Rückkehr zum HSV

Maximilian Beister: "Ich werde beim HSV noch besser"

Mit einem Traumtor in einem denkwürdigen Spiel verabschiedet sich der künftige HSV-Spieler aus Düsseldorf. In Hamburg hat er Großes vor.

Hamburg. Maximilian Beisters Stimme weist die Folgen von Dauergesängen und einer Menge alkoholischer Getränke auf. Die Aufstiegsfeier seines Nochvereins Fortuna Düsseldorf dauert nun schon seit Dienstagnacht an, auch wenn ihr Ende wegen der für heute vorgesehenen Entscheidung des DFB-Sportgerichts über den Ausgang der Relegation gegen Hertha BSC offen ist. Beister, 21, der zur neuen Saison nach zwei Ausleihjahren in Düsseldorf zum HSV zurückkehrt, nennt sich den "glücklichsten Menschen der Welt". Jetzt will sich der U21-Nationalspieler bei seinem Jugendklub beweisen.

Hamburger Abendblatt: Herr Beister, was empfanden Sie, als Sie am Dienstag in der 77. Minute ausgewechselt wurden?

Maximilian Beister: Ich war glücklich, traurig, zufrieden - alles zugleich. Ich wusste beim Rauslaufen: 'So, Junge, das war's jetzt. Eine unfassbar geile Zeit geht vorbei.' Als ich dann noch sah, wie sich die Zuschauer von ihren Sitzen erhoben, das war unbeschreiblich. Ein so intensives Gefühl hatte ich noch nie erlebt. Ich hatte Gänsehaut, hätte heulen können - und ich war seltsam glücklich.

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Glücklich, weil Ihre Düsseldorfer zu diesem Zeitpunkt aufgestiegen waren ...

Beister: ... halt, stopp! Auch heute sind wir aufgestiegen. Die Diskussion kann ich nicht nachvollziehen und finde sie merkwürdig.

Hatten Sie keine Angst, als die Zuschauer das Spielfeld stürmten?

Beister: Nein, es war sicherlich eine kritische Situation. Aber wir haben eigentlich sehr friedliche Fans. Ich war eher mächtig sauer, dass die nicht gemerkt haben, dass sie unseren Erfolg gefährden. Da haben die Düsseldorfer 15 Jahre lang so leiden müssen, und unmittelbar vorm Überschreiten der Ziellinie machen die sich und uns fast alles kaputt.

Fast? Das Urteil des DFB steht aus.

Beister: Das stimmt. Aber alles andere als eine normale Wertung wäre ein Skandal. Das Spiel ist regulär vom Schiedsrichter an- und wieder abgepfiffen worden. Es endete 2:2 - und mit uns als Aufsteiger. Basta.

Mit uns meinen Sie Fortuna Düsseldorf. Ab dem 1. Juli spielen Sie für den HSV, haben in Hamburg einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Inwieweit denken Sie schon an den HSV?

Beister: Oha, fiese Frage! Ich habe in den letzten Nächten nicht viel geschlafen. Ich hatte gar keine Zeit, an etwas anderes zu denken als an unsere Party. Ich glaube, das ändern auch die vier Tage auf Mallorca mit der Mannschaft nicht. Aber danach geht es los. Schon vor zwei Jahren stand für mich fest, dass ich zum HSV zurückgehe. Und so traurig der Abschied aus Düsseldorf ist, er hätte ja besser gar nicht sein können. Ich gehe am Höhepunkt - und es öffnen sich für mich neue Türen, von denen ich als HSV-Jugendlicher geträumt hatte.

Müssen Sie sich Scherze ihrer Noch-Mannschaftskollegen anhören, weil Sie nächste Saison Gegner sind?

Beister: Klar, immer wieder. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich mich riesig auf die Duelle freue. Die Fortuna ist ein wichtiger, prägender Teil von mir geworden. Und das bleibt so.

Bekommen Sie von den Personalplanungen des HSV etwas mit?

Beister: Wenig. Aber ich weiß, dass Artjoms Rudnevs gut sein soll, ebenso natürlich René Adler. Es ist super, mit solchen Leuten in einer Mannschaft zu spielen, eine echte Herausforderung. Ich weiß, dass es für mich nicht leichter wird. Ich muss mich neu beweisen. Aber das kenne ich. Ich habe auch in Düsseldorf nichts geschenkt bekommen und musste am Anfang tierisch beißen, um mich durchzusetzen. Ich weiß, dass ich in Hamburg noch besser werden und einen großen Schritt machen muss.

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Der Sie wohin führen soll?

Beister: Dieser Aufstieg ist emotional das bisher Größte für mich. Aber ich habe fest vor, das alles mit dem HSV noch mal zu steigern.

Ist die A-Nationalmannschaft ein Ziel?

Beister: Ich bin U21-Nationalspieler und will weiter für Deutschland spielen. Dafür muss ich mich empfehlen. Beim HSV habe ich dafür optimale Voraussetzungen.

Haben Ihr neuer Trainer Thorsten Fink und HSV-Sportchef Frank Arnesen Ihnen eigentlich schon zum letzten Erfolg mit der Fortuna gratuliert?

Beister: Ich glaube schon. Wahrscheinlich gleich mit dem Trainingsplan als Anhang. Ich hatte auf jeden Fall eine Menge SMS nach dem Spiel bekommen und auch gelesen. Allerdings mit fünf, sechs Bieren intus. Ich kann mich nicht wirklich an alle Absender erinnern. Aber ich lese mir die irgendwann alle noch mal in Ruhe durch.