1:2 gegen Stuttgart

HSV ist nun im Abstiegskampf auf Schützenhilfe angewiesen

Der HSV ist nach dem 1:2 gegen Stuttgart auf einen Abstiegsplatz abgerutscht. Nun sind die Hamburger auf Schützenhilfe angewiesen.

Stuttgart. Der VfB Stuttgart lässt die „Affen“ tanzen und verschärft damit die Abstiegssorgen des HSV. Die Schwaben schoben sich nach dem verdienten 2:1-Erfolg in der Tabelle an den Hamburgern vorbei - HSV ist nun Vorletzter, Stuttgart steht auf dem Relegationsplatz. Der HSV um Trainer Bruno Labbadia ist damit kommende Woche zuhause gegen den FC Schalke 04 förmlich zum Siegen verdammt.

"Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß, dass wir das Spiel aus der Hand gegeben haben. Wir haben das 1:0 gemacht und hatten den VfB da, wo wir ihn haben wollten. Dann haben wir aber 20, 25 Minuten nicht so funktioniert und zwei Tore kassiert. Danach haben wir uns schwer getan, die richtigen Entscheidungen zu treffen und uns durchzusetzen", sagte Labbadia nach dem Spiel.

Vor 60.000 Zuschauern in der ausverkauften Stuttgarter Arena sorgte Gojko Kacar (12. Minute) mit seinem dritten Tor in Serie für einen frühen schwäbischen Schock. Kapitän Christian Gentner (27.) und Martin Harnik (35.) drehten jedoch noch vor der Halbzeit den von zahlreichen Nickligkeiten geprägten Fußball-Thriller.

Im hitzigen 100. Bundesligaduell beider Mannschaften erwischten die Hanseaten einen Start nach Maß. Einen Freistoß von Kapitän Rafael van der Vaart versenkte im Strafraumgetümmel Kacar per Kopf. „Niemals Zweite Liga“, skandierten die euphorisierten Hamburger Fans, die noch vor dem Anpfiff in ihrem Block Pyrotechnik abgebrannt hatten.

Die Stuttgarter waren nach dem Rückstand kurz geschockt. Der HSV konnte davon aber nicht profitieren. Pierre-Michel Lasogga wirkte nach einem Zusammenprall mit seinem Teamkollegen Ivica Olic zunächst leicht angeschlagen, in der 58. Minute löste ihn Artjoms Rudnevs ab. Auch sonst wirkte der Angriff wenig gefährlich.

Die Stuttgarter erholten sich rasch wieder. In ihrer Startformation aus dem 2:0 gegen den FSV Mainz 05 drehten sie die Partie. VfB-Kapitän Gentner blockte den indisponierten Innenverteidiger Slobodan Rajkovic weg und markierte den Ausgleich.

Mit seinem neunten Saisontor bat Harnik dann zum „Affentanz“ - eine Replik auf die angebliche Schelte ihres Trainers Huub Stevens nach dem Donnerstagstraining. „Ihr seid Affen, das seid ihr! Hört doch auf, hört doch auf!“, soll der Niederländer seine Kicker angeschrien haben. „Das war gar nicht so gemeint, wie es geschrieben wurde in den Medien“, versicherte Stevens im TV-Sender Sky vor dem Anpfiff. Der Ausdruck habe in den Niederlanden eine „ganz andere“ Bedeutung. „Wir konzentrieren uns auf das wesentliche, das sind die Spiele.“

Auch Labbadia wollte sich bei seiner Rückkehr an den Neckar nicht ablenken lassen. „Ich bin total im HSV-Tunnel und mache mir weniger Gedanken um Stuttgart“, berichtete er. Seine Truppe agierte jedoch auch nach dem Seitenwechsel harmlos, die Deckung wirkte in dem emotionalen Fußball-Krimi teils überfordert.

Stevens’ Mannschaft war spielerisch deutlich besser. Vor Daniel Ginczek (62.) rettete Johan Djourou in höchster Not, Daniel Didavi (63.) blieb vor HSV-Keeper René Adler ebenfalls erfolglos. Harnik (82.) und Ginczek (83.) machten es später auch nicht besser. In der 88. Minute rettete der frühere Nationaltorwart, Hamburgs bester Mann, nochmals vor dem eingewechselten Timo Werner. „Wir haben es nun nicht mehr in der eigenen Hand, das fühlt sich beschissen an“, schimpfte HSV-Keeper René Adler anschließend. Der eingewechselte Zoltan Stieber gab sich nach dem Spiel kämpferisch: "Gegen Schalke müssen wir einfach alles geben - und sie schlagen." (dpa/HA)