HSV-Splitter

Quintett verschwindet zur neuen Saison vom HSV-Jet

Selfie mit Jet: Michael Gregoritsch, Nicolai Müller, Filip Kostic, Bobby Wood und Gotoku Sakai (v.l.n.r.) vor der neuen HSV-Maschine

Selfie mit Jet: Michael Gregoritsch, Nicolai Müller, Filip Kostic, Bobby Wood und Gotoku Sakai (v.l.n.r.) vor der neuen HSV-Maschine

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Sakai und Müller witzeln. Werders Personallage entspannt sich. Gewaltwarnung vor Derby. Jung mischt wieder mit. Neuer Job für Fink?

Gnabry meldet sich fit fürs Nordderby

Serge Gnabry, Lamine Sané und Philipp Bargfrede sind bei Werder Bremen vor dem Nord-Derby gegen den HSV wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Das Trio stand bei der ersten Einheit in dieser Woche auf dem Platz. „Ich habe in der vergangenen Woche hart dafür gearbeitet und dabei keine Beschwerden oder Rückschläge gehabt“, sagte Gnabry, der zuletzt wegen muskulärer Probleme pausiert hatte. „Ich freue mich riesig auf das Nordderby und hoffe, dass ich dabei sein kann.“ Auch Sané und Bargfrede hoffen im brisanten Duell am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und im Abendblatt-Liveticker) auf einen Einsatz.

Neuer HSV-Jet gelandet

Da staunten die Passagiere am Hamburger Flughafen nicht schlecht: Um kurz nach 14 Uhr setzte am Dienstag eine Boeing 777 des HSV-Sponsors Emirates auf – komplett im Zeichen des Bundesliga-Dinos. Links neben der vorderen Eingangstür des Jets ist die Raute aufgedruckt, am Heck des Jets stürmen beidseitig auf einer Gesamtfläche von 160 Quadratmetern fünf überlebensgroße HSV-Profis den Passagieren entgegen: Michael Gregoritsch, Gotoku Sakai, Filip Kostic, Bobby Wood und Nicolai Müller. Letzterer hielt den Augenblick der Landung auch gleich filmisch fest. "Ich bin schon ein bisschen stolz, jetzt auf einem Flugzeug durch die Welt zu fliegen", sagte der derzeit verletzte Müller. Und (Fußball-)Kapitän Sakai ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Das ist eine coole Sache. Vielleicht werde ich jetzt noch bekannter."

Das Quintett war eigens mit dem Mannschaftsbus zum Flughafen gefahren, um auf dem Rollfeld der Landung beizuwohnen. Die Maschine war am Morgen in Dubai gestartet. Volker Greiner, Emirates-Chef für Mittel- und Nordeuropa, hatte die Aktion am Rande des Bundesligaspiels HSV gegen SC Freiburg im Gespräch mit dem Abendblatt angekündigt. Die Maschine soll im Linienbetrieb global zu mehr als 100 Zielen, aber auch auf der Strecke Hamburg–Dubai eingesetzt werden, die das Unternehmen seit elf Jahren im Flugplan hat.

Es ist das zweite Mal, dass Emirates eine Boeing 777 in den Farben des HSV lackiert hat. Seit Mai 2016 gibt es bereits eine Maschine gleichen Typs, die Matthias Ostrzolek, Albin Ekdal, Dennis Diekmeier, Johan Djourou, Lewis Holtby und Pierre-Michel Lasogga beim Dribbeln und Schießen zeigt. Die Fluglinie des Golfstaates ist seit 2006 Trikotsponsor des HSV und damit der langjährigste Hauptsponsor des Bundesliga-Gründungsmitglieds.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es für die Aktion allerdings: Bis zur ersten Augustwoche 2017 soll der spezielle HSV-Lack schon wieder ab sein. Als Trostpflaster können Fans in den HSV-Shops demnächst ein Modell des Jets im Maßstab 1:200 erwerben.

