Bundesliga

Was aus den 16 HSV-Trainern der letzten zehn Jahre wurde

16 Trainer verschliss der HSV in diesem Zeitraum. Für die meisten folgte ein Absturz nach Ägypten, Saudi-Arabien oder die vierte Liga.

Hamburg. Zwei Niederlagen in Folge reichen offenbar aus, um dem Abstiegsgespenst eine HSV-Dauerkarte nachzusagen. Der HSV sei auf bestem Wege auch in dieser Saison seinen Stammplatz 16 einzunehmen, um den Klassenerhalt über den Umweg Relegation zu erreichen, heißt es dieser Tage in vielen Berichten. Sollten die Hamburger aber am nächsten Spieltag bei den nicht bundesligatauglichen und in der Tabelle abgeschlagenen Hannoveranern gewinnen, wären wohl alle Abstiegssorgen passé.

Mit einem Sieg wäre auch Bruno Labbadias Position gestärkt, der dann wohl nach sieben Trainern in den vergangenen zwei Spielzeiten als erster Coach seit Thorsten Fink eine Saison beginnen und beenden würde.

Der HSV und seine Trainer – das waren zwei Komponenten, die in der jüngeren Vergangenheit nur schwierig zusammenzuführen waren. 16 Lehrmeister verschliss der Bundesliga-Dino in den letzten zehn Jahren. Was wurde eigentlich aus den Trainern, die in Hamburg keine lange Überlebenszeit hatten?

Thomas Doll (2004 – 2007)

Kurz nach seiner Entlassung beim HSV heuerte Doll bei Borussia Dortmund an, wo er nach 14 Monaten wieder seine Koffer packen musste. „Es passte nicht“, räumte der 49-Jährige später ein. Bei seiner nächsten Station in der Türkei bei Genclerbirligi Ankara hielt er auch nicht länger durch, ehe der Übungsleiter das Abenteuer Saudi-Arabien wagte. Wegen permanenter Unruhe im Verein Al-Hilal Riad schmiss Doll nach gerade mal 18 Spielen aber angeblich selbst hin und übernahm den Posten beim ungarischen Spitzenclub Ferencváros Budapest, wo er seit 2013 aktiv ist und mit dem Pokalsieg auch einen Titel holte.

Huub Stevens (2007 – 2008)

Der „knurrende Holländer“ durchwanderte schon die halbe Liga sowie Europa und heuerte nach seiner HSV-Zeit bei Eindhoven, Salzburg, Schalke, Saloniki, zweimal in Stuttgart, noch mal Schalke und Hoffenheim an. Bei der TSG musste Stevens letztlich seine Karriere am 10. Februar wegen akuter Herzrhythmusstörungen unter Tränen beenden. Selbst eine Operation am Herzen sei nicht auszuschließen.

Martin Jol (2008 – 2009)

Der nächste Niederländer beim HSV, der nicht immer durch einen fröhlichen Gesichtsausdruck herausstach, mussten gehen, weil sein Wunsch nach mehr Einfluss im Verein nicht erfüllt wurde. Trotz des Pokalsiegs mit Ajax Amsterdam musste er aber auch den holländischen Serienmeister nach kurzer Zeit verlassen. Es folgten zweieinhalb Jahre bei Fulham, ehe er vor wenigen Wochen beim ägyptischen Spitzenclub El Ahly Kairo anheuerte.

Bruno Labbadia (2009 – 2010 und seit 2015)

Seine erste Amtszeit beim HSV wurde etwas abrupt trotz des Erreichens des Halbfinals im Uefa Pokal und Platz sieben in der Bundesliga beendet. Labbadia bezeichnete seine Aufgabe später als „noch nicht fertig“. Nun will er der erste HSV-Trainer seit Erst Happel sein, der einen verlängerten Vertrag erfüllt. Dafür muss er aber zunächst einmal sein Arbeitspapier verlängern.

Ricardo Moniz (2010)

Schon wieder ein Niederländer, doch der Co-Trainer unter Labbadia übernahm nach dessen Entlassung nur bis Saisonende. Unter ihm siegte der HSV in der Liga gegen Nürnberg, teilte die Punkte in Bremen und verlor das Halbfinal-Rückspiel im Uefa Pokal bei Fulham. Im Anschluss wurde der 51-Jährige Nachwuchskoordinator bei Salzburg, Leipzig, New York sowie bei den RB-Camps in Brasilien und Ghana, ehe er sich wieder auf die Trainerbank bei Salzburg, als Vorgänger von Doll bei Ferencváros, Lechia Gdanks in Polen, 1860 München und Notts County in der vierten englischen Liga setzte.

