EM-Finale

Nationalelf vor dem Finale

Die deutsche Nationalmannschaft hat seine Zelte im Tessin abgebrochen und wurde rührend verabschiedet. Die Reise nach Wien dauerte 80 Minuten, am Abend steht ein letztes Abschlusstraining im Ernst-Happel-Stadion an.

Bei herrlichem Sonnenschein wurde die DFB-Auswahl verabschiedet. Schulkinder aus dem Tessin ließen schwarz-rot-goldene Luftballons steigen, lokale Politprominenz und Hotelpersonal standen mit Deutschland-Fähnchen Spalier, als die deutsche Mannschaft ihre Reise zur letzten EM-Etappe antrat.

Der sichtlich bewegte Bundestrainer Joachim Löw bedankte sich für die Unterstützung, dann verschwand auch er im Bus, der den DFB-Tross zum Flughafen brachte.

Die Mannschaft ist kampfbereit, um mit ihrem vierten EM-Triumph nach 1972, 1980 und 1996 ihre an Tücken und Beinah-Abstürzen reiche Bergtour 2008 zu beenden. "Wir brennen alle, sind heiß auf das Spiel", sagte Christoph Metzelder stellvertretend für seine Mitspieler. Auch der komplett geheilte Torsten Frings zeigte Entschlossenheit: "Wir wollen dahin und diesmal auch etwas hochstrecken und nicht nur unsere T-Shirts mit dem Aufdruck 'Danke' zeigen".

Franz Beckenbauer nahm die Equipe in die Pflicht. "Jetzt nutzt Eure Chance auf den Titel. Für manche ist es vielleicht die einzige der Karriere. Geschichte schreibt man erst mit einem Titel", so der Bayern-Präsident in seiner "Bild"-Kolumne.

Die große Chance sieht Beckenbauer in Kapitän Ballack. Die Spanier hätten zwar fantastische Einzelspieler wie Fabregas, sagte der DFB-Vizepräsident, aber sie haben keinen Chef auf dem Platz, keinen echten Kapitän. Michael Ballack könne den Unterschied machen, wenn er wie gegen Portugal von der ersten Minute an mit seiner Körpersprache anzeigt, dass er da ist! Ballack müsse den Spaniern zeigen, dass, wer Deutschland schlagen will, erst einmal ihn bezwingen müsse.

Spanier ebenfalls siegessicher

Die Gegner im EM-Finale sind natürlich auch ganz heiß. Obwohl sie z.B. auf ihren Torjäger David Villa verzichten müssen. Zwar gab es am Freitag noch Spekulationen, ob der bei der EM bisher erfolgreichste Stürmer nicht doch noch zum Einsatz käme, doch das waren eher Fantasien der spanischen Presse.

Villa hatte sich beim Halbfinalspiel gegen Russland bei einem Freistoß einen "kleinen Riss in der Muskulatur des rechten Oberschenkels" zugezogen und muss nun etwa zehn Tage pausieren. Dies bestätigte Spaniens Teamarzt Jesus Jimenez. Für Villa könnte der "Edelreservist" Francesc Fabregas einspringen.

Neben den Personal-Problemen - die angeblich keine sind, weil die Spieler von der Bank angeblich allesamt prächtige Leistungen erbringen werden - plagt die Spanier noch ihr Aberglaube. Ministerpräsident Jose Luis Rodríguez Zapatero soll, so die spanischen Fans, bloß nicht zum Finale nach Wien anreisen. Der sozialistische Regierungschef soll angeblich Pech bringen. Der Aberglaube stützt sich darauf, dass die Elf von Trainer Luis Aragones bei der EM ohne Präsenz von Zapatero alle Spiele gewonnen habe. Außerdem hat Spanien die Basketball-EM gegen Russland mit lediglich einem Punkt Unterschied verloren - nur weil Aragones anwesend war. Jetzt gilt er als Unglücksbringer.