Keine Regressforderungen

Was die Vertragsauflösung Urs Siegenthalers für den HSV bedeutet - es gibt auch Gewinner

Längenfeld. Als Theo Zwanziger am Freitag die Agenda der DFB-Präsidiumssitzung verlas, war das große Thema bereits gestrichen: Urs Siegenthaler. Der Chefscout des DFB hatte sich (das Abendblatt berichtete) bereits im Vorfeld der Sitzung dem Drängen der DFL-Führung gebeugt und auf die Doppelfunktion für HSV und Verband verzichtet.

Siegenthaler war am Tag zuvor seinem langjährigen Arbeitgeber gefolgt und hatte die vertraglich fixierte Tätigkeit beim HSV als Hauptverantwortlicher für die Nachwuchsentwicklung, Scouting und Spielanalysen abgesagt. Eine Entscheidung, die der HSV ohne Regressforderungen akzeptierte. Allein die Umstände verärgerten die Vereinsführung der Hamburger. Bastian Reinhardt, der bei der aktuellen Kaderplanung eng mit Siegenthaler zusammengearbeitet hatte, sah unlautere Methoden am Werk - mit verheerenden Folgen für den HSV: "Urs wurde gezwungen, sich zu entscheiden. Dadurch sind wir die Leidtragenden. Wir wollten seine Kompetenz nutzen - das wurde jetzt zerstört."

Doch halten sich hartnäckig Gerüchte, die für Siegenthalers Absage nicht allein DFL und DFB verantwortlich machen. Demnach soll der Schweizer nur in der damals durchaus wahrscheinlichen Annahme, sein Vertrauter Joachim Löw würde nach der Weltmeisterschaft als Bundestrainer aufhören, den HSV als Alternative gewählt haben. Erst als Löw einer starken WM auch seine Vertragsverlängerung folgen ließ, soll auch der Schweizer gedanklich umgeschwenkt sein.

Die Absage produziert aber auch Gewinner. Neben den HSV-Jugendtrainern, denen der Schweizer mit ihrer Demission gedroht hatte, zählen auch die von Siegenthaler eingesetzten Paul Meier, der plötzlich verantwortlich für den HSV-Nachwuchs zeichnet, und Christofer Clemens dazu. Der frühere Mitarbeiter des Fußball-Analytikers "Mastercoach" arbeitet beim HSV im Bereich Scouting/Spielanalyse. Siegenthaler hatte beiden mit seiner Vertragsunterschrift beim HSV einen neuen Job verschafft. Und sie mit seiner Vertragsauflösung befördert.