HSV-Splitter

Gisdol sendet eine deutliche Mahnung an das Vereinsumfeld

HSV schickt eigene Kräfte in Metronom-Züge nach Bremen. Sakai: "Wir spielen auch für Dortmund." Interesse an Zweitliga-Keepern.

Gisdol findet mahnende Worte

Markus Gisdol hat die Arbeit beim HSV trotz zuletzt vier Siegen aus sechs Partien als schwierig bewertet. "Manche Probleme sind hausgemacht. An manchen Stellen erlebt man noch immer eine Erwartungshaltung, die aktuell einfach nicht gerechtfertigt ist“, betonte der Coach in einem Interview des "Kicker“ (Donnerstag).

"Es wird immer wieder über das Potenzial dieses Clubs geredet, es werden Luftschlösser gebaut, die Erwartungen schüren, die dann erdrückend sind“, erklärte der seit dem 26. September 2016 im Amt befindliche frühere Hoffenheim-Trainer. "Ich empfehle deshalb eine gesunde Gelassenheit und wünsche mir ein gutes Gespür des Umfelds für die Realität.“

HSV schickt Personal in Metronom-Züge

Der HSV wird die private Eisenbahngesellschaft Metronom rund um das Nordderby bei Werder Bremen am Ostersonntag (15.30 Uhr/Sky) mit 60 Kräften seines Sicherheitspartners ("Power") unterstützen. In der Vergangenheit war es in den Zügen zu Ausschreitungen gekommen.

"Gerade nach den erschreckenden Ereignissen in Dortmund ist es wichtig, sich an die Regeln zu halten: keine Gewalt gegen unsere Fahrzeuge, Mitarbeiter oder anderen Fahrgäste", heißt es in einer Pressemitteilung des Bahnunternehmens: "Damit zeigen die Fans Respekt, Größe und sorgen dafür, dass alle das Spiel in Bremen sehen können."

Die enge Zusammenarbeit mit dem HSV sei "wegweisend", sagte Metronom-Sprecher Björn Pamperin: "Das Sicherheitskonzept wurde im Rahmen der stetigen Zusammenarbeit von Metronom zusammen mit dem HSV und der Bundespolizei zum Thema "Fanreiseverkehr" erarbeitet."

Viel los am Bremer Hauptbahnhof

Auch die Deutsche Bahn und die Bremer Bundespolizei treffen eine Vielzahl von Vorkehrungen für einen friedlichen und reibungslosen Ablauf des Nordderbys. Wegen Bauarbeiten im Bremer Hauptbahnhof stehen nicht alle Gleise zur Verfügung. Außerdem findet auf der Bürgerweide das Volksfest "Osterwiese" statt, bei der ebenfalls mehrere Tausend Besucher per Bahn an- und abreisen. Daher wird vor allem zwischen 17.30 und 20 Uhr erheblicher Personenverkehr im Hauptbahnhof erwartet. Ein Durchgang zur "Osterwiese" wird nicht möglich sein.

Die Bundespolizei bittet alle Nutzer des Bremer Hauptbahnhofs, sich am Ostersonntag auf Verzögerungen und Stauungen einzustellen und sich rechtzeitig zu den geplanten Abfahrtszeiten ihrer Züge einzufinden. Die Besucher der "Osterwiese" werden gebeten, die Bürgerweide am Sonntagabend aus der Innenstadt über den Gustav-Deetjen-Tunnel zu erreichen und zu verlassen.

Sicherheitsvorkehrungen werden "überprüft"

Ob der HSV nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am Dienstagabend auch im Umfeld seiner eigenen Mannschaft die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, ist unklar. Vorstand Frank Wettstein hielt sich am Mittwoch bedeckt: "Wir überprüfen regelmäßig unsere sicherheitsrelevanten Abläufe, auch aufgrund der aktuellen Ereignisse." Zu einzelnen Fragen werde man keine Auskünfte erteilen.

Der HSV hatte sich noch am Dienstagabend mit dem Bundesliga-Konkurrenten via Twitter solidarisiert.

Todt wirbt für Normalität

HSV-Sportchef Jens Todt will sich vom Sprengstoffanschlag auf den BVB-Bus nicht einschüchtern lassen. "Wir wissen alle, dass es keine absolute Sicherheit gibt. Das Beste, was wir tun können, ist normal weiterzuleben und uns nicht einschüchtern lassen", sagte Todt dem SID. Verstärkte Sicherungsvorkehrungen rund um Bundesliga-Spiele hält er zukünftig aber für "denkbar, überhaupt keine Frage".

Die Vorkommnisse von Dienstagabend seien "absolut schockierend, erschreckend. Wir sind in Gedanken bei unseren Dortmunder Kollegen", sagte Todt. Vor dem Nordderby steige er aber ohne Angst in den Teambus. "Absolut. Wir lassen uns nicht von Einzeltätern oder Gruppen einschüchtern, die Terror verbreiten wollen. Das wird nicht passieren", sagte Todt.