So gelangte das HSV-Motiv auf das Flugzeug:

Jung steigt wieder ein, Djourou bleibt draußen

Dienstag, 10 Uhr am Volkspark. Auftakt zu einer ganz normalen HSV-Trainingswoche? Nicht ganz: Am Ostersonntag steht bekanntlich das Nordderby bei Werder Bremen an. Und eine der spannendsten Frage im Vorwege ist: Wer wird den Gelb-gesperrten Kyriakos Papadopoulos in der Hamburger Innenverteidigung ersetzen?

Bilder vom Training:

Die Vorentscheidung dürfte bereits gefallen sein. Während Ex-Kapitän Johan Djourou wegen muskulärer Probleme weiterhin pausiert und nur eine Laufeinheit absolvierte, mischte Gideon Jung nach seinen Oberschenkelproblemen bei launenhaftem Aprilwetter wieder bei der Mannschaft mit – "vorsichtig", wie der HSV betonte. Der U-21-Nationalspieler sei aber "auf einem guten Weg, am Wochenende wieder zur Verfügung zu stehen". Papadopoulos selbst trainierte übrigens wie Bobby Wood und Kapitän Gotoku Sakai individuell im Kraftraum.

Fink vor Rückkehr nach Basel

Der ehemalige HSV-Trainer Thorsten Fink (49) wird als kommender Coach des designierten Schweizer Meisters FC Basel gehandelt. Laut der Zeitung "Blick" befindet sich Fink, der zurzeit den österreichischen Tabellenvierten Austria Wien betreut (Vertrag bis 2019), beim Rennen um die Nachfolge des mit Saisonende scheidenden Urs Fischer "in der Poleposition".

Bei Finks derzeitigem Arbeitgeber will man davon jedoch nichts wissen. "Uns liegt keine Anfrage vor", sagte ein Sprecher der Wiener Austria der "Kronen-Zeitung".

Fink war zwischen 2009 und 2011 schon einmal als Coach beim FC Basel tätig und gewann mit dem Club zwei Meister- sowie einen Pokaltitel. Anschließend heuerte der frühere Bayern-München-Profi für knapp zwei Jahre beim HSV an.

Kirche kritisiert Derby-Ansetzung

Uwe Köster, Vorsitzender der Konferenz Evangelischer Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer, hat die Ansetzung des brisanten Nordderbys am Ostersonntag scharf kritisiert. Das bedeute für besonders viele Einsatzkräfte einen langen Arbeitstag und zeuge von wenig Fingerspitzengefühl bei den Planern der Deutschen Fußball-Liga. "Gesellschaftliche Verantwortung, die der Sport hat, geht anders", sagte Köster dem Evangelischen Pressedienst.

Allein in Bremen seien mehr als 1000 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, die gern mit ihren Familien Ostern gefeiert hätten, sagte der Bremer Polizeiseelsorger. "Zumal der Einsatz mit dem Spiel ja nicht zu Ende ist. Dann beginnt die dritte Halbzeit, wenn die Fans abreisen." Und auch schon bei der Anreise müssten Sicherheitskräfte auf Bahnhöfen und in Zügen präsent sein.

Polizei warnt vor Gewalt

Die Polizei Bremen stuft das Nordderby "aufgrund der großen Rivalität untereinander und den Erfahrungen aus den vergangenen Jahren" als Hochrisikospiel ein. Sie rechnet mit etwa 600 gewaltbereiten oder gewaltgeneigten Anhängern aus dem Umfeld beider Vereine.

Das Stadtamt Bremen hat zur Verhinderung von Gewalttaten und sonstigen Störungen ein Fanmarschverbot erlassen. Da viele Gäste die Bahn nutzen werden, müssten sich Reisende am Sonntag von etwa 11 Uhr an im Bereich des Hauptbahnhofes auf Verzögerungen einstellen.

Alle Fans werden noch einmal darauf hingewiesen, dass am Spieltag im Metronom-Bahnverkehr striktes Alkoholkonsumverbot gilt. Auch dürfen Glasflaschen und Dosen, pyrotechnische Erzeugnisse und Vermummungsutensilien nicht mitgeführt werden. Das Verbot gilt auch am Hamburger und am Bremer Hauptbahnhof sowie für alle Unterwegsbahnhöfe.

