kostic, Albin Ekdal, André Hahn, Walace, Kyriakos Papadopoulos, Bobby Wood, Alen Halilovic oder Pierre-Michel Lasogga. Während Kostic und Ekdal durch ihre WM-Teilnahmen die ersten Wochen der Vorbereitung ohnehin verpassen und Walace sowie Mergim Mavraj auch weiterhin nicht mit den Profis trainieren werden, kehren die zuletzt verliehenen Lasogga und Halilovic – Stand jetzt – in die Mannschaft zurück. „Spieler mit laufenden Verträgen werden von mir entsprechend behandelt“, hatte Titz bereits nach dem Saisonfinale gesagt.

Entscheidungen muss Sportvorstand Ralf Becker in den kommenden Wochen also einige treffen. Keine leichte Aufgabe für den neuen Mann aus Kiel. „Aber einfach kann jeder“, sagte der Manager. Zusammen mit Titz wird Becker in dieser Woche die wichtigsten Bausteine des Personal-Puzzles besprechen. „Wir sind in der Kaderplanung für den jetzigen Zeitpunkt schon weit“, sagt Christian Titz.

Bis Freitag will der Trainer gemeinsam mit Becker alle Entscheidungen auf den Weg bringen. Dann hat das Warten für den Coach ein Ende – und er kann mit seiner Familie für zehn Tage in den Urlaub fliegen.