DFB-Pokal

HSV darf weiter vom Endspiel in Berlin träumen

Durch einen hart erkämpften und glücklichen 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln zieht der HSV erstmals seit 2009 wieder ins Pokal-Viertelfinale ein. Auf wen die Hamburger dort treffen, wird am Sonntag ausgelost.

Hamburg. Geschafft! Als Schiedsrichter Florian Meyer um 20.50 Uhr den bis zur letzten Sekunde spannenden Pokalkampf gegen den 1. FC Köln abpfiff, rissen die Spieler ihre Arme nach oben. Mit 2:1 rettete sich der HSV über die Ziellinie und steht nun erstmals seit 2009 wieder im Viertelfinale des DFB-Pokals. „Es war ein glücklicher Sieg“, sagte Trainer Bert van Marwijk, der selbst ein glückliches Händchen bewiesen hatte: In der 75. Minute wechselte er Ivo Ilicevic ein, dem das entscheidende Tor gelang. Damit lebt der Traum von Erreichen des Endspiels in Berlin weiter.

Es war in der Tat ein zäher, beschwerlicher Weg, bis das Erreichen des Viertelfinales feststand, und anders als noch beim 1:1 in Wolfsburg war der HSV dieses Mal mit der nötigen Portion Glück ausgestattet. So deutete bis kurz vor der Pause so gut wie nichts darauf hin, dass die Hamburger mit einer Führung in die Kabine gehen würden.

FC-Trainer Peter Stöger baute sein Team nach dem 3:0 beim FC St. Pauli um und beförderte die Offensivkräfte Anthony Ujah und Denial Halfar auf die Bank. Die Kölner zogen einen engmaschigen Defensivverbund auf. Zunächst mit Erfolg: Über weite Phasen der ersten Hälfte blieb das Spiel des HSV statisch, zu langsam und uninspiriert im Aufbau, Torchancen blieben Mangelware. Einzig Hakan Calhanoglu konnte einmal Torwart Timo Horn mit einem 17-Meter-Schuss prüfen (19.). Die Rheinländer hingegen nutzten die Fehler des HSV zu einigen gefährlichen Vorstößen. So rauschten Patrick Helmes und Slawomir Peszko nur um Zentimeter an einer Flanke von Marcel Risse vorbei, unbehindert von Jonathan Tah und Michael Mancienne (31.).

Mancienne? Richtig. Der Engländer, der eigentlich schon längst verkauft sein sollte, spielte erstmals seit April (1:4 gegen Schalke) wieder für die Profis und ersetzte Heiko Westermann (Kniebeschwerden). Es war übrigens der erste verletzungsbedingte Ausfall des Rechtsverteidigers, der 115 Ligaspiele seit 2010 für den HSV bestritten hatte und nur einmal gefehlt hatte – wegen einer Gelbsperre.

Trotz des stockenden Spiels blieben die Fans geduldig, sorgten für Stimmung und wurden durch Maximilian Beister belohnt. Eine Flanke von Marcell Jansen nahm der Linksfuß an der Strafraumgrenze mit vollem Risiko volley ab und beförderte den Ball ins linke Eck. Ein traumhaftes Tor! Riesenjubel auf den Rängen. Dass die Führung zu diesem Zeitpunkt unverdient war, interessierte niemanden. „Den Ball direkt zu nehmen war mein erster Gedanke, da er eine hohe Flugkurve hatte und mir die Annahme zu schwierig erschien“, sagte Beister. „Als er reinging, war ich selbst ein bisschen erschrocken.“

Man machte sich bereit zum Feiern, und nach Wiederanpfiff spielte der HSV endlich auch schwungvoll nach vorne, wirkte nun entschlossen, die Entscheidung zu suchen. So fiel der Ausgleich wie schon das 1:0 quasi aus dem Nichts. Nach einem schlampigen Pass von Johan Djourou nahm Adam Matuschyk Tomas Rincon den Ball ab und hatte keine Mühe, den Ball am machtlosen René Adler vorbei im HSV-Tor unterzubringen (54.). Fast eine Kopie des 0:1 gegen Hannover durch Huszti im letzten Bundesliga-Heimspiel, als Adler auf den bedrängten Rincon gespielt hatte.

Es entwickelte sich nun ein völlig offenes, wenn auch nicht hochklassiges Spiel. Mit einem Freistoß traf Patrick Helmes nur die Latte (58.), Durchatmen bei den HSV-Fans. Nur acht Minuten später hätte Tolgay Arslan die angespannte Stimmung auflockern können, doch er schoss den Ball nach einem Querpass von Milan Badelj völlig frei über den Kasten.

Dem HSV war die klare Spiellinie längst wieder abhandengekommen, obgleich die kämpferische Einstellung absolut stimmte. Aber viele Aktionen verpufften, weil sie zu hektisch vorgetragen wurden. So war es fast zwangsläufig, dass beim 2:1 auch der Faktor Zufall Pate stehen musste. Nachdem Pierre-Michel Lasogga einen Ball im Strafraum der Kölner erobert hatte, passte Calhanoglu in den Rückraum auf Badelj. Dessen Schuss wurde von Kevin Wimmer so abgefälscht, dass der Ball bei Ilicevic landete, der in der 85. Minute aus sechs Metern einschieben konnte. Ausgerechnet der Kroate, der noch am Freitag in Wolfsburg den Sieg in der Schlussphase vergeben hatte.

Auf wen der HSV nun im Viertelfinale (11./12. Februar) trifft, liegt in den Händen von Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid, die bei der Auslosung am 8.Dezember (18 Uhr, live in der ARD-Sportschau) als „Glücksfee“ fungieren wird. Jubeln darf der Club auf jeden Fall über die dringend benötigte Finanzspritze in Höhe von 1,2 Millionen Euro, plus der Hälfte der Zuschauereinnahme, plus ein eventuelles Livespiel.