Hamburger SV

Unzufriedener Kühne nahm an Aufsichtsratsitzung teil

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Kai Schiller
Ist unzufrieden: HSV-Investor Klaus-Michael Kühne

Ist unzufrieden: HSV-Investor Klaus-Michael Kühne

Foto: Witters

Investor stellt bei außerordentlichem Treffen kritische Fragen zum Saisonverlauf. HSV-Verantwortliche bereiten den Worst Case vor.

Bad Malente. Ein Trainer stand im Regen. In Malente. Am Donnerstagmittag. Ausgerechnet zum Anfang der improvisierten Pressekonferenz am Spielfeldrand des Trainingsplatzes goss es plötzlich wie aus Eimern. „Ich hoffe, dass ihr kreativer seid, als dass ihr schreibt: Labbadia steht vor dem Spiel gegen Schalke im Regen“, sagte HSV-Mediendirektor Jörn Wolf noch vor der ersten Frage ein wenig schnippisch. Bloß keine schlechte Stimmung, nur keine schlechten Nachrichten.

Die Sorge war unbegründet. Zum einen lugte wenig später wieder die Sonne hinter den Wolken hervor. Zum anderen durfte sich der HSV über einen Überraschungsbesuch von Bürgermeister Olaf Scholz („Ich habe eine Mannschaft erlebt, die den Willen hat zu gewinnen. Hamburg steht zum HSV!“) freuen. Und auch Coach Bruno Labbadia selbst sorgte für beste Stimmung. „Ich glaube fest daran, dass wir Schalke schlagen“, sagte der Trainer mit kräftiger Stimme, „dann haben wir eine realistische Chance, Relegation zu spielen.“ Was ihm Mut mache? Er habe in der Sportschule Malente das Uwe-Seeler-Zimmer bezogen, witzelt Labbadia. „Das ist doch ein gutes Zeichen.“

Labbadia: „Mich interessiert nicht, was war“

Ein gutes Zeichen. Das können die Verantwortlichen des HSV zwei Tage vor dem Saisonfinale gegen Schalke (Sonnabend, 15.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei abendblatt.de) wirklich gebrauchen. Jaroslav Drobny schwer verletzt (siehe unten), Marcell Jansen fällt aus, Rafael van der Vaart gesperrt. Doch Trainer Labbadia dachte gar nicht daran, in eine grüblerische Wenn-dann-Rhetorik zu verfallen. Im Gegenteil. „Ich baue keine Szenarien auf. Mich interessiert auch nicht, was war. Ich konzentriere mich nur auf das Heute und Morgen. Auf nichts anderes.“

Heute (also gestern) durfte Petr Jiracek für den gesperrten van der Vaart spielen, morgen (also heute) sollen auch Marcelo Díaz und Lewis Holtby im Abschlusstraining ihre Chance bekommen. Und morgen (also wirklich morgen) im Spiel gegen Schalke? „Ich mache mir keine Gedanken um Schalke. Natürlich weise ich auf ihre Schwächen und Stärken hin. Wichtiger ist, dass wir uns auf uns konzentrieren.“

Kühne äußert Unzufriedenheit

Über Schwächen und Stärken dieses HSV wurde auch am Dienstag auf der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung (das Abendblatt berichtete) gesprochen, als vor allem die Zukunft von Clubchef Dietmar Beiersdorfer debattiert wurde. Was bisher noch keiner wusste: Auch Investor Klaus-Michael Kühne, der im vergangenen Sommer für die Verpflichtung Beiersdorfers geworben hatte, war bei der Sitzung anwesend. Offizielle Begründung: Der Aufsichtsrat und Kühne hätten lediglich die finanziellen Rahmendaten des Anteilsverkaufs besprochen. Wie das Abendblatt erfuhr, soll Kühne allerdings auch durchaus kritische Fragen zum Saisonverlauf gestellt und seine grundlegende Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht haben. Gegenüber dem Abendblatt wollte sich der Milliardär zu den Inhalten der Sitzung nicht äußern, allerdings soll für den Fall des Abstiegs neben Beiersdorfers Rolle auch die Zukunft von Sportmanager Peter Knäbel und Sportdirektor Bernhard Peters diskutiert worden sein.

Knäbel: „Es gibt verschiedene Varianten“

„Ich weiß, dass Karl Gernandt und Dietmar Beiersdorfer nach der Aufsichtsratssitzung miteinander telefoniert haben“, sagte Knäbel, der sich von derlei Nebenkriegsschauplätzen vor dem so wichtigen Abstiegsendspiel nicht ablenken lassen wollte. „Ich gehe nicht anders mit dem großen Druck als alle anderen um. Allerdings ist es bei mir wahrscheinlich noch ein wenig spezieller, weil ich verantwortlich dafür bin, was nach dem Spiel kommen muss. Es gibt verschiedene Varianten, die wir alle durchsprechen müssen.“

Dem HSV droht der Exodus

Längst ist bekannt, dass dem HSV im Falle der Fälle ein Exodus droht. Nach einem Abstieg müsste der Gehaltsetat von 52 auf 28 Millionen Euro gekürzt werden. Alle Topverdiener wie Lewis Holtby, Pierre-Michel Lasogga, Valon Behrami oder René Adler stünden zum Verkauf. Knäbel müsste drastische Maßnahmen ergreifen, über die er vor dem Abstiegsfinale aber in keinem Fall sprechen wollte. Man müsse positiv bleiben, sagte er. „Die Jungs müssen spüren, dass sie am Sonnabend ein besonderer Tag erwartet.“

Unvorbereitet wird Knäbel in diesen Tag allerdings nicht starten. In Malente genoss der Manager deswegen nicht nur „die schöne Natur“ und den Besuch des Bürgermeisters, sondern auch die Möglichkeit, sich mit Clubchef Beiersdorfer auszutauschen. Erst am späteren Abend zog sich Knäbel auf sein Zimmer zurück.. Der Name seines Raums: Bodo-Illgner-Zimmer. Und auch das: kein schlechtes Zeichen. Illgner war Weltmeister, Champions-League-Sieger und in seiner letzten Saison mit dem 1. FC Köln, 1995/1996, war er vor allem eines: ein Klassenerhaltsheld.

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