Nachspiel

Leverkusen verschärft im Drmic-Poker unnötig den Ton

Jetzt umwirbt der HSV Bayers Ersatzstürmer Josip Drmic, den Leverkusen offenbar nicht abgeben will. So weit, so schlecht. Dass jetzt Bayer-Geschäftsführer Michael Schade schimpft, ist schlechter Stil.

Es ist eine allgemein anerkannte Floskel, dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauert. Im Fall vom HSV und Bayer Leverkusen ist der Spruch aber nicht nur abgedroschen, sondern sogar falsch. So hatte das Kampfspiel in der Hinrunde nicht nur ein schlagzeilenintensives Vorspiel, sondern seit dieser Woche auch ein nicht weniger unterhaltsames Nachspiel. Unterm Strich kann jedenfalls festgehalten werden, dass die Verantwortlichen beider Clubs keine Freunde mehr werden. Zunächst war da im vergangenen Sommer das unwürdige Wechseltheater Hakan Calhanoglus, das dank wechselseitiger Beschuldigungen, einer fragwürdigen Krankschreibung und einer plötzlichen Wunderheilung ein ganzes Sommerloch füllen konnte. Am Ende bekam der HSV 14,5 Millionen Euro und Leverkusen einen der talentiertesten Rotzlöffel der Bundesliga, der fußballerisch so gut wie rhetorisch schlecht ist. Doch gerade dann, als alle hätten glücklich sein können, ging nach dem 1:0-Kampfsieg des HSV gegen Bayer alles wieder von vorne los. Die Hamburger freuten sich möglicherweise ein wenig zu enthusiastisch, die Leverkusener weinten ein wenig zu theatralisch.

Und nun? Jetzt umwirbt der HSV Bayers Ersatzstürmer Josip Drmic, den Leverkusen offenbar nicht abgeben will. So weit, so schlecht. Doch dass jetzt Bayer-Geschäftsführer Michael Schade via „Express“ schimpft, die Hamburger würden doch viel reden, wenn der Tag lang sei, kann man durchaus als schlechten Stil beschreiben. Der Leverkusener hat seinem Namen jedenfalls alle Ehre gemacht: Schade, dass er nicht einfach geschwiegen hat.