Nachspiel

Der Unterschied zwischen HSV und St. Pauli

Ein Alternativangebot von Christian-A. Thiel

Irgendwann sind die Dinosaurier dann doch ausgestorben. Der HSV, der in diesen Tagen mehr denn je einem Fossil gleicht, ist auf dem Weg, sein letztes Alleinstellungsmerkmal zu verlieren und es den Urzeitechsen gleichzutun: Nur noch versteinerte Knochen, und die letzten Großtaten sind gefühlt Millionen Jahre her.

Der ewige Bundesligaclub rückt dem Abstieg bedrohlich näher. Ganz Hamburg spricht von einem Verlust, als würde Hagenbeck schließen und das Hafenbecken zugeschüttet.

Ganz Hamburg? Na ja. Es gibt da diese kleine Festung im Herzen der Stadt, den sympathischen braun-weißen Stadtteilverein. Am Millerntor wird angeblich auch professionell gekickt. Auf jeden Fall ist es ehrlicher, engagierter Fußball mit überschaubaren Qualitäten, mal schön, mal schaurig, aber immer mit Herz. Ganz egal, in welcher Liga, ob Stuttgart oder Sandhausen, Hauptsache, die „Hells Bells“ von AC/DC dröhnen und das Bier schmeckt. Selbst bei einem 0:3 singen die Fans immer weiter. Freie Plätze gibt es im Freudenhaus des deutschen Ligafußballs so selten wie bei Champions-League-Spielen in Dortmund.

Dieser FC St. Pauli ist, anders als der HSV, in einer komfortablen Situation. Wenn die Mannschaft im Frühsommer zufällig aufsteigt, weil kein anderer mehr Punkte gesammelt hat, nimmt sie mal eben ein Jahr Bundesliga mit. Wenn nicht, auch kein Problem. Die Hütte ist trotzdem voll. Auch so kann Fußball gehen.

Der HSV lernt gerade schmerzhaft, wie sich ein Abstieg anfühlt.

St. Pauli hat so etwas in beiden Bundesligen schon achtmal erlebt. Und einfach weitergemacht.