Die Firma HSV

Weit mehr als elf Männer in Trikots

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Wie funktioniert der HSV? Wer führt den Klub, wie ist die gesellschaftsrechtliche Struktur des Fußball-Unternehmens mit 261 Angestellten?

Hamburg. Wer ist der Hamburger SV? Für die meisten Fans sind das die elf Männer, die mit dem HSV-Trikot in die Bundesliga-Stadien einlaufen. Tatsächlich hat sich der Klub längst zu einem riesigen Unternehmen entwickelt. 140 Millionen Euro Umsatz, 261 Angestellte inklusive der Topstars und eines einfachen Mitarbeiters mit einem Monatseinkommen über 400 Euro. Aber wie funktioniert diese Firma HSV, wer regiert sie? Wie ist die gesellschaftsrechtliche Struktur, wie sind die Leitungs- und Haftungsfunktionen? Wem gehört der HSV? In der nebenstehenden Infografik sind alle Verflechtungen und Beteiligungen aufgeführt, darunter auch von Vermarkter Sportfive.

Der Verein

Über allem steht das einfache Mitglied im HSV e. V. (eingetragener Verein). Die Versammlung als höchstes Beschlussgremium wählt acht der zwölf Aufsichtsräte, die wiederum den Vorstand bestellen und abberufen. Der Vorstand für Mitgliederbelange wird ebenfalls direkt von der Basis gewählt (und danach vom Aufsichtsrat bestellt). Vier Delegierte werden von den Fördernden Mitgliedern (inklusive Supporters Club, Kids Club), der Gemeinschaft der Senioren, HSV-Ochsenzoll und den Amateuren (31 Abteilungen) ins Kontrollgremium entsandt. Ein Sportdress ist dort nicht überall erforderlich: Neben Abteilungen wie Tanzen oder Karate findet sich auch Bowling, Dart und Skat beim HSV.

Die Sport-AG

Diese Aktiengesellschaft erfüllt eine Holding-Funktion (Dachgesellschaft) für die Tochter- und Beteiligungsunternehmen des HSV. Sie wurde vom früheren Präsidenten Jürgen Hunke während dessen Amtszeit (1990-93) gegründet. Hunke wollte 36 Millionen Mark für den damals finanziell maroden Klub einsammeln, indem er 36 000 Aktien zu 1000 Mark anbot. Die Umsetzung misslang. Die Aktiengesellschaft blieb und ist zwar nicht operativ tätig, dient aber jetzt zudem als "Haftungsschutzschirm" für den HSV e. V., das heißt, sie schützt den Verein im Falle finanzieller Schräglage vor Durchgriffshaftung. Der HSV e. V. hält 100 Prozent an der HSV Sport AG. Bei einer (nicht geplanten und nicht erwünschten) Beteiligung eines Unternehmens könnten Anteile dieser AG veräußert werden. Neun der zwölf Aufsichtsräte des HSV e. V. sind auch Aufsichtsräte der AG.

Der Stadionbesitzer

Beim Bau des Stadions 1998 gründete der HSV die "HSV Stadion HSV Vermögensverwaltungs-GmbH & Co. KG". Sie ist die Eigentümerin und Vermieterin des Stadions, mit dieser Kommanditgesellschaft wurden auch die Kreditverträge abgeschlossen. Als Kommanditgesellschaft bezeichnet man eine Personengesellschaft, in der sich zwei oder mehr natürliche Personen oder juristische Personen zusammengeschlossen haben, um unter einer gemeinsamen Firma ein Handelsgewerbe zu betreiben.

Grund für eine Trennung von Stadionbesitz und -betreibung war, dass anfangs der Stadionbauer Andreas C. Wankum 20 Prozent der Anteile am Stadion (plus eine Loge für 20 Personen in bester Lage) für sich verhandelt hatte. Später musste Wankum seine Anteile am Stadion im Zuge der Komplikationen beim Stadionbau und der Mehrkosten wieder abgeben.

Der HSV nahm ab 1998 ein Darlehen von 84,5 Millionen Euro auf (Haspa, Vereinsbank, HSH Nordbank), doch die Kosten stiegen auf 100 Millionen Euro. Der HSV besitzt aber nur 99 Prozent der Imtech-Arena. Ein Prozent hält Vermarkter Sportfive treuhänderisch von der Sport-AG bis zum Vertragsende 2015 an der Eigentümergesellschaft und ihrer Komplementärin (Eigentümer-Haftung). Inzwischen beläuft sich der Stadionkredit nur noch auf 43 Millionen Euro. 2017 ist die Großimmobilie weitgehend getilgt.

Der Stadionbetreiber

Die "HSV-Arena GmbH & Co. KG" ist die Mieterin des Stadions und betreibt es auch. Der Betreiber vermarktet in seiner operativen Tätigkeit alle Rechte, hier laufen die Einnahmen wie Tickets, Sponsoring, Merchandising, HSV-Reisen ein. Der HSV muss jährlich 8,3 Millionen Euro Annuität (Abtrag des Kredits) leisten, hierfür überweist der Stadionbetreiber den Mietzins an den Stadioneigentümer, der die Banken bedient. Alle Gewinne werden zu 100 Prozent an den HSV e. V. abgeführt.

Arena-Leitung und Eigentümerhaftung

Die "HSV-Arena Verwaltungs GmbH" und die "HSV-Vermögensverwaltungs GmbH" sind gesetzlich vorgeschriebene Komplementär-Gesellschaften (persönlich haftende Gesellschafter der Kommanditgesellschaften), die nicht operativ tätig sind. Übersetzt im Falle des HSV heißt das: Beide GmbHs haften Gläubigern gegenüber mit ihrem Vermögen für Verbindlichkeiten der KG (Stadionbesitzer und Betreiber). Die HSV Sport AG hält 99 Prozent (Stadioneigentümer) bzw. 75 Prozent (Stadionbetreiber) der Anteile an diesen GmbHs, deren Grundkapital aber nur 25 000 Euro beträgt.

Die Arena-Leitung liegt zwar laut Gesetz bei der HSV-Arena Verwaltungs GmbH, operativ tätig ist aber nur der Stadionbetreiber mit der zur Komplementärin identischen Geschäftsführung.

Der Vermarkter

Sportfive (früher Ufa Sports) sorgte beim Bau des HSV-Stadions für die Mietzins-Garantie. Neben einer Einmalzahlung für Markenrechte in Höhe von 750 000 Mark gab Sportfive dem HSV ein Darlehen von 24,25 Millionen Mark und erhielt im Gegenzug für die Dauer der Vertragslaufzeit 25 Prozent der Anteile an der HSV-Arena Verwaltungs GmbH und einen Sitz in der Geschäftsführung, den Managing Director Philipp Hasenbein bekleidet. Sportfive akquiriert die Sponsorenverträge (Namensrecht beim Stadion, Exklusivpartner etc.) und erhält dafür rund 15 Prozent Provision. Beteiligt ist Sportfive auch an Einnahmen aus der Vermarktung bei internationalen Spielen.