Positionsdebatte

„Gregoritsch auf links verschenkt“: Kritik von Ex-HSV-Profi

| Lesedauer: 3 Minuten
Stefan Walther

In der Talkrunde Matz ab konnte Klaus Fock eine taktische Maßnahme Labbadias nicht nachvollziehen. Gregoritsch sei der König der Lüfte.

Hamburg. Innerhalb von 45 Minuten wechselte die Stimmung im Volksparkstadion von Optimismus und Zufriedenheit zu Ratlosigkeit und Frust. Eine richtige Erklärung fand keiner für die unnötige 1:2-Niederlage gegen Hannover 96. Spieler und Bruno Labbadia redeten sich in Rage. „Ich bin tierisch genervt, wir müssten uns in den Arsch beißen“, schimpfte der Trainer.

Zunächst schien sein Plan mit der Doppelspitze Pierre-Michel Lasogga und Sven Schipplock aufzugehen. Bereits in der sechsten Minute konnte sich Schipplock, der neu in die Mannschaft rückte, auszeichnen. Der Angreifer schickte Müller auf die Reise, der an 96-Verteidiger Marcelo vorbei zog und den mitgelaufenen Michael Gregoritsch bediente. Der Österreicher musste nur noch einschieben – Auftakt nach Maß.

Es war zugleich das erste Heimtor nach 276 Minuten. In der Folge ließen die Hamburger dann aber zu viele teilweise hochkarätige Chancen liegen und verpassten es, das 2:0 zu machen. Mit seinen einzigen beiden gefährlichen Torschüssen drehten die Niedersachsen dann plötzlich die Partie und stellten den Spielverlauf damit auf den Kopf.

„Damit verschenke ich Gregoritsch“

Beim HSV machte sich daraufhin Verunsicherung breit und die klare spielrische Linie ging verloren. Als die Rothosen mit der Brechstange die letzte Option zogen, sorgte eine taktische Maßnahme Labbadias bei vielen Beobachtern für Verwunderung. Gregoritsch, der auch noch vorzeitig vom Platz genommen wurde, fehlte als kopfballstarker Spieler im Zentrum. Gegen Hoffenheim überzeugte der 1,93 Meter groß gewachsene Offensivspieler noch als Ballverteiler in der Spitze und gewann nahezu jedes Luftduell. Im Nordderby musste er aber wieder auf die Außenposition weichen.

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Für Ex-HSV-Spieler Klaus Fock war diese taktische Maßnahme nicht nachzuvollziehen. „Er ist ein begnadeter Kopfballspieler, oben in der Luft ist er König. Diese Stärke muss man normalerweise ausnutzen. Das geht aber nicht, wenn Lasogga und Schipplock auch noch im Sturmzentrum stehen. Damit verschenke ich den Jungen“, kritisierte der frühere Stürmer, der einst fünf Tore in 25 Bundesligaspielen für den HSV schoss, in der Talkrunde Matz ab. „Die Kopfballstärke von Gregoritsch nimmst du raus, wenn du ihn auf links stellst.“

Plötzliche musste Cléber im Sturm aushelfen

Der frühere HSV-Profi Thomas Vogel pflichtete ihm bei: „Ich hätte auch Gregoritsch im Zentrum spielen lassen und Lasogga oder Schipplock auf die Bank gesetzt. Dann hätte man auch noch eine offensive Alternative mehr auf der Bank gehabt.“

So musste Labbadia für die Schlussminuten den kopfballstarken Cléber bringen, der sich sofort im Sturmzentrum einsortierte, um die langen Bälle zu verteilen. Diese Aufgabe hätte allerdings auch Gregoritsch übernehmen können, der zudem über einen ausgeprägteren Torriecher im Vergleich zum brasilianischen Abwehrspieler verfügt. Doch der österreichische U21-Nationalspieler saß zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Bank.

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