Westermann glaubt an Klassenerhalt

Ex-HSV-Profi Heiko Westermann sieht die Entwicklung des HSV positiv. "Ich verfolge den Weg des HSV mit großer Freude", sagte der 33-Jährige, der seit dieser Saison für Ajax Amsterdam spielt, der Deutschen Presse-Agentur. "Sie haben eine Wahnsinnsentwicklung genommen. Beim HSV muss man zwar immer vorsichtig sein, aber wenn man die Leistungskurve sieht, bin ich schon sicher, dass sie in der Liga bleiben werden."

Seine eigene Situation ist weniger erfreulich. „Zurzeit ist es schwierig für mich“, sagte Westermann (33): „Die anderen machen ihre Sache super. Von daher hat der Trainer keine Not, etwas zu ändern.“ Immerhin rechnet er damit, im Hinspiel des Europa-League-Viertelfinales am Donnerstag (21.05 Uhr/Sport1 und Sky) gegen seinen langjährigen Verein Schalke 04 zum Aufgebot zu gehören. „Man weiß nie. Aber im Kader stand ich bisher immer“, sagte "HW4", der nach seinem Wechsel von Schalke 2010 fünf Jahre in Hamburg spielte.

Im Kalenderjahr 2017 kam Westermann bisher nur für vier Pflichtspielminuten zum Einsatz. Ein Wechsel im Sommer ist für ihn aktuell aber kein Thema. Auch in Richtung einer Rückkehr in die Bundesliga gebe es „im Moment keine Gedanken“, versicherte er: „Aber man soll niemals nie sagen, das habe ich im Fußball gelernt.“

Todts positive Zwischenbilanz

Für den HSV-Sportchef und früheren Werder-Profi Jens Todt wäre ein Hamburger Sieg im Derby "überragend. Jeder weiß, was diese Spiele gerade für die Fans bedeuten", sagte der 47-Jährige der "Hamburger Morgenpost". Die Bremer Erfolgsserie nötigt ihm allerdings Respekt ab. Und er sieht Parallelen zu seinem neuen Club: "Wie bei uns gibt es dort einen großen Zusammenhalt mit den Fans."

Am meisten freue ihn, dass es diesmal kein Kellerderby ist, in dem es nur gegen den Abstieg gehe. "Das war in den vergangenen jahren oft anders", sagte Todt, der als Spieler nie ein Nordderby gewinnen konnte.

Am Sonntag ist er genau 100 Tage beim HSV im Amt – und zieht eine positive sportliche Zwischenbilanz: "Mittlerweile sind die Auftritte viel stabiler, und auch spielerisch wird es immer besser. Es war extrem intensiv bislang. Aber es hat auch einen Riesenspaß gemacht."

Mit Power nach Bremen

Nordderby – das bedeutet immer auch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Der HSV schickt 110 eigene Ordnungskräfte vom Dienstleister Power nach Bremen. Etwa die Hälfte von ihnen begleiten die Fans bei der Anreise im Zug.

Pagelsdorf sieht große Fortschritte

Frank Pagelsdorf, 1997 bis 2001, Trainer des HSV, stellt seinem früheren Club ein ausgezeichnetes Zwischenzeugnis aus. Er sein "begeistert", wie Trainer Markus Gisdol "es in der sehr unruhigen Phase geschafft hat, totale Ruhe zu bewahren", sagte Pagelsdorf (59) der "Bild"-Zeitung. Unter Gisdol habe die Mannschaft ihren Spielstil deutlich verbessert und spiele durch das Pressing einen mutigeren Fußball. Zudem habe Gisdol bei Personalentscheidungen wie dem Rauswurf von Emir Spahic, der Absetzung von Johan Djourou als Kapitän und der Verbannung von Pierre-Michel Lasogga auf die Bank Standfestigkeit bewiesen.

Positiv äußerte sich Pagelsdorf auch über Vorstandschef Heribert Bruchhagen ("Er kann in Hamburg viel bewegen") und Sportchef Jens Todt ("Er prescht nicht gleich offensiv nach vorn und bringt inzwischen auch Erfahrung mit"). Für die Zukunft wünscht sich Pagelsdorf, der sich mit Tennis und Fitness in Form hält, dass der HSV "seine Ziele mutiger formuliert. Das Saisonziel sollte auf einem Niveau mit dem Etat liegen".