HSV spielt 0:0 gegen Bayern München

Für diesen Tritt muss Guerrero ordentlich zahlen

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HSV-Coach Armin Veh ist sauer auf Paolo Guerrero. Der verhielt sich bei seiner Auswechslung gegen die Bayern unangemessen - nicht sein erster Fehltritt.

Hamburg. Es war ein stilloser Abgang, der für HSV-Angreifer Paolo Guerrero ein Nachspiel hat. Beim 0:0 gegen die Bayern am Freitagabend war der Peruaner nach seiner Auswechslung in der 62. Minute langsam vom Platz gegangen, hatte Trainer Armin Veh ignoriert, trat wütend in eine Werbebande und verschwand sofort in die Kabine. Jetzt reagierte Veh und verdonnerte seinen Stürmer zu einer saftigen Geldstrafe. „So ein Verhalten geht gar nicht, Paolo ist ein Kind“, sagte Veh: „So kann er nicht rauslaufen.“

Guerrero ist nicht zum ersten Mal bei den Hanseaten negativ aufgefallen. Insbesondere sein Flaschenwurf in der vergangenen Saison gegen einen Fan nach dem Spiel gegen Hannover 96 sorgte für Aufsehen. Er wurde dafür vier Spiele gesperrt und erhielt vom HSV eine Rekordgeldstrafe, die zwischen 50.000 und 100.000 Euro gelegen haben soll. Erst in der vergangenen Woche machte er zudem Schlagzeilen, als er seinen Porsche in der Innenstadt teilweise auf einem Behindertenparkplatz abgestellt hatte.

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Am Ende flüchtete sich HSV-Kapitän Heiko Westermann in eine etwas abgedroschene Fußball-Weisheit: "Ein Punkt ist besser als gar keiner." Recht hatte Westermann dennoch. Ein Remis gegen den Rekordmeister ist nicht eben schlecht. Aber halt auch nicht wirklich gut und hilfreich - zumindest nicht gegen einen FC Bayern in dieser personellen Verfassung. Ohne die Weltstars Arjen Robben oder Franck Ribéry. Ohne die Routiniers Daniel Van Buyten und Mark van Bommel. Doch dafür fehlte dem HSV auch der allerletzte Biss.

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Und dennoch hätte es ein Freudenfest geben können. Genau genommen fehlten nur ein paar Zentimeter. Als Jonathan Pitroipa in der 81. Minute allein auf das Tor von Jörg Butt stürmte, hatten die HSV-Fans in der ausverkauften Arena den Torschrei bereits auf den Lippen. Doch der Ball prallte gegen den Pfosten - vergeben die riesige Chance, der nicht nur Westermann nachtrauerte: "Es ist so bitter, dass er das Tor nicht gemacht hat."

In der 43. Minute musste Drobny für den verletzten Rost ins Tor

In dem insgesamt doch enttäuschenden Klassiker gab es noch weitere Aufreger. Vor allem die Verletzung von Frank Rost. Aber auch der Auftritt des enttäuschenden Paolo Guerrero. Wütend trat er gegen die Bande, als er auf Geheiß von Trainer Armin Veh das Feld in der 62. Minute zugunsten von Petric verlassen musste. "Darüber brauchen wir nicht lange reden. Das geht einfach nicht", kritisierte Trainer Armin Veh und kündigte an: "Ich werde ihm ein paar deutlichen Worte sagen."

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Dabei hatte es vor der 91. Auflage des Nord-Süd-Schlager anders als in der Vergangenheit häufig üblich noch ein sehr freundschaftliches Hallo in den Katakomben der Imtech-Arena gegeben. Marcell Jansen scherzte mit seinem Nationalelfkollegen Bastian Schweinsteiger, Bayerns Edson Braafheid herzte den verletzten Eljero Elia - noch immer an Krücken - und der frühere HSV-Profi Ivica Olic schüttelte mehr Hände, als er in Hamburg Tore geschossen hatte. Beide Mannschaften einigten sich vor dem Anpfiff auch noch darauf, zu Ehren der in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verstorbenen Loki Schmidt gemeinsam mit Trauerflor aufzulaufen. Doch spätestens nach 15 Minuten war es mit der geballten Herzlichkeit vorbei, als Bastian Schweinsteiger Torhüter Frank Rost rüde im Fünfmeterraum mit dem Ellenbogen attackierte. Eine kurze Behandlungspause, wütende "Scheiß FC Bayern"-Gesänge und ein permanentes Pfeifkonzert gegen Münchens Mittelfeldstrategen waren die kurzfristigen, aber scheinbar noch harmlosen Folgen.

Ernsthafte Folgen traten erst mit 25-minütiger Verzögerung auf, als Rost signalisierte, dass er doch nicht weiterspielen könnte. Ersatztorhüter Jaroslav Drobny musste ohne Aufwärmen für die letzten fünf Minuten bis zur Pause ins Tor - wurde aber nicht mehr geprüft. Viel mehr als der Wirbel um den verspäteten Torwartwechsel wurde den 57 000 Zuschauern in der natürlich ausverkauften Imtech-Arena in den ersten 45 Minuten allerdings nicht geboten. Hamburgs Urgestein Uwe Seeler schien dennoch zufrieden: "Heute spielt der HSV wirklich gut. Aber ich würde mir wünschen, dass die Mannschaft nach dem Wechsel noch mehr Gas gibt."

Seelers Wunsch wurde zunächst nicht in die Tat umgesetzt. Der HSV spielte - auf regendurchtränktem und ziemlich glitschigem Rasen - wie im ersten Durchgang ordentlich nach vorne, Bayern stand aber defensiv sicher. Zumindest Taktikfans wie der niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijk, der von der Tribüne aus seine Schützlinge Ruud van Nistelrooy und Joris Mathijsen beobachtete, kamen auf ihre Kosten. Der HSV dominierte und agierte im erfolgreich in Mainz getesteten 4-4-2-System mit Raute, Bayern konterte und reagierte mit weltmeisterlicher 4-2-3-1-Taktik. Ein Fußballfest wollte sich aber nicht entwickeln.

HSV-Trainer Veh reagierte nach 61 Minuten und wechselte Bayernschreck Mladen Petric, der in den vergangenen beiden Heimspielen jeweils den erlösenden 1:0-Siegtreffer erzielt hatte, für Guerrero ein. Zehn Minuten später musste dann auch van Nistelrooy mit Knieschmerzen den Platz verlassen, für ihn beorderte Trainer Veh Maxim Choupo-Moting nach ganz vorne. Die große Siegchance hatte aber Mittelfeldflitzer Jonathan Pitroipa. Nach einem Petric-Pass stürmte der Burkinabe zehn Minuten vor Schluss alleine auf Bayerns Torhüter Butt zu, scheiterte aber am Pfosten.

Die vergebene Siegchance war der Auftakt zu einer turbulenten Schlussphase, in der plötzlich die Bayern drückten und die Hamburger konterten. Die Bemühungen beider Mannschaften wurden aber nicht belohnt. "Wir hätten in der Schlussphase das Spiel auch noch verlieren können", gab Nationalspieler Philipp Lahm zu. Insgesamt sei das Unentschieden aber verdient. Bayern-Trainer Louis van Gaal trauerte dagegen am Ende dem Sieg noch hinterher: "Ich hatte das Gefühl, dass viel mehr möglich war. Hamburg war am Ende kaputt, da hätten wir gewinnen müssen."