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Der griechische Patient: Darum holt der HSV Papadopoulos

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Kai Schiller
Am Boden? Nur kurz: Kyriakos Papadopoulos

Am Boden? Nur kurz: Kyriakos Papadopoulos

Foto: imago sport / imago/Contrast

Zwei Millionen Euro beträgt das Transfer-Volumen, Investor Kühne springt ein. Papadopoulos hat einen prominenten Fürsprecher.

Hamburg. In Leipzig, so viel steht seit Sonntag fest, könnte die Bundesliga lieber heute als morgen wieder starten. 4:0 fertigte RB den schottischen Rekordmeister Glasgow Rangers ab. Es war ein echtes Spektakel. 18.780 Zuschauer waren gekommen, darunter 8000 Fans aus Glasgow. Nur einer fehlte im Stadion: Kyriakos Papadopoulos.

Papa ante Portas. Hamburg statt Leipzig heißt die Devise. Bereits an diesem Montag wird Papadopoulos im Hotel Elysée einchecken, anschließend einen Vertrag bis zum Saisonende in Hamburg unterschreiben. Die Rahmendaten von Jens Todts erstem Wintertransfer: Der HSV übernimmt den Leihkontrakt von RB, zahlt einen geringen Teil der bereits geflossenen Leihgebühr von 1,5 Millionen Euro an Bayer Leverkusen und übernimmt das Restgehalt von 1,5 Millionen Euro bis zum Saisonende. Alles in allem dürfte der 1,85 Meter große Grieche den HSV gut zwei Millionen Euro bis zum Ende der Saison kosten, wobei Investor Klaus-Michael Kühne bei der Finanzierung helfen soll.

Felix Magath über Papadopoulos

Bleibt die Frage, warum Trainer Markus Gisdol, der Papadopoulos 2011 bis 2012 auf Schalke trainierte, den verletzungsanfälligen Innenverteidiger unbedingt haben will. Die Antwort kennt ein anderer Ex-Schalker: „Papa ist ein Kämpfer, jemand, der sich immer voll reinhängt“, lobt Felix Magath im Gespräch mit dem Abendblatt. Der frühere Hamburger hatte Papadopoulos 2010 nach Schalke geholt, ihn zum ersten Mal am 21. August in der Bundesliga spielen lassen – gegen den HSV.

„Er hat ein gutes Stellungsspiel, ist antrittsschnell, zweikampf- und kopfballstark. Einen gepflegten Pass ins Mittelfeld darf man auch erwarten, bei Schalke hat er auch im defensiven Mittelfeld gespielt“, sagt Magath, dem nur eine Einschränkung einfällt: „Er ist eine Verstärkung für den HSV, wenn er fit ist.“

Die Krankenakte ist lang

Wenn. Er. Fit. Ist. Und genau an dieser Stelle wird die Geschichte kompliziert. Denn fit war Papadopoulos in seiner Zeit in der Bundesliga leider höchst selten. So pausierte der Abwehrallrounder in Gelsenkirchen (2010 bis 2014), Leverkusen (2014 bis 2016) und Leipzig (2016/17) wegen verschiedener Verletzungen an insgesamt 850 Tagen, verpasste in dieser Zeit 113 Spiele (siehe Tabelle). Zuletzt wurden „dem griechischen Patienten“ im November freie Gelenkkörper im linken Knie entfernt.

„Nach überstandener OP und Reha braucht man normalerweise noch zwei bis drei Wochen, bis man im Profibereich konditionell wieder mithalten kann“, sagt der frühere HSV-Mannschaftsarzt Philip Catalá-Lehnen, der Papadopoulos bereits in dessen Zeit in Leverkusen kennenlernte. „Papas Krankenakte wird dem HSV bekannt sein. Letztendlich kann der Mannschaftsarzt nach dem obligatorischen Medizincheck dem Sportchef dann nur eine Empfehlung aussprechen“, sagt Catalá-Lehnen, der es für durchaus wahrscheinlich hält, dass Papadopoulos’ Leiden und dessen frühes Profidebüt einen kausalen Zusammenhang haben.

Be­reits mit 13 Jah­ren spielte der junge Grieche in der Vierten Liga bei Svoro­nos Ka­te­r­inis, des­sen Prä­si­dent sein Vater Nikos war. Als 15-Jäh­ri­ger debütierte Papadopoulos bei Olym­pia­kos Pi­räus in der grie­chi­schen Super League und war damit der jüngste Spie­ler aller Zei­ten.

Im Video: Markus Gisdol

HSV-Trainingslager: Interview mit Markus Gisdol
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Video: abendblatt.tv

„Die extrem frühe und hohe Belastung in einer Zeit, in der die Jungs noch mitten im Wachstum sind, können Folgeerscheinungen hervorrufen“, sagt Catalá-Lehnen, der zweierlei zu Bedenken gibt. Einerseits habe sich Papadopoulos bereits mit 20 Jahren eine schwere Kreuzbandverletzung zugezogen. Andererseits habe der Grieche nach seinem Wechsel zu Leverkusen aber zwei Jahre lang fast keine Knieprobleme gehabt. „Am Ende muss jeder Club Nutzen und Risiko bei einer Verletzung abwägen“, sagt der Hamburger Arzt.

Der HSV hat eine Risiko-Nutzen-Analyse erstellt

Der obligatorische Medizincheck dürfte trotz Papadopolous’ langer Krankenakte ohnehin keine unüberwindbare Hürde werden. Der HSV hat sich im Vorfeld über die andauernden Kniebeschwerden des Nationalspielers erkundigt – und diese in einer Risiko-Nutzen-Analyse für überschaubar eingestuft. Ähnlich war der Club vor zweieinhalb Jahren auch bei Valon Behrami vorgegangen, der trotz des nicht bestandenen Medizinchecks und Bedenken der medizinischen Abteilung verpflichtet wurde.

Vergangenheit. In der Gegenwart fühlt sich Papadopoulos gesund und munter. Der designierte Hamburger machte im Urlaub in Athen Sondertraining, konnte im RB-Trainingslager in Portugal an fast allen Einheiten teilnehmen – und soll sich auf seine ersten HSV-Einheiten freuen. Doch Papa muss sich gedulden. Diesen Montag ist: frei.

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