Scheidender Sportchef

Beiersdorfer knüpfte HSV-Job an eine Bedingung

In Hamburg sagt man tschüs: Dietmar Beiersdorfer verlässt den HSV

In Hamburg sagt man tschüs: Dietmar Beiersdorfer verlässt den HSV

Foto: UweSpeck / WITTERS

Der geschasste Vorstandsboss lehnt das Angebot des HSV auf eine Weiterbeschäftigung ab. Bruchhagen übernimmt die Transfers.

Nun ist es amtlich: Dietmar Beiersdorfer wird den HSV zum Jahreswechsel definitiv verlassen. Das teilte der HSV am Mittwoch mit. Obwohl der Aufsichtsrat seine Kündigung als Vorstandsvorsitzender vor zwei Wochen einstimmig beschlossen hatte, wollte der Verein Beiersdorfer als Sportchef weiterbeschäftigen. "Dietmar hat mir signalisiert, dass er sich die Rolle als Sportdirektor aktuell nicht vorstellen kann", wird der neue Club-Boss Heribert Bruchhagen auf der vereinseigenen Homepage zitiert.

Beiersdorfer konnte sich eine weitere Zusammenarbeit jedoch nur vorstellen, wenn er einen Sitz im Vorstand bekommen hätte, um mit Bruchhagen gleichgestellt zu sein. Doch diesem Posten hätte der Aufsichtsrat, der Beiersdorfer erst kürzlich wegen grober Fehler im Kerngeschäft Bundesliga entlassen hatte, zustimmen müssen. Eine nicht nur für das Kontrollgremium undenkbare Konstellation. „Ich sehe es als einen unglaublichen Vorgang an, dass eine Person entlassen wird und ein paar Tage später zur Diskussion steht, ob diese Person eines der wichtigsten Ämter überhaupt ausführen soll. Das gibt es bei keinem anderen Bundesligaclub – auch nicht in der freien Wirtschaft“, kritisierte HSV-Experte Nico Pommerenke von Sport1 in der Talkrunde „Matz ab live“ nach dem 2:1-Heimsieg gegen Schalke.

Matz ab nach dem Sieg gegen FC Schalke 04
Video: abendblatt.tv

Bruchhagen übernimmt die Transfers

Bruchhagen muss sich nun nach einem neuen Sportchef umsehen. "Ich werde einen Sportdirektor präsentieren", hatte er bei seiner Vorstellung als Vorstandschef gesagt. An dieser Aussage wird er sich nun messen lassen müssen. "Ich werde Gespräche mit potenziellen Kandidaten aufnehmen und mich erst wieder zu dem Thema äußern, wenn es einen neuen Stand gibt.“

Die anstehenden Transfers werde er gemeinsam mit Finanzvorstand Frank Wettstein abwickeln. Dem Vernehmen nach soll Innenverteidiger Mergim Mavraj vom 1. FC Köln ganz oben auf dem Wunschzettel stehen, aber auch Norwich Citys Abwehrriese Timm Klose ist nach Abendblatt-Informationen ein Kandidat. "Wir befinden uns in mehreren laufenden Prozessen", sagte Bruchhagen, der erneut die wichtige Stellung Gisdols im Verein betonte. „Vordringlichste Aufgabe ist es nun, die vom Trainer gewünschten Ergänzungen des Kaders im Rahmen unserer Möglichkeiten vorzunehmen."

Bruchhagen folgt Gisdols Wünschen. Doch der Trainer hatte sich erst vor der 1:3-Niederlage in Mainz dafür ausgesprochen, dass Beiersdorfer die Transfers abschließt. "Unsere Transfervorbereitungen haben wir vor sechs bis acht Wochen angefangen. Das jetzt kurzfristig in andere Hände zu geben, halte ich nicht für sinnvoll." Doch nun kommt es dennoch anders.

Beiersdorfer: Trennung fällt mir schwer

Der geschasste Beiersdorfer bedauert, sich mit dem HSV nicht über ein Engagement geeinigt zu haben. „Die Trennung fällt mir wahnsinnig schwer. Der Zuspruch, den ich in den vergangenen Tagen erhalten habe, berührt mich sehr. Ich möchte mich bei allen Fans und Anhängern unseres Clubs ganz herzlich für die Unterstützung bedanken", sagte der 53-Jährige, der dem HSV für die Zukunft eine erfolgreichere Zeit wünscht. "Die sehr positive Entwicklung unserer Mannschaft in den vergangenen Wochen, angeführt von Markus Gisdol und seinem Trainerteam, stimmt mich sehr positiv, dass der eingeschlagene Weg erfolgreich fortgesetzt werden kann.“

Die Bilder vom Schalke-Sieg:

Auch von Bruchhagen, der Beiersdorfer sehr schätzt, ist kein schlechtes Wort über die Trennung zu hören. „Dietmar ist ein HSVer, auf den Verlass ist. Er hat sich in den vergangenen Tagen loyal verhalten, er hat seine operativen Arbeiten akribisch fortgesetzt und dafür gesorgt, dass wir gut vorbereitet in die nun beginnende Winterpause gehen.

Gewaltiges Transferminus unter Beiersdorfer

Dennoch blieb er in seiner zweiten Amtszeit beim HSV, die im Juli 2014 mit der Ausgliederung der Profiabteilung begann, vieles schuldig. Unter dem Strich steht ein Fast-Abstieg sowie ein Transferminus von 52 Millionen Euro. Ein größeres Saldo weisen in dieser Zeit nur der FC Bayern München (-97 Millionen) und RB Leipzig (-72) auf, die sich allerdings an der Tabellenspitze eingenistet haben. "Man muss bei Beiersdorfers Arbeit bewerten, was fachlich dabei herausgekommen ist. Und ich glaube nicht, dass es genug war und reicht, um den HSV dahinzuführen, wo der Verein hin will. Der HSV hat in den letzten drei Jahren 90 Millionen Euro für Transfers ausgegeben und die Mannschaft ist keinen Deut besser geworden“, kritisiert der frühere HSV-Profi Stefan Schnoor bei "Matz ab live".

Darüber hinaus verschliss Beiersdorfer vier Trainer und zwei Sportchefs. Besonders die Entlassung von Manager Peter Knäbel im Mai dieses Jahres wurde ihm zum Verhängnis. Beiersdorfer übte seitdem den Posten des Club-Bosses und Sportchefs in Personalunion aus und wirkte in dieser Doppelrolle überfordert. Durch den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte verlor Beiersdorfer die Rückendeckung des Aufsichtsrats, der sich eine Zukunft des Ex-Profis im Vorstand des HSV nicht vorstellen kann.