Spielerkritik

Jiracek beförderte sich selbst zum neuen Mittelfeldchef

Gegen Gladbach fiel nur Nicolai Müller ab, ansonsten zeigten alle HSV-Profis eine klare Leistungssteigerung. Hier geht‘s zur Einzelkritik.

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Hamburg. Der HSV hat in den Schlussminuten einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf verspielt. Die Mannschaft von Trainer Joe Zinnbauer kam gegen Borussia Mönchengladbach nach einem Gegentreffer von Branimir Hrgota (90.+2) nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus und steckt damit im Tabellenkeller der Bundesliga fest.

Acht Tage nach der 0:8-Klatsche bei Bayern München hatte der HSV nach dem Führungstreffer von Zoltan Stieber (73.) lange auf Wiedergutmachung für die höchste Bundesliga-Niederlage gehofft, doch der eingewechselte Hrgota schockte die Gastgeber wenige Sekunden vor dem Ende. Die Einzelkritik der HSV-Profis:

Drobny: Bis zur Nachspielzeit fehlerlos, dann chancenlos.

Diekmeier: Eine ganz andere Gewichtsklasse als sein Ersatz Götz. Zeigte deutlich, warum er nach der Winterpause verletzungsbedingt so sehr gefehlt hat.

Djourou: 90 Minuten lang so zuverlässig wie das viel zitierte Uhrwerk aus der Heimat. Aber ein Spiel dauert eben nicht nur 90 Minuten: Der Schweizer konnte in der Nachspielzeit den Kopfball zum 1:1 nicht verhindern.

Rajkovic: Zementierte seinen erhofften Stammplatz. Als Gegenspieler dürfte es jedenfalls keinen Spaß bringen, gegen die serbisch-schweizerische Innenverteidigung des HSV ran zu müssen.

Ostrzolek: Sehr ordentlich. Konnte dem Trainer eindrucksvoll beweisen, dass es ein Fehler war, ihn derart lange auf der Bank schmoren zu lassen.

Jiracek: Beförderte sich in Abwesenheit von van der Vaart, Díaz, Behrami und Holtby einfach mal selbst zum Mittelfeldchef. Der beste Mann auf dem Platz.

Kacar (bis 85.): Nutzte seine Chance, auf die er fast drei Jahre lang wartete.

Westermann (ab 85.): Sollte den Heimsieg über die Zeit retten, was ihm nicht gelingen wollte.

Müller: Einziger Hamburger, der abfiel.

Stieber: In der ersten Halbzeit eher ein Regieassistent als ein echter Regisseur. In der zweiten Halbzeit dann Torjäger statt Vorbereiter, was ihm aber niemand übel nehmen dürfte. Stark.

Gouaida (bis 76.): Lief bis zum Umfallen. Den einen oder anderen Fehlpass durfte er sich deshalb erlauben.

Götz (ab 76.): Sprang beim Last-Minute-Gegentor nicht hoch genug.

Olic (bis 25.): Nach 20 Minuten fasste sich der Kroate an den rechten Oberschenkel, nach 21 Minuten bat er um seine Auswechslung, und nach 25 Minuten durfte er raus. Merke: Mit 35 Jahren ist man nicht mehr 25 Jahre alt...

Rudnevs (ab 25.): Brauchte nicht lange, um zu zeigen, warum er trotz Lasoggas Dauerverletzung kein Startelfkandidat ist. Erst legte sich der Lette den Ball zu weit vor (33.), dann erlaubte er sich aus bester Schussposition einen Querschläger (37.). Bereitete immerhin das Führungstor vor, verdaddelte aber mehrere Konterchancen fahrlässig.