Nachspiel

Zehnstundentag für HSV-Profis ist ein erster Schritt

Ein Kommentar von Alexander Laux

Oft genug hat der HSV an dieser Stelle reichlich Prügel bezogen, ob nach fußballerisch armen Darbietungen oder quälenden Vereinsquerelen, die den Club führungs- und orientierungslos in die Zukunft schlingern ließen. Nur gerecht ist es also, hier die Einführung des Zehnstundentags für die Profis zu würdigen. Bravo, HSV.

Wer wie die Fußballer ein Profiteur der Leistungsgesellschaft ist, muss notfalls auf die harte Tour lernen, dass sein üppiger Lohn mit der Verpflichtung verbunden ist, jeden Tag maximale Leistung zu bringen.

Viel zu lange hat man sich als Begleiter der Mannschaft gefragt, warum in Anbetracht der vielen Defizite der Arbeitstag eines gesunden Spielers häufig nach einer ein- oder zweistündigen Einheit vorbei sein soll. Vor allem aber blieb unverständlich, warum aus der Tatsache, dass die Leistungen etlicher Spieler in Hamburg stagnierten, der Schluss gezogen wurde, dass sie zu schlecht seien – statt sich einzugestehen, dass es versäumt wurde, sie ordentlich zu fördern.

Es wäre allerdings zu hoffen, dass sich die längere Anwesenheitspflicht der Profis nicht nur auf die Vorbereitungsphase beschränken wird. Um Spieler besser zu machen, gibt es viele Trainingsmöglichkeiten, nicht nur für die Beine, sondern auch für den Kopf. Und man mag sich kaum vorstellen, wie zügig sich Neuverpflichtungen wie der Brasilianer Cléber integrieren könnten, wären sie regelmäßig zum praktischen Deutschunterricht gezwungen. Außerdem werden die Gelüste jüngerer Spieler rapide abnehmen, am Abend noch länger um die Häuser zu ziehen, wenn sie am nächsten Tag um 7.30 Uhr antreten müssen.