Antalya-Cup

HSV siegt dank Hesl im Marathon-Elfmeterschießen

Belek/Kundu. Als am Sonnabend der HSV-Bus um kurz vor Mitternacht am Mannschaftshotel The Dome vorfuhr, konnten sich der eine oder andere Profi einen kurzen Jubellauf durch die Lobby nicht verkneifen. "Wir haben den Pott, da ist das Ding", witzelte beispielsweise Marcell Jansen auf dem Weg in "Selcuk's Restaurant", wo sich die Spieler nach der vorangegangnen Nervenschlacht stärkten.

Mit 17:16 (!) im Elfmeterschießen hatte der HSV zuvor im Finale des Antalya-Cups den türkischen Meister Besiktas Istanbul geschlagen und sich somit den ersten - wenn auch unbedeutenden - Titel 2010 gesichert.

"Die beiden Spiele gegen Kayserispor und Besiktas waren zwei gute Tests für uns. Und den Pokal nehmen wir natürlich gerne mit nach Hamburg", sagte Bruno Labbadia, der sich nach dem Gewinn des T-Home-Cups im Sommer bereits über seinen zweiten Vorbereitungstitel als HSV-Trainer freuen durfte.

Verdanken durfte er den Pokal zum einen seinen sicheren Elfmeterschützen, die bei 17 Versuchen 17-mal trafen, zum anderen Ersatztorhüter Wolfgang Hesl, der sich in den vorangegangenen 90 Minuten immer wieder auszeichnen konnte und den entscheidenden Elfmeter von Ismail Boybasi gehalten hatte. "Ich hätte ganz gerne schon früher einen Elfmeter parieren wollen, aber so hat es ja auch noch gereicht", sagte Hesl, der die Trophäe nach dem "längsten Elfmeterschießen, das ich jemals erlebt habe", im Konfettiregen den rund 100 mitgereisten HSV-Fans präsentieren durfte.

Wichtiger als die silberne Trophäe und der Siegerscheck über 40 000 Dollar war für Labbadia aber die Erkenntnis, das seine umgebaute Abwehr, in der Tomas Rincon aus Personalmangel erneut hinten rechts aushelfen musste, eine Woche vor dem Rückrundenstart gegen Freiburg in beiden Partien gegen die türkischen Süper-Lig-Klubs überzeugen konnte. Und auch Robert Tesche, der für Rincon ins defensive Mittelfeld an die Seite David Jarolims rückte, präsentierte sich gegen Besiktas gegenüber dem eher durchwachsenen Auftritt gegen Kayserispor (3:0) stark verbessert. Nur im Sturm wurde auch im Endspiel, auf das Mladen Petric wegen leichter Knieschmerzen verzichten musste, deutlich, dass der HSV ohne den Kroaten, Eljero Elia (Aufbautraining nach Haarriss) und Paolo Guerrero (Kreuzbandriss) zu harmlos besetzt ist. So konnten weder Tunay Torun noch Tolgay Arslan oder Marcus Berg, der zumindest im Halbfinale überzeugt hatte, gegen Besiktas die Lücke schließen. "Bis zum Spiel gegen Freiburg haben wir ja noch ein paar Tage Zeit, um an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen", sagte Labbadia, der dem Pokal einen gebührenden Platz im HSV-Museum frei räumen würde.

HSV: Hesl - Rincon, Rozehnal, Mathijsen (ab 87. Dettmann), Aogo (ab 68. Beister) - Jarolim (ab 77. Tavares), Tesche - Trochowski, Jansen - Torun (ab 46. Arslan), Berg.

Tore im Elfmeterschießen: Trochowski, Rincon, Berg, Arslan, Jansen und Rozehnal treffen je zweimal, Tesche, Tavares, Beister, Dettmann und Hesl je einmal.