Sakai: "Wir spielen auch für Dortmund"

HSV-Kapitän Gotoku Sakai zeigte sich von den Ereignissen in Dortmund getroffen. "Ich war schockiert und hoffe, dass Dortmund und Marc Bartra sich schnell erholen", sagte der Japaner.

Jeder beim HSV habe vor dem Nordderby in Bremen am Ostersonntag den Anschlag im Hinterkopf. Aber die Mannschaft habe es schon nach den Anschlägen von Paris und der Absage des Länderspiels in Hannover im November 2015 verstanden, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren. Damals siegte der HSV 3:1 gegen Dortmund.

"Wir spielen nicht nur für uns, sondern auch für Dortmund und Marc Bartra", sagte Sakai. Bei aller Rivalität: "Als Fußballer sind wir alle eine Familie."

HSV hat zwei Adler-Nachfolger im Visier

Der HSV bereitet sich offenbar auf eine Zukunft ohne Torhüter René Adler vor. Laut "Sport-Bild" hat der Club zwei Alternativen im Visier: Manuel Riemann (28) vom VfL Bochum und Julian Pollersbeck (22) vom 1. FC Kaiserslautern. In beiden Fällen wäre allerdings wohl eine beträchtliche Ablöse fällig. Sowohl Riemann als auch Pollersbeck sind noch bis 2020 vertraglich gebunden.

Adlers Vertrag läuft am Saisonende aus. Der HSV würde sein Gehalt in Höhe von 2,7 Millionen Euro gern deutlich reduzieren, Adler (32) ist dazu offenbar nicht bereit.

Wood fehlt im Training

Ohne Bobby Wood hat der HSV am Mittwochvormittag das Training aufgenommen. Der Stürmer hatte schon am Dienstag ausgesetzt. Angeblich eine Vorsichtsmaßnahme: Die Belastung solle dosiert werden.

Wood sieht seinem ersten Nordderby am Ostersonntag (15.30 Uhr) bei Werder Bremen mit großer Vorfreude entgegen: "Ein geiles Spiel für Hamburg. Es ist das größte Spiel des Jahres", sagte der US-Amerikaner.

Wood hat für den HSV in dieser Saison bereits neun Pflichtspieltore erzielt. In der Hinrunde war er gegen Bremen gesperrt. Er trainierte wie der für das Nordderby Gelb-gesperrte Kyriakos Papadopoulos individuell.

Arp und Behounek trainieren mit

Statt Wood durfte Sturmtalent Jann-Fiete Arp im Training bei den Profis mitmachen. Der 17-Jährige aus der A-Junioren-Bundesliga-Mannschaft des HSV durfte zuletzt die deutsche U-17-Auswahl in der EM-Qualifikation gegen die Türkei aufs Feld führen und traf zweimal.

Auch Arps A-Jugend-Kollege Jonas Behounek (18) mischte im Training mit. Der Rechtsverteidiger ist bereits achtmal für die zweite Mannschaft des HSV in der Regionalliga aufgelaufen.

Djourou pausiert weiter

Weiterhin fehlt im Training Johan Djourou aufgrund seiner muskulären Probleme im Oberschenkel. Der Ex-Kapitän steht nach seiner harschen Kritik an Trainer Markus Gisdol beim HSV vor dem Aus. In einem Tweet am Dienstag sprach Djourou von einem Tiefpunkt.

Am Nachmittag wird noch einmal trainiert, dann allerdings im Kraftraum.

Zwei HSV-Talente in DFB-U-19 berufen

U-19-Bundestrainer Frank Kramer hat die Offensivspieler Mats Köhlert und Christian Stark aus der U21 des HSV für das Länderspiel am Ostermontag (18 Uhr/Eurosport) in Lübeck gegen Dänemark nominiert. Beide können sich somit Hoffnungen machen, bei der EM im Juli in Georgien zum Kader zu gehören.

Nouri lobt Hunt und den HSV

Für Werder Bremens Trainer Alexander Nouri ist das Nordderby gegen den Hamburger SV am Ostersonntag (15.30 Uhr/Sky) etwas "ganz Besonderes". Es gehe dabei jedoch weniger um die Historie als um die aktuelle Brisanz, sagte der 37-Jährige im Interview mit der "Hamburger Morgenpost": "Beide Teams kämpfen noch um den Klassenerhalt. Und außerdem wollen wir am Ende der Saison unbedingt vor dem HSV liegen."

Vor dem Rivalen von der Elbe mit dem formstarken Ex-Werder-Profi Aaron Hunt hat der Werder-Coach durchaus Respekt. "Er ist in einer sehr guten Verfassung und bringt eine unheimlich große Qualität mit. Aber das gilt zurzeit für die gesamte Mannschaft des HSV." Dennoch ist Nouri überzeugt, das Spiel gewinnen zu können: "Wer daran zweifelt, kann auch direkt auf der Couch bleiben."