Ex-HSV-Profi kehrt zurück

Gregoritsch: Darum habe ich den HSV verlassen

Gregoritsch (23) traf in der vergangenen Saison fünfmal für den HSV

Gregoritsch (23) traf in der vergangenen Saison fünfmal für den HSV

Foto: imago/Christian Schroedter

Der Österreicher spielt mit dem FC Augsburg gleich zum Auftakt bei seinem Ex-Club vor – Gespräch mit Gisdol forcierte Wechselwunsch.

Hamburg/Augsburg.  Michael Gregoritsch hat ein Problem. „Das Einzige, was hier in Augsburg fehlt“, sagt der Österreicher am Telefon, „ist ein Nachfolger für mein Lieblingscafé Elbgold. Den muss ich noch finden.“ Abgesehen vom Lieblingscafé im Schanzenviertel ist der 23-Jährige aber rundum zufrieden: „Es passt alles für mich. Ich habe direkt eine neue Wohnung gefunden, die Mannschaft hat mich gut aufgenommen, ich fühle mich gut.“

Wohnung gut, Mannschaft gut, alles gut. Ganz so einfach ist der Dreisatz für den früheren HSVer, der direkt am ersten Spieltag (Sa., 15.30 Uhr im Abendblatt-Liveticker) mit seinem neuen Verein beim alten Club antreten muss, dann aber doch nicht. Denn wie seine früheren Kollegen hat auch Gregoritsch mit dem FCA das erste Pflichtspiel der Saison im Pokal verloren. „Leider haben wir ja beide Mist gebaut: wir in Magdeburg, der HSV in Osnabrück“, sagt der Offensivallrounder zerknirscht.

Einen Unterschied erkannte Gregoritsch aber erst am Tag danach. „Bei uns konnten wir am nächsten Tag in Ruhe die Pleite aufarbeiten. Das dürfte in Hamburg schwieriger gewesen sein. Ich habe gehört, dass beim HSV-Training am Montag zehn Kamerateams waren. Bei uns war kein einziger Journalist.“

Gregoritsch: „...dann wäre ich geblieben“

Dass seine Auswärtspremiere im Volkspark feiern wird, hat vor allem mit einem Vier-Augen-Gespräch mit HSV-Trainer Markus Gisdol zu tun. „Ich hatte dann zu Anfang der Vorbereitung ein sehr gutes Gespräch mit dem Trainer. Er hat mir ehrlich gesagt, dass es natürlich nur an mir liegen würde, dass er mir aber Stand jetzt nicht mehr Spielzeit anbieten könnte. Das war sehr ehrlich und gut, weil es unbefriedigend gewesen wäre, wenn ich durch falsche Versprechungen beim HSV geblieben wäre. Hätte mir der Trainer signalisiert, dass es in diesem Jahr anders laufen könnte, wäre ich wohl geblieben. So war im Endeffekt für mich klar, dass ich meine Chance woanders suchen muss.“

Freiburg klopfte an, Mainz, Köln und schließlich Augsburg. 5,5 Millionen Euro sollen die Schwaben überwiesen haben. „Am Ende hat für mich – und wahrscheinlich auch für den HSV – mehr für einen Wechsel gesprochen.“

Gregoritsch blickt positiv zurück

Bleibt eine zentrale Frage: Warum wollte ausgerechnet der Mann das Weite suchen, der seit seinem Wechsel vor zwei Jahren aus Hoffenheim nach Nicolai Müller mit zehn Treffern am zweitmeisten HSV-Tore erzielt hat? „Ich muss ehrlich sagen: Ich hätte mir gewünscht, dass man mir von allen Seiten ein bisschen mehr Vertrauen entgegen bringt.“ Was Gregoritsch meint, aber nicht sagt: Obwohl das Gute oft so nah ist, sucht der HSV sein Glück doch meistens in der Ferne. Was Gregoritsch sagt und auch so meint: „Beim eigenen Spieler erkennt man oft nur die Schwächen, beim neuen Spieler sieht man häufiger nur die Stärken.“

Die These ist weder gewagt noch neu, Beispiele hat es zuhauf gegeben. „In der jüngeren Vergangenheit fallen mir drei krasse Beispiele ein, wo der HSV eben nicht auf die eigenen jungen Leute gesetzt hat, diese dann aber woanders durch die Decke gegangen sind“, sagt Gregoritsch. „Mir fallen da Kerem Demirbay, Jonathan Tah und Tomas Rincon ein.“ Demirbay und Tah sind mittlerweile A-Nationalspieler, Rincon stand vor ein paar Monaten mit Juve im Champions-League-Finale.

„Es gibt keine Garantie, dass man automatisch besser wird, wenn man den HSV verlässt“, sagt Gregoritsch. Es gibt aber vor allem keine Garantie, dass man besser wird, wenn man beim HSV bleibt. Und trotzdem ist er sich sicher: „Die zwei Jahre in Hamburg waren sehr gut für meine Entwicklung. Mir hat die HSV-Erfahrung gutgetan.“

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Video: abendblatttv