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Bruchhagen wehrt sich gegen Kühne-Kritik an Club-Führung

HSV-Chef Bruchhagen kontert die Kühne-Kritik
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Investor wirft den HSV-Bossen vor, Müllers Vertrag nicht verlängert zu haben. Auch Gisdol hat reagiert. Hans Sarpei attackiert Kühne.

Hamburg. HSV-Chef Heribert Bruchhagen hat die Kritik von Investor Klaus-Michael Kühne an der Führung des Clubs zurückgewiesen. "Herr Kühne ist ein extrem erfolgreicher Geschäftsmann, der es gewohnt ist, schnelle Entscheidungen zu treffen", sagte Bruchhagen (68) am Donnerstag in einer Presserunde, "aber es stellen sich ihm auch nicht alle Dinge dar, die man beachten musss. Manchmal sind die Dinge viel komplizierter." Sportchef Jens Todt und er müssten bei Vertragsverhandlungen mit Spielern das tun, was "für die Gesamtbetrachtung des HSV richtig" sei, und die Folgen im Blick haben. Das Gehaltsgefüge der Mannschaft dürfe nicht für einzelne Spieler gesprengt werden.

Investor Klaus-Michael Kühne hatte Sportchef Jens Todt dafür kritisiert, dass er die von ihm angeregte Vertragsverlängerung mit Topscorer Nicolai Müller über 2018 hinaus aus finanziellen Gründen nicht vollzogen habe. „Da glaube ich, ist die HSV-Führung auf der falschen Chaussee. Da ist sie nicht so kraftvoll und entscheidungsfreudig, wie ich mir das wünsche. Da gibt es schon eine deutliche Distanz in meiner Auffassung zu der, wie es wirklich praktiziert wird“, monierte der Milliardär, der 17 Prozent Anteile an der HSV Fußball AG hält, im TV-Sender Sky.

Kühne: Vertrag von Müller soll verlängert werden

„Ich sage immer wieder meine Wünsche. Zu diesen Wünschen gehört auch ganz besonders, dass der Vertrag von Nicolai Müller verlängert wird“, meinte Kühne. Der Club hatte dem Außenbahnspieler, der in der vorigen Saison mit fünf Treffern und sieben Torvorlagen maßgeblichen Anteil am Klassenverbleib hatte, ein „gutes Angebot“ (Todt) zur vorzeitigen Verlängerung gemacht, Müller brach die Verhandlungen aber ab. „Ich glaube, man war kurz davor und hat dann wieder gezuckt. Da muss ich sagen, bin ich überhaupt nicht einverstanden“, kritisierte Kühne.

Er habe sich vor einer Woche mit Müller unterhalten. „Ich habe herausgefunden, er möchte sehr gerne in Hamburg bleiben. Ich habe herausgefunden, die Spanne, die dort zu überbrücken ist, ist nicht so groß“, berichtete der 80-Jährige. Dem Verein habe er dann gesagt, „macht den Sack zu. Macht es vor Beginn der Saison, handelt schnell, und lasst es nicht zu einer Zitterpartie werden. Aber da komme ich nicht an“, betonte Kühne.

Sarpei attackiert Kühne scharf

Der ehemalige Kult-Fußballer Hans Sarpei hat derweil den Unternehmer scharf attackiert. "Lieber Herr Kühne, Sie sind das Problem des HSV. Es ist ein Schande, wie es Ihnen Jahr für Jahr gelingt, vor dem Saisonstart den HSV-Trainer oder die Führung zu degradieren", schrieb der Ex-Profi von Schalke 04 bei Facebook. "Sie sind kein Fan des HSV, sondern dessen natürlicher Feind. Ohne Ihre vergifteten Millionen wäre der HSV vermutlich schon längst viel weiter, als er es "dank" Ihnen ist."

Und weiter: "Schämen Sie sich. Ziehen Sie sich zurück. Den HSV wird es auch ohne Sie geben. Einen wiedererstarkten HSV vermutlich nur ohne Sie."

Gisdol findet Kritik "nicht schlimm"

Nach der blamablen 1:3-Pokalniederlage in Osnabrück am vergangenen Sonntag hatte Kühne zudem Trainer Markus Gisdol aufgefordert, mehr mit der Mannschaft zu arbeiten, um sie zu einer Einheit zu formen und junge Spieler weiterzuentwickeln. Bruchhagen zeigte am Donnerstag Verständnis für Kühnes Kritik: "Er ist mit dem Herzen dabei und äußert seine Wünsche." Er selbst habe in den drei Tagen nach dem Spiel kein Gespräch entgegengenommen, "weil ich sonst möglicherweise zu ähnlichen Aussagen gekommen wäre wie Herr Kühne.

Überrascht worden sei er durch die Äußerungen nicht. Bruchhagen: "Ich habe den Vorteil, dass Herr Kühne diese Kritik auch mir gegenüber schon vorgetragen hat. Wir wissen damit umzugehen." Gisdol selbst zeigte sich an seinem 48. Geburtstag gelassen: "Ich verstehe seinen Ärger, seine Sorgen und seine Wünsche. Er ist genauso verärgert und entttäuscht wie wir. Das ist okay. Die Äüßerungen empfinde ich weder als Kritik noch als schlimm. Ich spüre nicht den Ansatz, dass ich nicht den Rückhalt von Herrn Kühne habe."

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