Bundesliga

Unter Gisdol stürmen selbst die Außenverteidiger beim HSV

Im Test beim Drittligisten Magdeburg entgehen die Hamburger knapp einer weiteren Enttäuschung. Gisdol mit interessanter Taktik.

Magdeburg.  Die Erleichterung war Markus Gisdol anzumerken, als er wenige Minuten nach dem Schlusspfiff vor die Mikrofone trat. Der neue HSV-Trainer und seine Mannschaft waren im Testspiel beim Drittligisten FC Magdeburg nur knapp einer weiteren Enttäuschung entgangen. Der späte 2:1-Siegtreffer durch Luca Waldschmidt vor 7213 Zuschauern in der nur mäßig besetzten MDCC-Arena ließ alle Hamburger Beteiligten ein wenig durchatmen. „Es ist immer schön, wenn man gewinnt“, sagte Gisdol, der erst vor zehn Tagen die Mannschaft übernommen hatte. „Für mich war heute wichtig, dass die Mannschaft nach dem intensiven Training bei einem guten Gegner 90 Minuten dagegenhält und total fightet.“

Auch Torschütze Waldschmidt stellte das Ergebnis in den Vordergrund. „Ein Sieg ist ein Sieg. Wichtig war, dass wir heute getroffen haben und noch wissen, wie das geht“, sagte der Stürmer, nachdem der HSV in den vergangenen vier Bundesligaspielen kein Tor mehr erzielt hatte. Für Gisdol war das Spiel in erster Linie eine gute Gelegenheit, einige Dinge auszuprobieren. So durfte Ersatztorhüter Christian Mathenia 90 Minuten spielen. Finn Porath erhielt im zentralen Mittelfeld eine Chance von Beginn an. Auch Bakery Jatta konnte sich in der zweiten Halbzeit für weitere Aufgaben bei den Profis empfehlen.

Interessanter als die Aufstellung war allerdings die Anordnung der Akteure auf dem Feld. So war Gideon Jung, der im defensiven Mittelfeld spielte, bei Ballbesitz der erste Anspieler für die Innenverteidiger, während sich die Außenverteidiger Dennis Diekmeier und Matthias Ostrzolek sehr weit vorne positionierten.

Tor fiel nach der Marke Gisdol

Im Angriff bildeten Nicolai Müller, Pierre-Michel Lasogga und Waldschmidt eine offensive Dreierreihe und übten sofort Druck auf die Abwehr des FC Magdeburg aus. So entstand auch die frühe Führung für den HSV, als Müller in einen Rückpass des Magdeburger Testspielers Jose Casado sprintete, FCM-Keeper Lukas Cichos umkurvte und zum 1:0 einschob (3.). „Das Tor war das beste Beispiel für unsere offensive Ausrichtung“, sagte Waldschmidt.

In der Folge verlagerten sich die Torraumszenen aber fast ausschließlich in den Strafraum der Hamburger. Ma­thenia konnte sich gegen Julis Düker und Niklas Brandt gleich mehrfach auszeichnen. Einmal musste sogar die Latte aushelfen. Der HSV wurde nur dann gefährlich, wenn es mit Tempo nach vorne ging. Aaron Hunt (20.) und Waldschmidt vergaben die besten Chancen.

FCM-Fans skandieren „Absteiger“

Auch nach dem Seitenwechsel fehlten den Hamburgern die Ideen im Offensivspiel. Ohne Körperspannung spielten die HSV-Profis ihren Stiefel herunter. Der FCM nutzte die zunehmende Müdigkeit des HSV zum verdienten Ausgleich. Gerrit Müller überspielte die weit aufgerückte Abwehr mit einem Diagonalpass, Maurice Exslager überwand Mathenia mit einem Schuss aus spitzem Winkel (65.). „Absteiger, Absteiger“, skandierten die Magdeburger Fans dem Tabellenletzten der laufenden Bundesligasaison entgegen.

Erst in den letzten Minuten erhöhte der HSV wieder das Tempo. Zunächst scheiterte Jatta nach einer sehenswerten Einzelleistung am Magdeburger Schlussmann (86.), zwei Minuten später staubte Waldschmidt aus acht Metern zum Hamburger Siegtreffer ab.

HSV: Mathenia – Diekmeier (57. Holtby), Götz, Cléber, Ostrzolek (73. Santos) – Porath, Jung, Hunt – Müller (46. Bahoui), Lasogga (73. Jatta), Waldschmidt.