Fairness-Debatte

Boll nimmt nach Kritik an Rajkovic Facebookseite vom Netz

In der Kritik: HSV-Verteidiger Slobodan Rajkovic

In der Kritik: HSV-Verteidiger Slobodan Rajkovic

Foto: Witters

Der frühere Kapitän des FC St. Pauli hatte sich heftig über das Verhalten des HSV-Verteidigers in der Relegation gegen den KSC beklagt.

Hamburg. Drei Tage nach dem gesicherten Klassenerhalt schlägt das Relegationsrückspiel des HSV beim Karlsruher SC (2:1 nach Verlängerung) weiter hohe Wellen. Einer der Diskussionspunkte: Das Verhalten des Hamburger Verteidigers Slobodan Rajkovic gegen KSC-Stürmer Rouwen Hennings. Der Serbe hatte den ehemaligen HSV-Jugendspieler nach dessen verschossenen Elfmeter in der Nachspielzeit angebrüllt und auch körperlich attackiert.

Die Szene wird vor allem in den sozialen Netzwerken heiß diskutiert. Auch Fabian Boll stieß Rajkovics Brustrempler bitter auf. In einem ausführlichen Beitrag auf Facebook beklagte der ehemalige Kapitän des FC St. Pauli das Verhalten des HSV-Profis. „Tut mir leid, aber so etwas geht gar nicht!", schrieb Boll und zeigte sich "'not amused', wenn sich ein Spieler im 'Erfolgs'-Fall so (daneben) verhält".

Dabei verwies er auch auf einen ähnlich gelagerten Fall aus der Vorsaison, als sich Hamburgs Stürmer Pierre-Michel Lasogga nach erfolgreicher Relegation mit provokanten Gesten gegen das Fürther Publikum richtete. "Das hat auch nichts mehr mit Emotionen zu tun, das ist einfach nur mieser Stil. Die Worte ,Demut‘ bzw. ,Dankbarkeit‘ haben sich wohl leider noch nicht überall gänzlich durchgesetzt“, schrieb Boll.

HSV-Fans laufen Sturm

Das Statement der St.-Pauli-Ikone rief umgehend zahlreiche Befürworter, aber auch Kritiker auf den Plan. Viele Kommentare hielten Boll dabei ein Messen mit zweierlei Maß vor. Schließlich seien auch Spieler des FC St. Pauli gerade auch in Derbys gegen den HSV wiederholt durch unschöne Gesten aufgefallen. Andere vermuteten, dass Boll sich nur geäußert habe, weil Rajkovics Aktion sich gegen seinen ehemaligen St.-Pauli-Mitspieler Hennings richtete.

Boll ließ sich allerdings nicht unterkriegen und beharrte auf seinem Standpunkt: "Wenn ich eines in all meinen Jahren beim FC St. Pauli gelernt habe, dann das, dass Worte und Gesten manchmal so viel mehr wert sind als der reine sportliche 'Erfolg'", schrieb der Polizeibeamte mit Blick auf den HSV. Inzwischen ist Boll der Shitstorm der Anhänger des Stadtrivalen offenbar doch zu viel geworden - Stand Donnerstagmittag hat er seine Facebookseite vom Netz genommen. (jd)