Hamburger SV

Supporters Club kritisiert neue Dauerkartenpreise

Junge HSV-Fans müssen künftig deutlich mehr für die Heimspiele des Bundesliga-Dinos zahlen

Junge HSV-Fans müssen künftig deutlich mehr für die Heimspiele des Bundesliga-Dinos zahlen

Foto: Witters

HSV-Fans mit Handicap müssen teilweise 100 Prozent mehr zahlen. Auch Kinderkarten wurden massiv erhöht, andere Tarife nur leicht.

Hamburg. Die Anhebung der Dauerkartenpreise in bestimmten Kategorien sorgt bei HSV-Fans für großes Unverständnis. So bleiben die Tickets für Vollzahler entweder gleich oder erhöhen sich moderat um maximal vier Prozent je nach Preisklasse – Schwerbehinderte und Kinder müssen in der kommenden Saison jedoch kräftig draufzahlen. So erhöht sich der Preis für Kinder bis 14 Jahre im Familienblock für Bestandskunden von 98 auf 153 Euro. Fans mit Behindertenstatus, die zehn Jahre oder länger ihre Dauerkarte besitzen, müssen künftig anstatt 180,70 Euro sogar 355,70 Euro zahlen – ein Aufschlag von fast 100 Prozent. „Das ist eine absolute Frechheit“, findet R. Lüders aus Wandsbek. „Erst bedankt sich der Verein für die Treue, und im gleichen Atemzug wird mir dann mitgeteilt, dass die Dauerkarte aus wirtschaftlichen Gründen so viel teurer wird. Einfach unverschämt.“

Diese Erhöhung betrifft beim HSV genau 206 Behinderte, die seit mehr als zehn Jahren im Besitz einer Dauerkarte sind. Zwischen 400 und 500 weitere gehandicapte Personen hatten ohne den Treuebonus bisher 304 Euro im Jahr zahlen müssen, diese Differenz wollte der Verein nun anpassen und einigte sich auf einen pauschalen Rabatt von 40 Euro für alle Behinderten gegenüber dem Vollzahlerpreis (394 Euro in der Kategorie).

„Behinderung kein Grund für Ermäßigung“

„Schwerbehinderung ist pauschal kein Grund für eine Ermäßigung“, erklärt HSV-Ticketchef Kai Voerste. Die Kindertickets seien in erster Linie erhöht worden, da die Plätze im Schnitt nur zu 60 Prozent besetzt seien und diese Karten so nicht an den Tageskassen noch für andere zur Verfügung ständen. „Auch künftig kostet eine Kinderkarte umgerechnet nur rund neun Euro pro Partie, das ist ein Kinoticket“, erklärt Voerste.

Doch Frau Lüders kann sich die Karte nun nicht mehr leisten und wird dem HSV in der kommenden Saison fernbleiben. Ihre Empörung hält jedoch an: „Die Erhöhung bringt dem HSV gerade mal 36.000 Euro. Wenn die Verantwortlichen nur einen Trainer weniger verbraucht hätten, hätten alle Behinderten zum Preis von 180 Euro die Spiele sehen können, und es wäre immer noch genug übrig.“

Im Internet wurde nun sogar eine Online-Petition ins Leben gerufen: "Dauerkarten müssen bezahlbar bleiben".

Hier geht es zur Petition

Am Freitag hat der Supporters Club eine Stellungnahme veröffentlich, in der die Festsetzung der neuen Preisstruktur ebenfalls harte Kritik erntet:

Stellungnahme des Supporters Club zu den Dauerkarten Preisen


"Nur zwei Tage nach der erfolgreichen Relegation hat der HSV auf seiner Homepage die Dauerkartenpreise für die Bundesliga-Saison 2015/2016 veröffentlicht.


Man könnte meinen, wir hätten uns gerade für die Champions League qualifiziert. Aber in Wirklichkeit standen wir bereits mit 1,5 Beinen in der zweiten Liga - zum zweiten Mal in Folge. Das allein wäre schon ein Grund mehr für unseren HSV gewesen, die Preise nicht zu erhöhen.


Für uns ist dieses Vorgehen mehr als unverständlich, denn gerade wir Fans haben in der schweren Zeit alles gegeben und haben einen wesentlichen Beitrag am Nichtabstieg geleistet.


Seit Jahren schauen wir uns immer schlechter werdenden Fussball an und müssen trotzdem regelmäßig Preiserhöhungen schlucken. Wie hoch fällt die nächste Preiserhöhung wohl aus, falls wir uns nächste Saison tatsächlich mal sportlich verbessern sollten?


Vorgesehen ist die Erhöhung ausgerechnet in den unteren Preiskategorien, in welchen sich gerade unsere Kinder und jugendlichen Anhänger die Dauerkarte, oftmals auf Grund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse, mühsam zusammensparen müssen. Das ist definitiv der falsche Weg.


Als Abteilungsleitung haben wir dem Ticketing des HSV bereits im Vorfeld mitgeteilt, dass wir eine Erhöhung der Dauerkartenpreise für das vollkommen falsche Signal halten. Leider fanden unsere Einwände kein Gehör. Dennoch werden wir uns als Vertretung unserer vielen Fans und Mitglieder auch weiterhin für sozialverträgliche Preise im Stadion einsetzen."