HSV-Remis in Gladbach

Schnoor tadelt Schiedsrichter Stark mit drastischen Worten

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Der frühere HSV-Spieler kritisiert Stark für seine zwei Elfmeterpfiffe und spricht auch über die Harmlosigkeit der Offensive.

„Wir sind auch gut und wollen uns in Gladbach nicht verstecken“, kündigte Markus Gisdol vor dem Auswärtsspiel bei der Borussia an. Von seinen Offensivplänen musste sich der HSV-Trainer aber bereits nach 25 Minuten verabschieden, als Schiedsrichter Wolfgang Stark Abwehrspieler Cléber mit einer Roten Karte vom Platz schickte. „Dieses Spiel ist ab der 25. Minute komplett in eine Richtung gekippt durch den Schiedsrichter“, analysierte Fußball-Experte Stefan Schnoor im Anschluss bei „Matz ab live“.

Stark zeigte nach dem leichten Halten des Brasilianers zudem auf den Elfmeterpunkt – eine zweifelhafte Entscheidung. Wenn es überhaupt ein Foul war, dann fand dies außerhalb des Strafraums statt. Es sollte nicht die einzige strittige Entscheidung des Unparteiischen bleiben. Die Szene, die zum zweiten Strafstoß für die Heimelf führte, war zumindest nicht strittig. Doch Stark traf nach der Schwalbe Ibrahima Traorés die falsche Entscheidung und schenkte Gladbach den nächsten Elfmeter.

Schnoor zweifelt an der Rolle des Assistenten

„Es war eine der schlechtesten Leistungen eines deutschen Schiedsrichters, die ich je gesehen habe. Ich schätze Herrn Stark, aber er hat 90 Minuten alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“, tadelte Schnoor den 46-Jährigen. „Der erste Elfmeter war keiner, der zweite war auch keiner.“

Besonders die Rolle des Linienrichters, der sich vor der Ausführung des zweiten Strafstoßes länger mit Stark über das vermeintliche Foul von Douglas Santos an Traoré beraten hatte, hebt beim früheren HSV-Spieler Zweifel hervor. „Die besprechen sich auch noch, das macht es umso schlimmer. Der Assistent hat freie Sicht, wenn du die Schwalbe dann nicht ahndest, brauchst du da nicht stehen.“

Schnoor lobt Ekdal in neuer Rolle

Dass der HSV beim glücklichen 0:0 einen Punkt mitnahm und diesen wie einen gefühlten Sieg feiern konnte, lag vor allem an René Adler – und der Latte, an der Gladbach-Kapitän Stindl beim zweiten Versuch vom Punkt scheiterte. Die Abwehrschlacht brachte Gisdol aber auch neue Erkenntnisse. So weiß er jetzt, dass Mittelfeld-Stratege Albin Ekdal in der Innenverteidigung aushelfen kann und die Lösung für die Personalnot in der Defensive sein könnte.

Auch für Schnoor war Ekdal, der erstmals in seiner Karriere im Abwehrzentrum agierte, neben Adler der Schlüsselspieler für den Punktgewinn. „Er hat nur wenige Zweikämpfe verloren, viel ausgebügelt und mit seinem Auge einiges wettgemacht.“ Ähnlich fiel auch das Resümee der Mannschaft sowie des Trainerstabs aus. Lewis Holtby nannte Ekdals Leistung sogar „weltklasse“.

HSV offensiv wieder harmlos

Dennoch reicht eine Weltklasse-Leistung in der Defensive nicht für drei Punkte in der Bundesliga. In Gladbach präsentierte sich die Offensiv-Abteilung um Aaron Hunt, Filip Kostic, Nicolai Müller und Pierre-Michel Lasogga erneut harmlos. Gerade mal fünf Schüsse Richtung Tor werden in der Statistik zum Spiel aufgeführt. Wirklich Gefahr für VfL-Keeper Yann Sommer strahlte keiner dieser Versuche aus.

Schnoor will dennoch nicht zu kritisch mit der Spielweise des HSV ins Gericht gehen. Die fehlende Torgefahr sei vor allem dem frühen Platzverweis geschuldet. „Nach vorne war das nichts, aber in Unterzahl ist es auch schwierig gegen Gladbach, die in einer anderen Liga spielen“, so der 45-Jährige, der den Blick schon nach vorne auf das nächste Heimspiel richtet. „Von daher muss man aus diesem Punktgewinn das Positive ziehen und selbstbewusst am Freitag gegen Frankfurt auftreten.“

Schnoor: „Fußball wie vor 70 Jahren“

Um die Torflaute nach 482 Minuten ohne eigenen Treffer zu beenden, müsse Gisdol unter der Woche vor allem an einem Offensiv-Konzept arbeiten, meint Schnoor. „Dem HSV fiel nichts ein, außer lange Bälle zu spielen – das ist Fußball wie vor 70 Jahren. Wenn dann auch noch Kramer im Zentrum jedes Kopfballduell gewinnt, kommt der Ball postwendend zurück.“

Möglicherweise setzt Gisdol am Freitag gegen die Eintracht (20.30 Uhr im Liveticker bei abendblatt.de) wie schon in Berlin auf die Doppelspitze Bobby Wood /Lasogga. Der US-Nationalstürmer saß in Gladbach zunächst auf der Bank, nachdem er leicht angeschlagen von der Nationalmannschaft zurückgekehrt war. Seine Spritzigkeit und Qualität, Bälle festzumachen, wurde gegen den Champions-League-Teilnehmer schmerzlich vermisst.

Doch nicht nur Wood-Vertreter Lasogga, auch Hunt, Kostic und Müller hingen in der Luft. „Dass sie besser Fußball spielen können, weiß der HSV. Das weiß auch Markus Gisdol. Und daran müssen sie jetzt ganz schnell arbeiten, um die nötigen Punkte zu holen“, sagte Schnoor, der bei der Rückkehr Niko Kovacs an seine alte Wirkungsstätte auf einen Heimsieg setzt. „Der HSV gewinnt 2:1!“