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Abstiegskampf: Hollerbach nimmt HSV-Profis 100 Minuten ran

Ex-HSVer René Adler entscheidet selbst über Aufstellung. Ehrenrat weist Beschwerde gegen Wahl Hoffmanns ab.

Null Toleranz – und kein Alkohol

Hamburg. Das vermutlich allerletzte "Endspiel" des HSV um den Klassenerhalt gegen die gleichfalls abstiegsbedrohten Mainzer am Sonnabend 815.30 Uhr) im Volksparkstadion ist nach der Randale und Pyrotechnik im Nordderby bei Werder Bremen bekanntlich ein Risikospiel. Die Fan-Gruppen werden von vornherein getrennt. Der Stadioneingang Süd-West werde nur für Mainzer Fans zugänglich sein und der Gästeblock auch nur über diesen Zugang erreichbar, hieß es am Dienstag. Darüber hinaus werde es im Stadion nur alkoholfreies Bier geben. Der Club stellt sich damit auf mögliche weitere Vorkommnisse ein. Finanzvorstand Frank Wettstein hatte bereits von einer „Null-Toleranz-Haltung“ seitens des HSV gesprochen.

So geht Abstiegskampf: 100 Minuten Training

Am Dienstag mussten die HSV-Profis am Vormittag bei Eiseskälte ungewöhnlich lange 100 Minuten auf dem Trainingsplatz verbringen. Es gab insgesamt auch zwei Einheiten, doch das ist nicht ungewöhnlich. Ersatztorhüter Julian Pollersbeck musste wegen seiner Grippe-Erkrankung erneut pausieren. Trainer Bernd Hollerbach denkt aber daran, Albin Ekdal möglicherweise gegen Mainz zu bringen.

Adler entscheidet selbst, ob er gegen den HSV spielt

Torhüter René Adler ist bei Mainz 05 rechtzeitig vor dem brisanten Duell der Abstiegskandidaten gegen seinen Ex-Club Hamburger SV ins Training zurückgekehrt. Eine schwere Sehnen- und Muskelverletzung hatte ihn in der Hinrunde außer Gefecht gesetzt, zuletzt litt er unter einem grippalen Infekt. Am Dienstag stand der 33-Jährige bei eisiger Kälte wieder auf dem Platz.

„Er muss sagen, wie er sich fühlt“, sagte Trainer Sandro Schwarz. Für ihn bleibt Adler trotz der positiven Entwicklung seines Stellvertreters Robin Zentner die Nummer eins zwischen den Pfosten: „Wenn beide bei 100 Prozent sind, spielt Adler.“

Neben Adler haben zwei weitere Mainzer eine hanseatische Vergangenheit: Nigel de Jong (2006 bis 2009) und Uwe-Seeler-Enkel Levin Öztunali (2006-2013). Ex-Nationaltorhüter Adler spielte fünf Jahre für den derzeitigen Tabellenvorletzten und hat manch kritische Situation im permanenten Abstiegskampf erlebt.

Training ohne vier

Nach dem Endspiel ist vor dem Endspiel: Am Dienstagmorgen hat der HSV die Vorbereitung auf das Abstiegsduell mit dem FSV Mainz (Sonnabend, 15.30 Uhr/Volksparkstadion, Liveticker auf Abendblatt.de) aufgenommen. Bei Eiseskälte versammelte Trainer Bernd Hollerbach die Mannschaft auf dem beheizten Rasen am Volkspark. Für den Nachmittag stand eine zweite Einheit auf dem Programm.

Nicht mit der Mannschaft trainieren konnten Rekonvaleszent Nicolai Müller, die angeschlagenen Albin Ekdal und Lewis Holtby sowie Tatsuya Ito, der am Montagabend für die zweite Mannschaft das Regionalliga-Spitzenspiel beim VfL Wolfsburg II (2:2) bestritten hatte.

HSV-Torjäger Knöll unterschreibt in Nürnberg

Törles Knöll hatte mit seinem 15. Saisontreffer der U21 des HSV den wertvollen Punkt und damit die Tabellenführung gesichert. Umso schmerzlicher, dass der HSV seinen 20 Jahre alten Toptorjäger nach zwei Jahren wieder verliert: Knöll wechselt ablösefrei zum Zweitliga-Tabellenführer 1. FC Nürnberg.

In Hamburg hatte Knöll keine Perspektive mehr gesehen – trotz der Perspektive Aufstieg in die Dritte Liga und seines Bundesligadebüts im Herbst beim Spiel in Hannover. "Ich hoffe, dass ich Hamburg mit einem Erfolgserlebnis verlassen werde und dann in Franken eine neue Entwicklungsstufe erreichen kann", sagte er anlässlich der Unterzeichnung seines Vertrags. Zu dessen Laufzeit machte der "Club" keine Angaben.

Ironie des Schicksals: Sehr wahrscheinlich hat sich Knöll sportlich sogar verbessert. Die Nürnberger stehen als Tabellenführer der Zweiten Bundesliga mit acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang vor dem Aufstieg, der HSV als Vorletzter der Bundesliga mit sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz vor dem Abstieg.

