Fussball

Kein Platz für Rechtsradikale im Hamburger SV

Peter Gottschalk wurde nach seiner Antragstellung durch E-Mails und Facebook-Nachrichten beschimpft und bedroht

Peter Gottschalk wurde nach seiner Antragstellung durch E-Mails und Facebook-Nachrichten beschimpft und bedroht

Foto: HA / HA / Mark Sandten

Peter Gottschalk, Vorsitzender des Seniorenrats, erläutert seinen Antrag, AfD-Mitglieder auszuschließen. Dafür wird er bedroht.

Hamburg.  Bevor am Sonntag das Präsidium auf der Mitgliederversammlung des HSV e.V. gewählt wird, gehört einem Mitglied die volle Aufmerksamkeit. Peter Gottschalk hat mit seinem Antrag IX, AfD-Mitglieder im Verein auszuschließen, schon im Vorfeld der Versammlung in der Bahrenfelder Kuppel bundesweite Diskussionen ausgelöst. „Ich bin überrascht, dass mein Antrag so hohe Wellen geschlagen hat“, sagt Gottschalk im Gespräch mit dem Abendblatt.

Bei der Abstimmung geht es dem langjährigen Vorsitzenden des Seniorenrats gar nicht primär darum, die Mehrheit zu erreichen und das Präsidium damit zum Handeln aufzufordern. Vielmehr will Gottschalk mit seinem Antrag auf ein gesellschaftspolitisches Thema aufmerksam machen. „Das Gedankengut von Radikalität darf sich nicht in den Verein einschleichen. Unsere Werte wie Toleranz, Fairness, Ablehnung von Rassismus und Diskriminierung sollen wieder an erster Stelle stehen“, sagt er.

Für seinen Antrag wurde er bedroht

Gottschalk will, dass diese Werte auch in der Satzung festgeschrieben werden. Dafür wäre allerdings ein Antrag für eine Satzungsänderung erforderlich gewesen. „Dafür war ich leider zu spät dran“, räumt Gottschalk ein. Der HSV weist wiederum darauf hin, dass diese Werte bereits im Leitbild des Vereins verankert sind. „Der HSV positioniert sich klar gegen Rassismus und jede Form der Diskriminierung. Sollten Mitglieder mit ihrem Handeln gegen diese Grundwerte verstoßen, gehen wir gegen ein solches Verhalten bis hin zu einem Ausschluss aus dem Verein konsequent vor“, sagt ein Sprecher des Vereins.

Für seinen Antrag ist Gottschalk durch E-Mails und Facebook-Nachrichten, die dem Abendblatt vorliegen, bedroht worden. Darin wird er unter anderem als „Faschist“ und „Verfassungsfeind“ beschimpft. Außerdem wurde der stellvertretende Landesvorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein für die Arbeitsgemeinschaft für Selbstständige (AGS) in einer Nachricht gefragt, ob er als nächstes Konzentrationslager oder Gaskammern plane. „Meine Frau sorgte sich daraufhin um unsere Sicherheit. Ich habe fünf Anzeigen wegen Hetzerei, Nötigung und Beleidigung erstattet und bin froh, dass die Polizei das Thema sehr ernst nimmt.“

AfD vergleicht Vorgang mit der Verfolgung von Juden

Gottschalks Antrag löste auch heftige Reaktionen von Vertretern der AfD aus. Für Alexander Wolf, Fraktionschef der rechtspopulistischen Partei in der Hamburgischen Bürgerschaft, ist es ein „seltsames Demokratieverständnis, Parteimitglieder zu stigmatisieren“. Bei Twitter verglich der Berliner Landesverband der AfD diesen Vorgang mit der Unterdrückung und Verfolgung der Juden im Dritten Reich.

Dieser Kommentar brachte bei Gottschalk, dessen Vater einst in einem Konzentrationslager gesessen hatte, schließlich „das Fass zum Überlaufen“. Er fordert einen Ausschluss von AfD-Mitgliedern aus dem Traditionsclub, weil er es für kein probates Mittel hält, mit Vertretern oder Mitgliedern der rechtspopulistischen Partei den Dialog zu suchen, um gemeinsame Lösungen zu finden. „Das hake ich unter Mutlosigkeit ab. Einen richtig gestandenen AfDler kriegt man nicht überzeugt. Wenn ich sofort beschimpft werde, habe ich gar nicht erst Interesse an einem Gespräch“, sagt Gottschalk, der folgerichtig auch ein Gesprächsangebot von Kay Gottschalk, stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD, ablehnte.

Angst, dass der Nazi-Hass zurückkehrt

Wie man in Sportvereinen mit AfD-Mitgliedern umgehen soll, wird in der Bundesliga nicht nur beim HSV diskutiert. Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer sagte vor Kurzem, dass es sich mit der Vereinssatzung nicht vertrage, die AfD zu wählen. Für seinen Vorstoß erhielt Fischer auf der Mitgliederversammlung große Zustimmung.

Über ein ähnliches Echo würde sich auch Peter Gottschalk freuen. Laut eigener Aussage erfuhr er von zahlreichen HSV-Mitgliedern eine überwiegende Zustimmung. Andere, wie zum Beispiel der Ehrenratsvorsitzende Kai Esselsgroth, baten ihn hingegen, den Antrag zurückzuziehen. „Einige haben Angst, dass mein Antrag den Ablauf der Mitgliederversammlung gefährdet, weil Unruhe entstehen und die Präsidentschaftswahl nicht ordnungsgemäß stattfinden könnte“, sagt Gottschalk, der dieser Sorge entgegnet: „Wenn ich den Antrag zurückziehe, haben wir erst richtig Turbulenzen, dann würden wir die Rechtsradikalen stärken.“

Gottschalk ist es deshalb wichtig, am Sonntag zu den Mitgliedern zu sprechen. „Ich habe Ängste, dass der vom NS-Regime geprägte Hass zurückkehrt.“ Dieses Szenario will er mit aller Macht verhindern.