Armin Veh (2010 – 2011)

Weil er sich öffentlich über die Vereinsführung beschwerte und der Erfolg ausblieb, trennte sich der HSV von Veh nach nicht mal mehr einem Jahr. Es folgte eine sehr erfolgreiche Zeit mit der Qualifikation für die Europa League in Frankfurt. Mangels finanzieller Möglichkeiten und weil Veh sich zu Höherem befugt sah, wechselte er 2014 nach Stuttgart, wo er nach einem katastrophalen Saisonstart als abgeschlagener Tabellenletzter nach gerade mal 13 Spielen zurücktrat. Ein halbes Jahr später kehrte er zur Eintracht zurück, wo er vor Kurzem entlassen wurde.

Michael Oenning (2011)

Mit 0,64 Punkten im Schnitt hat Oenning die schlechteste Bilanz aller HSV-Trainer, die mehr als zwei Spiele die Geschicke leiteten. Das ist offenbar auch allen anderen Vereinen nicht entgangen, weshalb der 50-Jährige seitdem nur bei der in Ungarn im Mittelmaß festklebenden Mannschaft Vasas SC (seit Januar) unterkam.

Rodolfo Cardoso (2011 und 2013)

Auch seine Bilanz ist zum Vergessen: 2011 sprang er nach der Entlassung Oennings ein, 2013 war es nach der Beurlaubung Finks. Angesichts von nur einem Sieg bei zwei Niederlagen sowie spielerisch enttäuschender Auftritte dürfte ein dritter Versuch als Interimstrainer ausbleiben. Der frühere Spielmacher durchwanderte seither sämtliche Jugendmannschaften bei den Hamburgern und ist aktueller U16-Trainer.

Frank Arnesen (2011)

Als einziger Trainer in der HSV-Geschichte hat der Däne eine 100-prozentige Siegquote vorzuweisen. Allerdings war Arnesen nur für ein Spiel in Freiburg (2:1) verantwortliche, ehe er Thorsten Fink als neuen Coach verpflichtete. Bei seiner eigentlichen Hauptaufgabe, die Mannschaft durch Transfers zu verbessern, scheiterte der 59-Jährige jedoch kläglich, weshalb er im Mai 2013 den Hut nehmen musste. Nach einer fast dreijährigen Auszeit wurde Arnesen Sportchef bei Metalist Charkow, wo er aufgrund der politisch unruhigen Situation aber nach fünf Monaten wieder ging. Bei seiner nächsten Station, Paok Saloniki, hielt er immerhin acht Monate durch.

Thorsten Fink (2011 – 2013)

Mit 701 Tagen erlebte er die längste Zeit unter allen HSV-Trainern seit Thomas Doll (836 Tage). Nach einer 2:6-Pleite in Dortmund war im September 2013 aber auch für Fink Schluss. Vier Monate bei Apoel Nikosia qualifizierten ihn für einen Job bei Austria Wien. Dort erlebte Fink seinen medialen Höhepunkt am Wochenende nach dem 0:0 gegen den Wolfsberger AC, als der Coach die Pressekonferenz wutentbrannt und vorzeitig mit den Worten „sucht euch einen neuen Trainer“ verließ.

Bert van Marwijk (2013 – 2014)

„Voetbal totaal“ versprach der Niederländer, dem HSV einzuimpfen. Doch für den Trainer, der die Hälfte der Woche in seiner Heimat verweilte, folgte eine Horrorbilanz mit neun Niederlagen in 15 Spielen, die erst durch seine Entmachtung gestoppt wurde. In Europa wollte seither niemand etwas von dem Lehrmeister wissen, der die holländische Nationalmannschaft bei der WM 2010 zum zweiten Platz führte. Von besseren Qualitäten als Nationaltrainer erhoffte sich offenbar Saudi-Arabien etwas, weshalb der Wüstenstaat van Marwijk 2015 unter Vertrag nahm.

Mirko Slomka (2014)

Immerhin verhinderte Slomka den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte, als er den HSV in der Relegation 2014 zu zwei Unentschieden und einem Tor gegen Greuther Fürth führte. Seit seiner Beurlaubung im selben Jahr ist der 48-Jährige aber nur noch als TV-Experte im Einsatz.

Joe Zinnbauer (2014 – 2015)

Gerade erst im Verein angekommen, übernahm der U23-Trainer die Profimannschaft nach dem Ende der Amtszeit Slomkas beim HSV. Als das Abstiegsszenario aber immer wahrscheinlicher wurde, versetzten die Club-Bosse den 45-Jährigen zurück zu den Amateuren. Als er im Sommer ein Angebot des Schweizer Erstligisten FC St. Gallen bekam, kehrte Zinnbauer Hamburg den Rücken.

Peter Knäbel (2015)

Dass es nicht unbedingt von Vorteil sein muss, als Sportdirektor einen Trainerschein zu besitzen, zeigt das Beispiel Peter Knäbel. Nach zwei Niederlagen und 0:6 Toren zog man die Reißleine und verpflichtete Bruno Labbadia, der den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt schaffte und seither die Geschicke beim HSV leitet.

Matz ab nach der Hoffenheim-Pleite: