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Neue Argumente für Stieber – Labbadia wagt zwei Experimente

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Henrik Jacobs

Der zuletzt nicht berücksichtigte Ungar überzeugt mit Tor und Vorlage im HSV-Test gegen Viborg. Auch Adler sammelt Pluspunkte.

Hamburg.  Sprechen wollte Zoltán Stieber nach dem Testspiel gegen Viborg FF nicht. Das lag zum einen am Hamburger Dauerregen und dem Bedürfnis der HSV-Spieler, möglichst zügig in die Kabine zu gelangen. Zum anderen will Stieber im Moment lieber mit Taten statt mit Worten argumentieren. Und das tat der Ungar am Donnerstagnachmittag beim 3:0 (2:0)-Sieg gegen den dänischen Erstligisten. Stieber, der es in den bisherigen acht Bundesligaspielen nicht einmal in den Kader geschafft hatte, überzeugte.

Der 26 Jahre alte Offensivspieler hatte wegen muskulärer Probleme zu Wochenbeginn auf die Länderspielreise mit der ungarischen Nationalmannschaft verzichtet. „Deswegen wollten wir ihn gerne über 90 Minuten sehen“, sagte Labbadia nach dem Spiel. Und Stieber nutzte die ihm gegebene Chance, sich zu präsentieren. Im linken Mittelfeld hatte er mehrere gute Aktionen. Höhepunkt war die 35. Minute, als Stieber nach einem Pass von Lewis Holtby seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung narrte und mit seinem schwächeren rechten Fuß präzise in die lange Ecke traf. „Er hat die Qualität wenn er von außen nach innen zieht“, sagte Labbadia über die Aktion.

Zuvor hatte Gideon Jung nach einer Ecke des auffälligen Holtby zum 1:0 getroffen (21.). Die Kopfballablage von Gojko Kacar, der nach seinen Rückenproblemen überraschend als Innenverteidiger in der Startelf stand, verwertete Jung aus acht Metern. Der HSV war bemüht, schnell den Abschluss zu suchen. Sven Schipplock, der in der Spitze beginnen durfte, hatte die erste große Chance des Spiels. Anschließend versuchte es Holtby mehrfach aus der Distanz.

Labbadia lobt Adler

Aber auch der dänische Aufsteiger, in der Liga aktuell auf dem vorletzten Platz liegend, kam zu Möglichkeiten. René Adler, der die gesamte Spielzeit im Tor stand, konnte sich zweimal auszeichnen. „Die beiden Bälle hat er sehr gut rausgeholt. 90 Minuten waren für ihn genau richtig“, sagte Labbadia. Jaroslav Drobny, der wegen Adlers Schulterverletzung in der Bundesliga zuletzt viermal in Folge im Tor stand, reiste am Donnerstag für seinen Trainerlehrgang in seine Heimat nach Tschechien. Wer von den beiden Torhüten am kommenden Spieltag gegen Bayer Leverkusen im Tor steht, ist weiterhin völlig offen. Labbadia will sich auf eine klare Nummer eins im Moment nicht festlegen.

Mit seiner Leistung gegen Viborg sammelte Adler im Duell mit Drobny in jedem Fall Pluspunkte. Genau wie Stieber im Kampf um einen Kaderplatz. Ein weiteres Argument lieferte er in der zweiten Halbzeit. Seine Ecke von links drückte Kacar per Direktabnahme über die Linie (52.). „Stieber hatte gute Aktionen, aber auch Dinge dabei, an denen er arbeiten muss“, sagte Labbadia, der in der zweiten Halbzweit zwei Experimente wagte. Zum einen ließ er Nicolai Müller als Rechtsverteidiger ran, zum anderen probierte er es mit zwei Spitzen. Zunächst stürmte der eingewechselte Pierre-Michel Lasogga neben Schipplock, später an der Seite von Artjoms Rudnevs. „Wir haben immer ein bisschen das Problem mit dem Raum zwischen Sturm und Mittelfeld“, begründete Labbadia diese Idee.

Schon seit Wochenbeginn arbeitet der Trainer mit seiner Mannschaft intensiv am Offensivspiel. Nach nur einem Treffer in den vergangenen vier Ligaspielen liegt das Hauptaugenmerk beim HSV auf dem Torabschluss. Die Harmlosigkeit im Angriff ist einer der Gründe, warum Labbadia mit dem Saisonstart nur eingeschränkt zufrieden ist. Sein Zwischenfazit: „Für das, was wir bislang gespielt haben, haben wir ein paar Punkte zu wenig.“

Die Statistik

HSV: Adler – Diekmeier (46. Ilicevic), Cléber, Kacar (60. Carolus), Ostrzolek – Jung, Holtby – Müller, Hunt (46. Lasogga), Stieber – Schipplock (57. Rudnevs)

Tore: Jung (21.), Stieber (35.), Kacar (52.)

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