Letsch folgt auf Fink

Der Nachfolger von Thorsten Fink als Trainer von Austria Wien steht fest: Thomas Letsch übernimmt den 24-maligen österreichischen Meister. Der 49-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis zum Saisonende.

Die Austria hatte sich am Sonntag von Ex-HSV-Trainer Fink getrennt. Letsch wiederum wurde im August 2017 bei Erzgebirge Aue beurlaubt. Wie der sächsische Club mitteilte, wurde der ursprünglich bis 2020 geschlossene Vertrag mit dem Trainer mit sofortiger Wirkung aufgelöst.

HSV bezieht Trainingslager in der Stadt

Als auf der Pressestelle beim HSV am Montag immer öfter nachgefragt wurde, wohin es die Mannschaft denn nun ins angekündigte Kurztrainingslager ziehe, war die Sorge groß: „Am Ende heißt es dann wieder: Nicht mal das können sie ...!“ Und obwohl am Montagabend tatsächlich die befürchtete Absage eines echten Rettertrainingslagers kam, ist zumindest in diesem Fall dem HSV kein Vorwurf zu machen: Der Wintereinbruch ist schuld, die ländlichen Fußballplätze unbespielbar.

Ganz ohne „Camp der letzten Hoffnung“ wollte Hollerbach dann aber doch nicht. Am Donnerstag zieht der HSV-Tross zur Vorbereitung auf das Spiel gegen Mainz (Sonnabend, 15.30 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) für zwei Tage ins Steigenberger-Hotel Treudelberg nach Lemsahl-Mellingstedt in den Hamburger Norden. Trainiert wird nach wie vor im Volkspark. Zuvor war auch über ein Teamlager auf dem Vereinsgelände in Ochsenzoll diskutiert worden.

"Wir wollen uns bestmöglich und mit vollem Fokus auf das wichtige Spiel gegen Mainz 05 vorbereiten. Dazu soll auch diese Maßnahme beitragen", sagte Sportchef Jens Todt. Beim HSV gehört ein Kurz-Trainingslager nach jahrelangem Existenzkampf längst zum Standardprogramm. Malente, Rotenburg (Wümme), Barsinghausen: In den zurückliegenden Spielzeiten brachte solch ein Rettungscamp fernab des Trubels der Großstadt stets die (Last-Minute-)Wende zum Guten.

Bilder vom 108. Nordderby:

Hoffmann will Krall vorerst nicht ablösen

Während Neu-Trainer Bernd Hollerbach also auf Geschlossenheit setzt, ist auch Neu-Präsident Bernd Hoffmann darum bemüht. An diesem Dienstag (und nicht wie gestern berichtet am Montag) darf der Nachfolger Jens Meiers erstmals als geborenes Mitglied des Kontrollgremiums an einer Aufsichtsratssitzung teilnehmen. Und anders als ursprünglich geplant, soll Hoffmann keinesfalls mehr darauf pochen, den gerade erst gewählten Aufsichtsratschef Michael Krall abzulösen. Viel wichtiger als der Vorsitz ist Hoffmann, dass der neue Rat geschlossen hinter einem Neuanfang im Sommer steht.

HSV-Wahlsieger Hoffmann: "Einige werden sich wundern"
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Beschwerde wegen Hoffmann-Wahl

Bevor der frühere Vorstandschef allerdings große AG-Veränderungen initiieren kann, musste er sich zunächst noch einmal mit dem Vereins-Kleinklein auseinandersetzen. So hatte sich das umtriebige Vereinsmitglied Peter Gottschalk schriftlich beim Ehrenrat beschwert, dass Hoffmann seine Wahl als Präsident offiziell nie bestätigt hat. Doch bevor sich aus dem lauen Lüftchen ein Tornado entwickeln konnte, nahm Ehrenratsvorsitzender Kai Esselsgroth den Wind aus den Segeln. So habe Hoffmann die Wahl sehr wohl angenommen – nur nicht auf dem Podium per Mikrofon, sondern dezent im Vieraugengespräch. Zumindest dieser Sturm ist vorerst also vorbeigezogen.

Bilder der Präsidentenwahl:

HSV II holt Punkt in Wolfsburg

Die "Zwote" hat dem VfL Wolfsburg II in der Regionalliga Nord ein 2:2 (0:0)-Unentschieden abgetrotzt. Auf dem schneebedeckten Kunstrasenplatz in Wolfsburg trafen Debütant Arianit Ferati (50. Minute) und Torjäger Törles Knöll (63.) mit seinem 15. Saisontreffer für die Hamburger. Auch Profileihgabe Tatsuya Ito kam im Livespiel von Sport1 zum Einsatz. Murat Saglam (52.) und Marian Sarr (56.) waren für den „Wölfe“-Nachwuchs erfolgreich. Der HSV II bleibt punktgleich mit den Wolfsburgern Tabellenführer und hat zudem noch drei Spiele weniger absolviert.